Hochschul-Ranking Auf in den Osten!

Zur Abwechslung einmal eine Statistik, in der Sachsen-Anhalt vorn liegt. Das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) hat die Ausstattung der deutschen Hochschulen unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Im Osten sind die Studienbedingungen oft besser als im Westen.

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Substanz ist entscheidend. Nach aktuellen Statistiken interessiert sich etwa jeder zweite Studienanfänger stark für die Ausstattung seiner zukünftigen Hochschule. Nur wenn hier alles bestens ist, fällt die Entscheidung für einen bestimmten Studienort.

Erstsemester in Berlin: Bröckelt der Putz? Oder sind die Wände frisch gestrichen?
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Erstsemester in Berlin: Bröckelt der Putz? Oder sind die Wände frisch gestrichen?

Bei der Auswahl liegen die Fragen auf der Hand: Bröckelt in den Hörsälen der Putz und knarren Holzbänke aus dem vor-voringen Jahrhundert? Oder sind die Wände frisch gestrichen und Tische und Stühle nach ergonomischen Kriterien gestaltet? Sind Bibliotheken auf dem Niveau der Nachkriegsära oder wissenschaftlich auf dem neuesten Stand? Werkeln in den Computerpools Rechnerfossile aus der digitalen Frühzeit oder Topmodelle der neuesten Generation?

Um hier Entscheidungshilfe zu leisten, hat das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) die riesigen Datenberge seines Hochschulrankings noch einmal unter die Lupe genommen. Im Interesse der Forscher standen dabei die Urteile der Studierenden zur Ausstattung der Hochschulen. Wer an einem Hochschulstandort täglich Seminarräume, Bibliotheken und Labore nutz, kann deren Qualität am besten beurteilen.

Bis auf die Computer-Räume ist an Saale und Elbe alles prima

"Die Hochschulen in den neuen Bundesländern werden besonders häufig positiv bewertet", erklärt CHE-Wissenschaftlerin Mareike Hennings. Und in der Tat belegen Sachsen-Anhalt, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen in der CHE-Liste die vordersten Plätze. Bei den Bewertungen der Spitzenländer gibt es eigentlich nur eine einzige Achillesferse, wie das Beispiel Sachsen-Anhalt zeigt: Bei Laboren, studentischen Arbeitsplätzen, Unterrichtsräumen und Bibliotheken ist alles in Butter. Lediglich bei der Computer-Infrastruktur sacken die Werte auffällig ab. In Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern sehen die Dinge ähnlich aus.

Im Osten freut man sich naturgemäß über die Top-Noten. "Hier zeigt sich, dass sich die zusätzlichen Investitionen des Freistaates in die Ausstattung unserer Hochschulen im wahrsten Sinne des Wortes auszahlen", sagt Sachsens Wissenschaftsministeriums Eva-Maria Stange auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE. Sie macht vor allem zusätzliche Landesmittel für die guten Platzierungen verantwortlich. Eine wichtige Rolle habe auch die – bei ihrer Verabschiedung höchst umstrittene - Hochschulvereinbarung in Sachsen gespielt. Durch sie hatten die Hochschulen Planungssicherheit und Extra-Mittel bekommen, mussten sich aber zum Teil zur Abschaffung bestimmter Studiengänge verpflichten.

Während im Osten also gejubelt wird, sind die West-Länder in dem CHE-Ranking nur Mittelmaß: Schleswig-Holstein und Bayern schaffen es immerhin auf die Plätze fünf und sechs. „Diese Ergebnisse zeigen noch einmal, dass es sinnvoll ist, die Studienplätze in den neuen Bundesländern nicht abzubauen, sondern die guten Ausstattungsbedingungen auch in Zukunft bundesweit für Studieninteressierte bereit zu halten“, sagt Detlef Müller-Böling, der Chef des CHE.

Im Blick hat der Bildungsforscher dabei auch den Hochschulpakt: In ihm war nach langem Ringen festgelegt worden, dass die Ost-Länder trotz in Zukunft sinkender Studentenzahlen ein konstant hohes Niveau an Studienplätzen vorhalten werden. Für die Selbstverpflichtung, zwischen Ostsee und Erzgebirge keine Studienplätze abzubauen, bekommen die Ost-Länder eine millionenschwere Vorab-Präime aus dem Hochschulpakt.

Eva-Maria Stange hofft, dass die Studienbedingungen in Zukunft noch öfter ausschlaggebend für die Wahl des Studienortes sind: "Schließlich geht es darum, mehr Studierende - vor allem aus den alten Ländern - nach Sachsen zu locken." Die hervorragende Ausstattung der Hochschulen sei dabei ein nicht unerheblicher Pluspunkt, frohlockt die Ministerin. Wie hatte doch Bundesbildungsminsetrin Annette Schavan (CDU) vor einiger Zeit staatstragend formuliert: " Das wäre ein gutes Zeichen dafür, dass die innere Einheit Deutschlands weiter vorankommt."



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