Helikopter-Eltern nerven Studienberater Liebe Mamas und Papas, SO bitte nicht

Bald fängt die Uni an - nicht nur für die Studenten: Studienberater erzählen von absurden Anrufen und Besuchen von Eltern, die ihren Nachwuchs nicht ziehen lassen können.

Getty Images

Von


Wer sich für ein Studium interessiert, entscheidet oder bereits eingeschrieben hat, hat bereits viele Jahre Schule hinter sich. Hat die Pubertät hinter sich, mindestens einen Liebeskummer und war hoffentlich schon mal länger als fünf Tage ohne Eltern unterwegs.

Kurz gesagt: Wer studiert, kann schreiben, lesen, telefonieren, um Hilfe bitten - oder all das sein lassen. Und auch das wäre okay. Viele Helikopter-Eltern sehen das jedoch anders. Sie kreisen über ihren Kindern und fliegen ihnen sogar bis in die Uni hinterher.

Dort tyrannisieren sie dann nicht nur ihre Prinzen und Prinzessinnen, sondern mit Vorliebe auch die Studienberatungen und Prüfungsbüros.

Hier berichten Uni-Mitarbeiter von besonders nervigen Müttern und Vätern:

Ein Vater ruft an.

Es ist Bewerbungsphase an der Uni. Ein Vater ist am Telefon, er möchte nachfragen, ob es möglich sei, nach der Erstellung des Bewerbungsaccounts den angegebenen Vornamen zu ändern. "Nein", sagt die Studienberaterin. Der Vater erklärt daraufhin, seine Tochter habe bei der Erstellung des Bewerberaccounts den Vornamen des Vaters angegeben, "aus Versehen".


Bafög-Antrag
DPA

Bafög-Antrag

Eine Mutter ruft an.

"In Ihrem Terminplan steht, dass die Ergebnisse des Aufnahmetests am 31.8. bekannt gegeben werden und das Studium am 5.9. beginnt. Könnten Sie bitte den Studienbeginn um eine Woche vorverlegen? Wissen Sie, mein Sohn wird am 31. August 30. Jahre alt, und man kann sich mit 30 nicht mehr fürs Bafög bewerben. Deswegen muss er mit dem Studium früher beginnen."


Ein Vater ist wütend.

Eine Studentin hatte mehrere Prüfungen in Pflichtveranstaltungen der ersten beiden Semester nicht bestanden. Daher hatte sie keine Zulassung für eine der Hauptexkursionen, ist aber trotzdem mitgefahren. Diese Exkursion kann ihr nun nicht anerkannt werden. Ihr Vater nimmt sich der Sache an und erscheint im Prüfungsbüro. Er sei Bankdirektor und sie nur eine kleine Angestellte, sie solle sich mal nicht so haben und seiner Tochter die Note eintragen, fordert er die Uni-Mitarbeiterin auf.

Die Frau entgegnet, dass es ihr egal sei, dass er Bankdirektor ist. Er sei ihr nicht weisungsberechtigt und außerdem sei seine Tochter volljährig und für ihre Angelegenheiten selbst zuständig. Der Vater ist sichtlich irritiert, die Tochter voller Scham. Wütend verlässt er das Büro und droht mit einem Anwalt. Er geht sogar noch zum Fachbereich und versucht bei den Dozenten und beim Professor, Eindruck zu machen und seinen Willen durchzusetzen. Allerdings erfolglos. Von einem Anwalt hört die Uni nie etwas, und die Studentin gibt irgendwann ihr Studium auf.


Mutter mit Sohn
Getty Images

Mutter mit Sohn

Eine Mutter rückt an.

Eine besorgte Mutter (Lehrerin für Deutsch, wie sie sofort mitteilt) lässt sich einen Beratungstermin für ihren Sohn geben und kommt auch mit zu dem Termin. Der Sohn, 21, zeigt Aktivität nur durch Kopfnicken beziehungsweise Kopfschütteln, während die Mutter spricht:

"Mein Sohn studiert derzeit Wirtschaft in Hamburg, aber er ist da nicht so glücklich. Und jetzt sucht er etwas, wo er sich aktiver entfalten kann. Er geht gerne aus sich heraus, und er möchte auch etwas Abwechslungsreiches haben, nicht wahr, XY?"

"Also, wie sind denn so die Anforderungen an das Studium?"

"Mein Sohn ist immer so stark auf Eigeninitiative bedacht - kann er das hier bei Ihnen ausleben?"

"Was kann man damit machen?"

"Das hört sich doch prima an, da wirst du dich doch bewerben, oder?"


Mama ruft an.

"Hallo, ich bin die Mama von XY. XY ist gerade im Seminar. Ich wollte mich erkundigen, ob Sie die Bescheinigung der Bachelorarbeit fertiggemacht haben. Auf dem Prüfungsamt habe ich eben schon angerufen."


Papa hofft auf eine bessere Note.

Eine Abschlussarbeit eines 23-Jährigen wird von beiden Gutachtern mit der Note ausreichend bewertet. Einige Tage später erhält der Dozent einen Brief, geschrieben vom Vater des Studenten: "Sehr geehrter Professor, ich wende mich mit der Bitte an Sie, die Prüfungsnote unseres Sohnes noch einmal zu überdenken. Als Ingenieur weiß ich, dass Studienabsolventen mit ausreichender Examensarbeit nur sehr schwer eine Anstellung finden. Ich habe die Arbeit selbst gelesen und bin der Meinung, dass es sich um eine gute Arbeit handelt. Ich verbleibe in der Hoffnung auf Erteilung einer besseren Note."


Studenten im Hörsaal
DPA

Studenten im Hörsaal

Mutter ruft bei der Studienfachberatung an.

Das Semester läuft gerade seit drei Wochen, da ruft die Mutter eines Erstsemesters an, um "mal nachzufragen, ob ihr Sohn auch gewissenhaft bei der Sache ist". Ob er sich etwa schon für alle Kurse angemeldet habe? Nach dem Hinweis vonseiten der Beratung, dass aus Datenschutzgründen keine personenbezogenen Informationen weitergegeben werden können, erwidert die Mutter, man werde ja wohl Verständnis haben, dass sie wissen möchte, ob alles wie geplant läuft. Sie als Eltern würden das Ganze ja schließlich finanzieren.


Familiensitzung.

Persönliches Beratungsgespräch mit Vater, Mutter und schüchternem jungen Mann. Vater: "Unser Sohn möchte Informatik studieren." Die Familie nimmt Platz, der Sohn sitzt zwischen seinen Eltern, hält den Kopf gesenkt und schweigt. Es folgen 15 Minuten mit zahlreichen Fragen des Vaters und zustimmendem Nicken der Mutter. Irgendwann bittet die Studienberaterin die Eltern aus dem Raum und fragt den jungen Mann, was er eigentlich machen möchte. "Eine Schreinerlehre."


Panische Mutter, lethargischer Sohn.

"Eine Mutter hatte angerufen und für ihren Sohn einen Termin ausgemacht", berichtet eine Studienberaterin. "Am fraglichen Tag stand die Mutter pünktlich, abgehetzt und leicht panisch vor meinem Büro und meinte, sie könne ihren Sohn nicht finden, und das, wo sie ihn doch extra gebeten hatte, pünktlich zu sein. Ich beruhigte sie und sagte ihr, sie solle in Ruhe nach ihrem Sohn suchen und dann noch mal wiederkommen."

Zehn Minuten später waren dann beide da und setzten sich an den Besprechungstisch. Die Studienberaterin fragt den Sohn: "Wie kann ich Ihnen helfen?", woraufhin dieser leicht verwirrt seine Mutter anschaut und diese fragt: "Mutti, WO sind wir hier noch mal?" Die Mutter wird rot und zischt ihm zu: "Ich hab dir gesagt, wir gehen zur Studienberatung! Willst du einen Job oder ich?"


  • picture alliance / Bildagentur-o
    Vom Dinkelzwang bis zur Notenklage: Sind Sie Hebamme, Lehrer, Erzieher, Kinderarzt, Studienberater, Professor, Anwalt, Sporttrainer - oder Nachbar/Freund/Bekannter? Haben Eltern schon mal absurde Forderungen an Sie gestellt oder versucht, Sie auszuhorchen, zu beeinflussen oder einzuspannen - zum vermeintlichen Wohle der eigenen Kinder?

    Schicken Sie uns hier Ihre absurden Anekdoten über Helikoptereltern. (Mit einer Einsendung erklären Sie sich mit einer anonymen Veröffentlichung auf SPIEGEL ONLINE und sämtlichen anderen Medien der SPIEGEL-Gruppe einverstanden.)


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 138 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
majorfabs 26.09.2016
1. Schöne Geschichten,
aber, ehrlich gesagt, glaube ich kein Wort davon. Es klingt eher wie eine dieser Uni- Legenden, die von Generation zu Generation weitererzählt und immer weiter aufgeblasen werden. Ein arroganter, selbstherrlicher Bankdirektor, der alles alleine klären möchte, weil er das so gewohnt ist. Naja. Ein Sohn, der nicht weiß, wo er ist und seine Mutter alles für ihn vor Ort regeln muss. Klingt irgendwie abenteuerlich und nicht sehr plausibel. Selbstverständlich gibt es in jeder Studiengeneration eine große Menge unselbständiger Anfänger. Aber das gab es schon immer. Nicht mehr und nicht weniger schlimm. Nach ein paar Jahren Selbstfindung richtet sich das meist von alleine.
Kerze der Freiheit 26.09.2016
2.
Zitat von majorfabsaber, ehrlich gesagt, glaube ich kein Wort davon. Es klingt eher wie eine dieser Uni- Legenden, die von Generation zu Generation weitererzählt und immer weiter aufgeblasen werden. Ein arroganter, selbstherrlicher Bankdirektor, der alles alleine klären möchte, weil er das so gewohnt ist. Naja. Ein Sohn, der nicht weiß, wo er ist und seine Mutter alles für ihn vor Ort regeln muss. Klingt irgendwie abenteuerlich und nicht sehr plausibel. Selbstverständlich gibt es in jeder Studiengeneration eine große Menge unselbständiger Anfänger. Aber das gab es schon immer. Nicht mehr und nicht weniger schlimm. Nach ein paar Jahren Selbstfindung richtet sich das meist von alleine.
Ich halte dies auch für eine Legende. Ein paar wenige Studenten sind so, aber der Anteil dieser dürfte sich im Promillebereich befinden. Im Grund geht es doch nur darum, die Studenten aus dem Haus ihrer Eltern in eigene Wohnungen zu bewegen, damit die Mieten für kleine Zimmer durch die so entstehende weiter steigende Nachfrage noch weiter erhöht werden können.
citycity 26.09.2016
3.
Leider gibt es das tatsächlich.. solche Eltern meinen es sicher gut, sind aber für alle Beteiligten unerträglich und tun den Kindern im Endeffekt keinen Gefallen. Das liegt aber auch daran, das die Schulen so ein Verhalten begünstigen. Woher sollen die Kinder, die gerade mit dem Abi in der Tasche noch Elternsprechtage und blaue Briefe gewöhnt sind und die unter 18 nicht mal krank sein können, ohne das Mutti einen Zettel schreibt, plötzlich verstehen das jetzt Eigeninitiative gefragt ist?
josifi 26.09.2016
4. Geschichten stimmen
Ich bin Lehrer an einem Abendgymnasium für Erwachsene (Durchschnittsalter etwa 23) , die alle berufstätig sind. Aber auch bei uns tauchen Eltern auf, die a) den Unterricht besser machen würden, b) mit den Noten nicht zufrieden sind c) allgemeine Beschwerden haben....
loncaros 26.09.2016
5.
Tja, unsere Eltern waren halt noch davon überzeugt, dass das Kind, wenn es sich denn anstrengt und fleißig ist, schon einen guten Job kriegen wird, egal ob jetzt mit Ausbildung oder mit Studium, und genug Geld verdienen wird. Die Eltern von heute wissen es besser.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.