Kampf um Studenten Fachhochschulen bilden neue Lobbygruppe

Sieben Hochschulen haben einen neuen Verbund gegründet: Die "Hochschulallianz für den Mittelstand" will angewandte Lehre und Forschung stärker mit der Wirtschaft verkuppeln - und den Universitäten Studenten abjagen.

Hochschule Niederrhein (Archiv): Forschung und Lehre mit "Mittelstandsbezug"
Hochschule Niederrhein

Hochschule Niederrhein (Archiv): Forschung und Lehre mit "Mittelstandsbezug"


In Deutschland ist ein Großteil der rund 2,7 Millionen Studenten an Universitäten eingeschrieben, rund 900.000 sind es an Fachhochschulen. Ein neu gegründeter Verbund aus sieben Hochschulen möchte diese Verteilung nun verschieben und sich entschieden wirtschaftsfreundlich ausrichten.

Die "Hochschulallianz für den Mittelstand" (HAfM), die am Dienstag in Berlin vorgestellt worden ist, will junge Menschen dazu bewegen, ein Studium an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften, den früheren Fachhochschulen, zu absolvieren. "Sonst laufen wir Gefahr, den Fachkräftemangel insbesondere im Mittelstand deutlich zu verschärfen", sagte der Vorsitzende der HAfM und Präsident der Hochschule Niederrhein, Hans-Henning von Grünberg. Ziel des Verbunds sei es zudem, Wissenschaft mit starkem Praxisbezug und die mittelständische Wirtschaft enger zu verzahnen.

Thomas Sattelberger, ehemaliger Personalvorstand der Deutschen Telekom und Mitglied im Beirat der Allianz, sagte: "Wir haben in Deutschland nicht nur ein Missverhältnis zwischen akademischer Bildung und beruflicher Ausbildung, sondern auch zwischen akademischer Forschung und konkreter Anwendungsforschung für den Mittelstand."

Zu den sieben Gründungsmitgliedern der Allianz gehören die Hochschule Niederrhein, die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, die Hochschule Koblenz, die Technische Hochschule Mittelhessen, die Technische Hochschule Nürnberg, die Hochschule Bremerhaven und die Hochschule Magdeburg. Insgesamt sind an diesen Hochschulen rund 78.000 Studenten eingeschrieben.

Die HAfM plant, in Zukunft weitere Hochschulen aufzunehmen. Dafür ist nicht der Hochschultyp entscheidend, sondern die Anwendungsorientierung in Forschung und Lehre und der Mittelstandsbezug der jeweiligen Hochschule, wie es in einer Pressemitteilung heißt.

Dass sich Hochschulen zusammenschließen liegt im Trend: Vor zweieinhalb Jahren haben 15 große Universitäten den Verbund "German U15" gegründet. Zuvor hatten sich die selbsternannten führenden technischen Universitäten Deutschlands zur "TU9" zusammengeschlossen.

kha/dpa

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insgesamt 5 Beiträge
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christiewarwel 17.03.2015
1. Sehr gut
endlich werden die Uni entlastet und die grundlagenforschungsorientierten Studiengänge (Physik, Chemie, Biologie) und Studenten können sich wieder auf das konzentrieren, wofür sie da sind: Grundlagenforschung voran bringen (und nicht die Industrie billig mit passend ausgebildetem Personal beliefern).
wibo2 17.03.2015
2. Zu viele Masterstudenten und -studiengänge an den FHs
"Sieben Hochschulen haben einen neuen Verbund gegründet: Die "Hochschulallianz für den Mittelstand" will angewandte Lehre und Forschung stärker mit der Wirtschaft verkuppeln" (SPON) Wenn die Fachhochschule zu einer "Universität light" gemacht wird, dann wird sie zum Problem. Bachelor an der FH ist o.k. Das Studium an der Fachhochschule bietet gegenüber dem Universitätsstudium eine stärkere Anwendungsorientierung, eine straffere Organisation, kleinere Studiengänge und ein Studium ohne Abitur. Aber Master Studium an den FHs? Wozu? Wir brauchen Fachhochschulen, die praxisbezogen arbeiten und nahe bei der mittelständischen Wirtschaft sind. Dies ist ihre Stärke. Lehrbeauftragte sollten direkt vom Arbeitsplatz kommen und an den FHs unterrichten. Sie sollten zum Teil selbst FH Bachelors oder Ing.grad sein. Das ist ein direkter Praxisbezug. Stattdessen werden immer mehr Doktoren bevorzugt als FH Dozenten eingesetzt, was ein Irrweg ist.
gandalf_der_bunte 17.03.2015
3. HAfM und Akademisierungswahn
Ich sehe durch die HAfM weniger eine neue Konkurrenzsituation zwischen Uni und FH entstehen (die zu begrüßen wäre), als zwischen FH und Berufsausbildung. Nida-Rümelin's weist in seinem Buch "Akademisierungswahn" auf das Problem hin, dass die politisch gewollten steigenden Studienanfängerquoten das bewährte und international bewunderte System der Berufsausbildung aushöhlen. Kann die HAfM wirksam dem Fachkräftemangel im Mittelstand entgegenwirken, wenn wirtschaftsnahe FHs und Ausbildungsbetriebe großteils im gleichen Bewerberteich fischen? @christiewarwel: Seit wann sind Studiengänge und Studierende für Grundlagenforschung da?? Und wie sollen Uni-Studiengänge in Physik, Chemie und Biologie durch eine engere Zusammenarbeit der FHs mit dem Mittelstand entlastet werden??
gandalf_der_bunte 17.03.2015
4. HAfM und Akademisierungswahn
Ich sehe durch die HAfM weniger eine neue Konkurrenzsituation zwischen Uni und FH entstehen (die zu begrüßen wäre), als zwischen FH und Berufsausbildung. Nida-Rümelin's weist in seinem Buch "Akademisierungswahn" auf das Problem hin, dass die politisch gewollten steigenden Studienanfängerquoten das bewährte und international bewunderte System der Berufsausbildung aushöhlen. Kann die HAfM wirksam dem Fachkräftemangel im Mittelstand entgegenwirken, wenn wirtschaftsnahe FHs und Ausbildungsbetriebe großteils im gleichen Bewerberteich fischen? @christiewarwel: Seit wann sind Studiengänge und Studierende für Grundlagenforschung da?? Und wie sollen Uni-Studiengänge in Physik, Chemie und Biologie durch eine engere Zusammenarbeit der FHs mit dem Mittelstand entlastet werden??
hjm 17.03.2015
5.
Witzig. Im Zuge der Bologna-Reform war es den FHs ungemein wichtig, endlich mit den Unis auf einer Stufe zu stehen. Wollten die nicht sogar das Promotionsrecht für sich beanspruchen? Und nun werben sie damit, dass sie keine Unis sind, sondern etwas besseres? Da kommt doch die ganze (sowieso schon absurde) Bildungs-Diskussion durcheinander. Was ist denn nun die „höhere” Bildung? Die theoretisch-abstrakte (Uni), oder die praktisch-angewandte (FH)?
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