Weltweites Hochschulranking Das sind die besten deutschen Unis

Wer in Deutschland studieren will, sollte nach München oder Heidelberg gehen - meinen die Autoren des neuen "THE"-Hochschulrankings. Britische und amerikanische Hochschulen sehen sie weiter an der Spitze. Und China holt auf.

Universität Heidelberg

Die Universität Freiburg hat sich deutlich verbessert, die Uni Köln auch. Ansonsten steht es nicht allzu gut um die deutsche Hochschullandschaft, finden die Autoren des "Times Higher Education"-Rankings ("THE") - obwohl sie Deutschland weiterhin zu den stärksten Bildungsnationen zählen.

Einmal im Jahr kürt das Fachmagazin die besten Universitäten der Welt. Das Ranking ist international viel beachtet, aber auch umstritten. Kritiker werfen den Machern vor, sie belohnten superreiche Unis und solche, die sich speziell auf ihre Indikatoren eingestellt haben. Bewertet werden unter anderem Forschung und Lehre, Internationalität, Zitationen in den Werken anderer Wissenschaftler sowie die Drittmittel, die die Universitäten von Unternehmen einwerben.

Deutschland ist unter den besten tausend Unis aus 77 Ländern mit 44 Institutionen vertreten - mehr als im vergangenen Jahr. Vier deutsche Unis haben es neu in das Ranking geschafft, nämlich die Charité aus Berlin (Platz 126), die Universität Passau und die Universität Potsdam (beide unter den besten 250) und die Technische Universität Hamburg (unter den besten 500).

Zu den größten Aufsteigern zählen in diesem Jahr die Universität Freiburg (von Rang 95 auf Rang 82) und die Universität Köln (von Platz 170 auf Platz 145).

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Hochschulranking: Die zehn besten deutschen Unis

Während Deutschland erneut das am dritthäufigsten vertretene Land in den Top 200 ist, sind drei deutsche Unis seit dem vergangenen Jahr aus dieser Gruppe herausgefallen: die Uni Hamburg, die Uni Duisburg-Essen und die Uni Konstanz. Von den 20 Universitäten, die sich noch unter den Top 200 halten konnten, sind zwölf abgefallen.

  • Die LMU München ist mit Rang 34 die beste deutsche Uni, hat sich aber gegenüber dem Vorjahr um vier Ränge verschlechtert. Sie habe ihren Ruf in Bezug auf Lehre, Forschung und institutionelle Einnahmen teilweise eingebüßt, heißt es in der Begründung.
  • Die Technische Universität München ist von Rang 46 auf 41 gestiegen.
  • Die Universität Heidelberg hat es mit Rang 45 wieder unter die Top 50 geschafft, gegenüber dem Vorjahr hat sie sich laut dem Ranking aber um zwei Plätze verschlechtert.

"Die Universitäten des Landes geraten zunehmend unter Druck durch den Aufstieg Asiens", sagt Phil Baty, der das Hochschulranking redaktionell leitet. Die beiden führenden chinesischen Universitäten - die Peking University und die Tsinghua University - haben Deutschlands Vorzeigeinstitutionen bereits überholt. Jahr um Jahr verbessern sie sich im Ranking, mittlerweile sind sie unter den Top 30.

Die Finanzierung an deutschen Unis sei problematisch, so das Fazit des Fachmagazins. Die Mittel vom Bund, die angesichts steigender Studierendenzahlen nötig waren, laufen 2020 aus. Verhandlungen über weitere Gelder stehen noch aus.

Eine Chance für Deutschland sieht Baty allerdings im Brexit und in der Situation in den USA: Die Unis hierzulande könnten von den verschärften Einwanderungsrichtlinien im Vereinigten Königreich und in den USA profitieren, weil viele Studenten nun nach Alternativen suchten: "Wenn Deutschland es schafft, weiter in seinen leistungsstarken Sektor der höheren Bildung zu investieren und offen und gastfreundlich bleibt, während andere westliche Länder sich zunehmend abschotten, wird das Land in den kommenden Jahren wieder konkurrenzfähiger sein."

Zurzeit steht Großbritannien mit zwei Unis an der Spitze des Rankings: Die University of Oxford belegt wie im Vorjahr Platz eins, nun gefolgt von der University of Cambridge, die sich von Platz vier vorgearbeitet hat. Unter den Top-Platzierten sind zudem die USA und die Schweiz.

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Hochschulranking: Die zehn besten Unis der Welt

Methodik

Die Fachzeitschrift "Times Higher Education" führt die Evaluation bereits seit 2004 durch. Dazu erhebt sie Daten in fünf Kategorien: Lehre, Forschung und der Einfluss der Uni in Form der Zitation fließen mit jeweils 30 Prozent in die Bewertung ein, die Internationalität macht 7,5 Prozent des Rankings aus, Kooperationen mit der freien Wirtschaft schlagen sich zu 2,5 Prozent in der Rangliste nieder. Die Ermittlung des Rankings wird laut der Zeitschrift vom Dienstleister PricewaterhouseCoopers (PwC) unabhängig überprüft.

sun/lov



insgesamt 14 Beiträge
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hru 05.09.2017
1. Was sagem Rankings eigentlich aus?
Wenn man sich zum Beispiel am Beispiel Großbritannien überlegt, dass die zwei bestplatzierten Universitäten die meisten der Politiker ausgebildet haben, die gerade ihr Land vor die Wand fahren? Oder das Land der drei besten technischen Hochschulen außer Militärtechnik nix mehr produziert, was außerhalb des Landes verkäuflich ist?
Rhonda Fizzleflint 05.09.2017
2. ...
Nettes Ranking, nur leider ist Zitation überhaupt kein Qualitätsmerkmal für einen Lehrbetrieb und Einwerbung von Drittmitteln steht häufig sogar im Gegensatz zur Qualität (und vor allem der Freiheit) von Lehre und Forschung. Professoren/Studenten Verhältnis, Größe der Kurse und Preis pro Semester sind wohl eher Kriterien, welche die Studierenden interessieren.
bestrosi 05.09.2017
3. Evidenz?
Wie wurde eigentlich die Lehrleistung gemessen? Und ging es bei der Forschungsleistung nur um Zitationen und Drittmittel? Wie ist der Bias (!) zum Englischen zu bewerten? Was wurde aus den Absolventen, und ist ein breites, gleichzeitig gutes Angebot für alle nicht auch ein wichtiger Wert?
dukeofwellington 05.09.2017
4. Rankings sind unseriös
Soso, die Tsingua Universität und die Peking Universität haben alle deutschen Unis überholt. Wow. Ich lese heute das erste Mal von diesen Universitäten, und bin Dozent an einer grossen deutschen Hochschule. Im Ernst : es war schon immer so, dass man so ziemlich jedes Ranking vergessen kann. Es ist unmöglich eine komplette Uni nach wenigen Kennzahlen zu bewerten. Für Studenten ist es egal wie drittmittelstark eine Uni ist. Außerdem gibt es teure Fachbereiche (zB Medizin und Ingenieure), deren Drittmittel immer höher liegen müssen als "günstige" Fachbereiche (geisteswissenschaftliche Fächer ohne teure Apparate). Man vergleicht also Äpfel mit Birnen. Dann ist die Publikationskultur in allen Fachbereichen verschieden. Lehre wird meist gar nicht bewertet (ist auch schwieriger als einfache Zahlen wie Drittmittel). Und schließlich gibt es sicher keine Uni, die in allen Fächern gleich stark ist, also wieder Äpfel und Birnen verglichen. Fazit : vergesst alle Rankings, komplett. Oder gibt es hier jetzt viele prospektive Studenten, die sich um die Aufnahme an einer der obigen chinesischen Unis bewerben wollen ? Eben ?
mariomeyer 05.09.2017
5. @dukeofwellington
Die beiden genannten Pekinger Universitäten könnte man kennen. Ich bin mir sicher, dass man diese zwei chinesischen Hochschulen in den USA nur zu gut kennt - besonders die Qinghua-Universität gilt als eine Art "prep school" für MIT, CalTech und andere Technische Universitäten in Amerika. Ich hoffe, ich konnte Ihnen hiermit ein wenig helfen. Es wäre schön, wenn Sie und viele Ihrer Kollegen mitbekommen, was um sie herum passiert - statt die eigene Ignoranz wie eine Monstranz vor sich herzutragen.
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