Hochschulen Bologna-Reform auch für Jura

Was halten die Hochschulen vom Koalitionsvertrag? Peter Gaehtgens, Vorsitzender der Hochschulrektorenkonferenz, über die Bildungspolitik der neuen Regierung und die Umstellung auf Bachelor und Master.


SPIEGEL:

Sind die Hochschulen zufrieden mit dem Koalitionsvertrag?

Peter Gaehtgens: Nur zum Teil. Zwar sind die angekündigten Erhöhungen der Forschungsmittel ermutigend. Doch es mangelt an Koordination.

SPIEGEL: Die Kultusministerkonferenz ...

Peter Gaehtgens: Länder zeigen wenig Initiative
DPA

Peter Gaehtgens: Länder zeigen wenig Initiative

Gaehtgens: ... ist nicht entscheidungsbefugt. Und die künftige Bundesbildungsministerin Annette Schavan will sich aus dem Hochschulbereich weitgehend zurückziehen, da entsteht eine Lücke.

SPIEGEL: Offensichtlich haben sich die Koalitionäre im Bund auch schon schlecht abgestimmt. Im bildungspolitischen Teil steht, dass die Umstellung auf Bachelor- und Masterabschlüsse bis 2010 vorangetrieben werden soll, im Kapitel Rechtspolitik heißt es jedoch, dass Juristen von der Reform ausgenommen werden sollen. Was soll das?

Gaehtgens: Das ist Unfug. Es ist eine groteske Vorstellung, dass man meint, für einzelne Studiengänge eine Ausnahme machen zu können. Alle Länderminister und der Bund haben sich per Gesetz zu der Umstellung verpflichtet.

SPIEGEL: Die europäische Großreform, die 1999 im so genannten "Bologna-Prozess" verankert worden ist, steht auch vor einer weiteren Herausforderung: Die Studentenzahlen steigen in den nächsten Jahren um bis zu 30 Prozent. Wie helfen die Länder ihren Unis bei der Bewältigung des Ansturms?

Gaehtgens: Bislang gar nicht. Die Budgets werden fast überall gekürzt, obwohl in den Bachelor-Studiengängen mehr Personal für die Betreuung nötig wäre. Wir brauchen dringend eine bessere Ausstattung. Wenn die Länder hier nicht umsteuern, droht das neue akademische Ausbildungssystem zu scheitern, bevor wir es richtig installiert haben.

Das Gespräch führte Per Hinrichs



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