Schluss mit den Männerklubs Harvard macht ernst

Studentenverbindungen nur für Männer? Das soll es in Harvard nicht mehr geben. Wer dennoch eintritt, bekommt kein Stipendium und kann nicht Kapitän eines Sportvereins der US-Uni werden. Die Klubs sind empört.

Harvard-Uni
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Zutritt nur für Männer: In den USA gibt es an vielen Universitäten sogenannte All-Male Social Clubs. Die Harvard University will das nicht mehr akzeptieren und die Studentenklubs dazu bewegen, alle Geschlechter aufzunehmen. Wer künftig in einen reinen Männerklub eintritt, hat kaum noch Chancen auf ein Stipendium, darf keine sozialen Gruppen auf dem Campus leiten oder Kapitän in einem Sportverein werden. Die Entscheidung gilt auch für Klubs, die nur Frauen aufnehmen.

Eine entsprechende Regelung wurde bereits 2016 erlassen und nun in einer Abstimmung erneut von der Uni-Leitung bestätigt. Sie hofft dadurch, die Herrenklubs zu modernisieren, die teilweise bereits seit dem 18. Jahrhundert bestehen. Die Präsidentin der Harvard University, Drew Faust, sagte: "Die Klubs sind das Produkt einer anderen Ära, einer Zeit, in der die Studentenschaft in Harvard männlich, kulturell homogen, überwiegend weiß und wohlhabend war."

Alkoholmissbrauch und sexuelle Belästigung

Seit Jahren stehen Studentenverbindungen in den USA vermehrt in der Kritik. In einer Umfrage an der Harvard University gaben 47 Prozent der Studentinnen, die in Kontakt mit den Männerklubs standen, an, schon einmal sexuellen Kontakt gegen ihren Willen erlebt zu haben. Die Mitglieder der Klubs wiesen die Vorwürfe zurück. Es gebe keine Probleme mit sexuellem Missbrauch oder Belästigung. Doch auch anderen Studentenverbindungen werden Alkoholmissbrauch und sexuelle Belästigung vorgeworfen. In Texas wurden Mitte November nach einemTodesfall Studentenverbindungen verboten.

Präsidentin der Harvard University Drew Faust
AP

Präsidentin der Harvard University Drew Faust

Ein Komitee der Harvard University hatte ein noch strengeres Vorgehen gegen die Männerklubs vorgeschlagen. Demnach sollten alle der Uni verwiesen werden, die solchen Verbindungen beitreten.

"Harvard könnte kaum falscher liegen"

Einige Studenten haben bereits auf die neue Regelung reagiert. So haben sich "The Delphic", ein Klub nur für Männer, mit der Frauen-Vereinigung "The Bee" zusammengeschlossen. Andere Vereinigungen reagierten empört auf die Entscheidung der Uni-Leitung. "Harvard könnte kaum falscher liegen. Die Uni kann sowohl die Rechte von Studenten wahren und gleichzeitig eine sichere und gesunde Gemeinschaft auf dem Campus fördern", sagte Heather Kirk, die mehrere Bruderschaften in Harvard vertritt.

Andere Klubs prüfen offenbar, gegen den Erlass der Uni zu klagen. "Die Entscheidung zeigt eine bemerkenswerte Verachtung für die Wahl der Studenten, ihre Autonomie und ihre Freiheit", sagte Harvey Silverglate, Anwalt für Bürgerrechte. "Es ist auffallend, wie die Verwaltung Harvard Studenten wie Kleinkinder behandelt." Auch unter den Lehrenden regt sich Widerstand gegen die Regelung. Ein Professor und ehemaliger Dekan versuchte, die Sanktionen zu kippen. Sein Antrag wurde jedoch abgelehnt.

"Letztendlich haben die Schüler die Freiheit zu entscheiden, was für sie wichtiger ist: Mitgliedschaft in einer geschlechterdiskriminierenden Organisation oder Zugang zu Privilegien und Ressourcen", heißt es in einer Erklärung der Uni-Leitung.

koe/AP

insgesamt 9 Beiträge
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hellas16 06.12.2017
1. Unfug
Warum muss immer alles gemischt sein? Es gibt doch auch nicht nur "gemischte" Saunen? Man stelle sich Phileas Fogg in einem "gemischten" Londoner Club vor! Jules Vernes Roman "In 80 Tagen um die Welt" wäre nie erschienen; und die Menschheit wäre um ein Stück Weltliteratur ärmer.
Sibylle1969 06.12.2017
2. @1 hellas16
Wir befinden uns aber um 21. Jahrhundert und nicht mehr im 19. Jahrhundert. Seit den Zeiten von Jules Vernes und Phileas Fogg haben sich ein paar Kleinigkeiten geändert, und das ist auch gut so...
chrisw 06.12.2017
3.
Ich hoffe die Verbindungen können Harvard verklagen und bekommen vor Gericht ihr gutes Recht zugesprochen. Dieser Diskriminierung der freien Meinungsäußerung muss Einhalt geboten werden.
frau.v 06.12.2017
4. Gut so!
Ein wichtiger Schritt! Sieht man sich in Industrie und Wirtschaft um, sieht man die dort entstandenen Netzwerke auch nach dem Studium noch. Ich habe nichts gegen Networking im allgemeinen, im Gegenteil. Aber das rein auf das Geschlecht zu begrenzen erscheint mir nicht fair. Ich bin auch gegen reine Mädchen- oder Jungen-Schulen. Was bringt es, wenn Mädchen unter sich bleiben und später in Studium und Beruf doch wieder mit männlichem Wettbewerb konfrontiert werden?
Sternekoch. 07.12.2017
5. Diskriminierungswahnsinn
Einfach furchtbar wie dieser Antidiskriminierungswahnsinn um sich greift. Die Clubs sind private Vereine, die sich gefälligst aussuchen dürfen sollen wen sie aufnehmen. Dies von der Universität aus zu sanktionieren ist ein massiver Eingriff in die Rechte der Studenten. Universitäten sollten ihre Studenten nicht durch Zwang ideologisch prägen, das ist nich ihre Aufgabe. Männer sind Männer und Frauen sind Frauen. Ansonsten bitte alle Privilegien der Frauen abschaffen und in Sportdisziplinen und allen anderen Bereichen in denen noch zwischen Geschlechtern unterschieden wird diese Unterscheidung aufheben. Und wenn beide Geschlechter gleich sind, warum brauchen wir dann eine Frauenquote? =) Bitte nicht falsch verstehen, ich habe nichts dagegen, dass Männer und Frauen in den selben Clubs sind, wenn dies sinvoll und gewünscht ist, aber ein Club der sich auf alte Traditionen beruft und eine Geschlechter Trennung favorisiert, sollte dies auch weiterhin tun dürfen. In einem reinen Männerclub sind nunmal Männer, und Frauen sind keine Männer. Oder soll ich auch einen Aufschrei starten, wenn meine Freundin und ihre Freundinnen mal wieder einen Mädels Abend machen? Ich finde es schon schlimm genug, dass die Boyscouts, also amerikanischen Pfadfinder, sich dazu entschieden haben, Trans Männer aufzunehmen.
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