Studentenwut an US-Elite-Uni Harvards Kampf ums Öl

Die Harvard University macht viel Geld im Öl- und Gasgeschäft. Studenten fordern, Investitionen in klimaschädliche Unternehmen zu stoppen. Doch für die Uni zählt nur eins: Die Gewinne müssen sprudeln.

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Als Präsidentin der reichsten Universität der Welt ist Drew Faust eine mächtige Frau, doch am Donnerstagmorgen nützte ihr das wenig: Eine Handvoll Studenten stand mit Transparenten vor ihrem Büro, nicht gewillt, die Mitarbeiter der Hochschulverwaltung durchzulassen. Erst nach der Festnahme eines Studenten und einem Polizeieinsatz war der Weg wieder frei, berichtet die "Financial Times" (FT).

Wütend macht die Harvard-Studenten das Finanzgebaren ihrer noblen Universität: Sie kritisieren, dass die Uni mit ihrem Milliardenvermögen auch in den Öl- und Gassektor investiert und so vom Raubbau an der Umwelt und dem klimaschädlichen Geschäften der Ölfirmen profitiert.

"Divest Harvard from fossil fuels" stand deshalb auf ihren Plakaten, frei übersetzt: Steckt Harvard-Geld nicht mehr in fossile Energieträger. Die Initiative Divest Harvard verweist auf die Bedrohung des Weltklimas durch den Ausstoß von CO2, der die Erderwärmung befördert.

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Der Protest ist Teil einer großangelegten "Divest"-Kampagne, die in den USA seit 2011 läuft. Laut FT ist es den Aktivisten bis jetzt bei elf US-Hochschulen gelungen, dass diese ihr Geld ganz oder teilweise aus dem Gas- und Erdölgeschäft abgezogen haben. Ziel soll es sein, bis Jahresende 20 Hochschulen zum Verzicht auf Öl- und Gasinvestments zu bewegen.

Harvard will um jeden Preis die verbrannten Milliarden zurück

Anders als Universitäten in Deutschland sind amerikanische Spitzenhochschulen nicht nur Bildungseinrichtungen, sondern auch global agierende Finanzinvestoren. Unter den märchenhaft reichen Privat-Unis ist Harvard die reichste: 33 Milliarden US-Dollar umfasst das Stiftungsvermögen, mit dem die Uni Lehre und Forschung auf höchstem Niveau finanziert.

Um dieses Vermögen zu vergrößern, betreiben die Hochschulen eigene Investment-Töchter, die für sie an den internationalen Finanz-, Nahrungsmittel- und Rohstoffmärkten spekulieren. Für die Elite-Uni in Boston kümmern sich Fondsmanager der Harvard Management Company um ihr Vermögen. Die Mitarbeiter rekrutiert die Company direkt aus der Elite-Universität.

Bis 2008 war die Bilanz der Harvard-Spekulanten eindrucksvoll: 13,8 Prozent Vermögenszuwachs spielten die Manager im Jahresdurchschnitt ein. Dann allerdings erwischte sie die globale Finanzkrise hart: Die Investment-Gurus hatten innerhalb eines Jahres sagenhafte elf Milliarden Dollar verzockt und das Harvard-Vermögen um ein Drittel reduziert. Uni-Präsidentin Faust musste 2008 einräumen, der Hochschule stünden "nie dagewesene Verluste" bevor, es komme eine "Zeit der größeren finanziellen Einschränkungen".

"Divest it like it's hot"

Beim Auffüllen des Stiftungsvermögens will Faust offenbar keine Kompromisse machen. Bereits im Oktober hatte die Uni-Chefin es abgelehnt, die Investment-Strategie ihrer Uni zu politisieren, wie sie es nannte. Die Gewinnziele zu senken, könne "schwere wirtschaftliche Folgen" haben.

In einem weiteren Statement teilte Faust Anfang April mit, Geld aus der Petro-Industrie abzuziehen sei "nicht klug" und nicht hilfreich beim Kampf der Uni gegen den Klimawandel. Auch am Donnerstag wiederholte Faust, Harvard werde auch weiter in Öl- und Gasfirmen investieren. Das Geld abzuziehen würde schließlich nur "einen geringen Effekt auf die entsprechenden Firmen" haben.

Harvard will stattdessen seine eigenen CO2-Emissionen senken und sich neue freiwillige Richtlinien für seine Investment-Entscheidungen geben. Dan Apfel, Mitinitiator der "Divest"-Kampagne an US-Universitäten, ist das nicht genug. Ein starkes Signal großer Investoren wie Harvard wäre es, wenn sie sich "nicht nur gegen den Klimawandel aussprechen, sondern auch Geld in die Hand nehmen, um den Kampf für Lösungen zu unterstützen", sagte Apfel der FT.

Kaum vorstellbar, dass sich Harvards Präsidentin Faust dadurch einfach umstimmen lässt. Doch Apfel und seine Mitstreiter wollen weiter gegen Öl-Investments agitieren. Studenten der kalifornischen Santa Clara University haben der Divest-Bewegung in dieser Woche hierfür eigens einen Sommerhit getextet. Frei nach einem alten Snoop-Dogg-Erfolg heißt es darin: Divest it like it's hot.

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Seite 1
MartinS. 04.05.2014
1. ...
Zitat von sysopYoutubeDie Harvard University macht viel Geld im Öl- und Gasgeschäft. Studenten fordern, Investitionen in klimaschädliche Unternehmen zu stoppen. Doch für die Uni zählt nur eins: Die Gewinne müssen sprudeln. http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/harvard-kampagne-studenten-fordern-divest-fossil-fuels-a-967272.html
So sehr wie ökopolitisches Engagement zu befürworten ist... wenn die Studenten fordern, dass die Universität sich aus diesem Bereich zurückzieht, dann müssten sie im Gegenzug den Verlust durch erhöhte Gebühren ausgleichen. Da Harvard ja nun ohnehin nicht ganz günstig ist, wird dies einen gutgestellten Teil der Studenten vielleicht tatsächlich nicht wirklich berühren... aber ein nicht unbeträchtlicher Anteil dürfte das kaum stemmen können. Man hat sich ja auch selbst beworben und ist freiwillig an der University. Interessant könnte jetzt sein, wie Harvard damit umgeht, oder ob Studenten bereit sind, aus Konsequenz die Institution zu verlassen. (...oder ob das nur ein kurzes Strohfeuer des Aktionismus ist und in zwei Monaten wieder im Studentenalltag untergegangen sein wird)
dr.dax 04.05.2014
2.
Harvard hat so etwa 20.000 Studenten auf einem Bild sind sage und schreibe 14 Demonstranten zu sehen! Ganz grosses Kino. Ich bin mir sicher, dass man sogar auf dem Campus genug Menschen findet die von diesen Aktivisten nichts wissen bzw nichts wissen wollen! Ausserdem argumentieren diese Typen total sinnbefreit. Erdoel und Erdgas sowie deren Derivate werden benoetigt das steht ueberhaupt nicht zur Debatte; wenn ich nun will das Rohstoffe halbwegs umweltvertraeglich gefoerdert und verarbeitet werden, dann muss ich meine Position bei diesen Unternehmen ausbauen statt zu reduzieren! Weil 'da draussen' genug Investoren schlange stehen die einzig und allein eine hohe Rendite sehen wollen "koste es was es wolle"...
kategorien 04.05.2014
3. Geldmachen
Eine interessante Geschichte. Das Beeindruckende ist jedoch, dass eine Bildungseinrichtung ein derart hohes Vermögen anhäufen konnte, nicht wahr? Ich habe in den USA viel mit privaten Investoren zu tun. Ich kann nur sagen: Bei Amerikanern und bei Asiaten zählt nur das Geld. Es wird alles verkauft, investiert, gehandelt, das Geld erwirtschaften kann. Ich habe oft das Gefühl, dass es in deren Tradition fest verankert ist.
FKassekert 04.05.2014
4. Wir leben jetzt!
nach uns die Sintflut! American live ...
tabernakelmenetekel 04.05.2014
5. faust gegen apfel... das klingt ja
Wie goethe und tell.... deshalb sind die us unis auch so politisch korrekt und araber bzw. Deren religion gegenüber so freundlich.... es geht immer nur ums Geschäft bzw. Den schnöden Mammon
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