Zoff der Hochschul-Chefs Warum die Rektoren rebellieren

Wohin steuert die Hochschulrektorenkonferenz? Beim Treffen der Uni-Chefs in Nürnberg drohte Streit: Einige Rektoren kämpfen dagegen, dass sich ihre Kollegen in elitären Zirkeln zusammenschließen - und durchkreuzten die Personalpläne des HRK-Präsidiums.

Briefautor und UDE-Rektor Radtke: "Wir müssen den Konflikt offensiv angehen"
Frank Preuß/UDE

Briefautor und UDE-Rektor Radtke: "Wir müssen den Konflikt offensiv angehen"


Als "Stimme der Hochschulen", als "Forum für den gemeinsamen Meinungsbildungsprozess", so stellt sich die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) selbst dar. Allerdings ist sie momentan ziemlich weit entfernt davon, mit einer Stimme zu sprechen. Das zeigte sich an diesem Dienstag bei der Mitgliederversammlung in Nürnberg. Dort scheiterte die Wahl einer neuen Vizepräsidentin - denn offenbar wollten die anwesenden und durchaus selbewussten Rektoren ihrem Präsidium zeigen, dass sie unzufrieden sind.

In der HRK gärt seit einiger Zeit ein Konflikt, bei dem es im Kern um eine Richtungsentscheidung geht. Auf der einen Seite stehen große, renommierte Unis, die sich zusammenschließen, um ihre Interessen durchzusetzen. Da gibt es etwa die "U15" und die "TU9". Zur "U15" gehören unter anderem die Freie Universität Berlin, die Humboldt-Universität zu Berlin und die Unis in Hamburg, Münster und Freiburg. Zu "TU9" gehören unter anderem die Technischen Hochschulen in Aachen, Berlin, Braunschweig und Dresden. Beide Clubs werben damit, wie angesehen und forschungsstark sie sind.

Auf der anderen Seite stehen viele kleinere und mittlere Unis, die fürchten, im Wettbewerb um staatliches Geld und Drittmittel zu unterliegen. Prominent hat darauf der Präsident der Uni Duisburg-Essen, Ulrich Radtke, hingewiesen: Vor der HRK-Mitgliederversammlung hatte er einen offenen Brief an seine Kollegen geschrieben (hier als pdf). Darin heißt es: "In unseren Reihen bilden sich neuerdings Verbünde und Lager, und die Hochschulen geraten im Gerangel um Gelder, Drittmittel und Sponsoren zusehends in die Konfrontation." Das sei "so überflüssig wie gefährlich", man müsse sich schon "den Anfängen einer Kannibalisierung der Hochschulen untereinander wehrhaft entgegenstellen".

Rektoren machen ihrer Wut bei Präsidiumswahl Luft

Allerdings schaffte es dieser Streit nicht auf die offizielle Tagesordnung. Zwar gab es unter den Rektoren kaum ein anderes Thema, doch die Sitzungsleitung entschied, dass sich damit eine Arbeitsgruppe beschäftigen soll. Radtke sagte, er habe viel Zustimmung von seinen Kollegen bekommen. Die Elite-Clubs wiederum seien spürbar um Schadensbegrenzung bemüht gewesen und hätten versucht, ihre Zusammenschlüsse zu rechtfertigen - etwa mit dem gemeinsamen Kampf für den Erhalt des Abschlusses "Diplom-Ingenieur".

Die Hochschulen, die nicht zu den Clubs gehören, fanden das offenkundig wenig überzeugend und fühlten sich ausgegrenzt. Sie machten ihrem Unmut bei Personalfragen Luft. Denn im jetzigen HRK-Präsidium sitzen bereits einige Vertreter der Elite-Clubs, allen voran Präsident Horst Hippler vom Karlsruher Institut für Technologie, das wiederum zur "TU9"-Runde gehört. Seine Favoritin als Stellvertreterin im HRK-Präsidium, die Rektorin der Uni Leipzig (Mitglied der "U15"-Runde), ließen die anwesenden Rektoren durchfallen - eine Ohrfeige für Hippler. Die Wahl soll nun beim nächsten Treffen wiederholt werden.

Ob sich bis dahin die Gemüter abkühlen, ist unklar. Eine Rebellion der unzufriedenen Rektoren ist nicht ausgeschlossen. "Wir müssen den Konflikt offensiv angehen", forderte Radtke.

Statt über ihren internen Zwist offen zu diskutieren, sprachen die Uni-Chefs über folgende Themen: Hippler zum Beispiel hält vom Bund finanzierte Professuren für sinnvoll. Der Bund könnte sich auf diese Weise stärker an der Finanzierung der Hochschulen beteiligen, sagte Hippler. Denkbar seien 3000 solcher Stellen in einem Zeitraum von zehn Jahren. Der HRK sei durchaus bewusst, dass hierzu eine Änderung des Grundgesetzes notwendig sei, sagte er.

Sorgen bereitet den Rektoren auch der Hochschulbau. Notwendig seien Baumaßnahmen in Höhe von rund 35 Milliarden Euro. Ein Teilnehmer der Tagung berichtete von einer Hochschule, die wegen eines Mangels an Räumlichkeiten Vorlesungen in einen Kinosaal ausgelagert habe. Die HRK fordert höhere dauerhafte und zweckgebundene Bundesmittel vor allem für Renovierungen.

Die Rektoren der Hochschulen befassten sich in Nürnberg auch mit Plagiatsvorwürfen gegenüber Politikern. Sie sprachen sich für eine Selbstkontrolle durch ein Ombudssystem an den Hochschulen aus. Das Ombudsgremium müsse zum Schutz von Hinweisgebern höchster Vertraulichkeit unterliegen.

otr/dpa

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insgesamt 20 Beiträge
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Seite 1
hfftl 15.05.2013
1. .
"Auf der anderen Seite stehen viele kleinere und mittlere Unis, die fürchten, im Wettbewerb um staatliches Geld und Drittmittel zu unterliegen." Die müssen doch einfach nur ein paar Frauen zu Professorinnen machen (Kompetenz: gleichgültig), und schon sprudeln die staatlichen Geldquellen. Nie war das so einfach wie heute.
silberwolf 15.05.2013
2. .
Zitat-Ein Teilnehmer der Tagung berichtete von einer Hochschule, die wegen eines Mangels an Räumlichkeiten Vorlesungen in einen Kinosaal ausgelagert habe.-Zitatende...Ist das zufällig die RWTH Aachen? Ein Kollege berichtete mir, dass er vereinzelt Vorlesungen in einem Kinosaal in Aachen habe...Zum Thema: Wenn ein moderner Industriestaat derart stark an Bildung spart, schneidet er sich auf kurz oder lang ins eigene Fleisch. Es wurde so viel Geld zur Rettung von Banken investiert (teilweise berechtigt, teilweise zu meinem Unverständnis), da sollten doch auch noch ein paar Milliarden fürs Bildungssystem den Kohl auch nicht mehr fett machen, oder?
kannmanauchsosehen 15.05.2013
3. Elitequatsch
Zitat von sysopCorbisWohin steuert die Hochschulrektorenkonferenz? Beim Treffen der Uni-Chefs in Nürnberg drohte Streit: Einige Rektoren kämpfen dagegen, dass sich ihre Kollegen in elitären Zirkeln zusammenschließen - und durchkreuzten die Personalpläne des HRK-Präsidiums. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/hochschulrektorenkonferenz-in-nuernberg-a-899829.html
Das sind nicht die wirklichen Probleme, das Hauptproblem ist, dass alle Leistungsträger an der Uni in Forschung und Lehre nur auf Basis befristeter Verträge arbeiten müssen, und die Herren und Damen Rektoren dies auch offensichtlich nicht ändern wollen. Der ganze Elitequatsch ist sowieso nur Augenwischerei und versperrt die Ressourcen für die wichtigen Forschungsthemen, und die findet man selten in den üblichen Moderichtungen.
Björn Borg 15.05.2013
4. Das Monster, das ihr rieft...
Zitat von sysopCorbisWohin steuert die Hochschulrektorenkonferenz? Beim Treffen der Uni-Chefs in Nürnberg drohte Streit: Einige Rektoren kämpfen dagegen, dass sich ihre Kollegen in elitären Zirkeln zusammenschließen - und durchkreuzten die Personalpläne des HRK-Präsidiums. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/hochschulrektorenkonferenz-in-nuernberg-a-899829.html
Es geschieht doch genau das, was die Bildungspolitik erreichen wollte: Konkurrenzkampf der Universitäten (Selten genug, dass Politiker mit ihren Vorhaben exakt das erreichen, was sie wollten): Warum sollten die Rektoren da außen vor bleiben? Der ganze Exzellenzkrempel ist nichts weiter als ein riesig aufgeblasenes Bürokratiemonster, der die Universitäten davon abhält, das zu tun, was mal ihre Aufgabe war. Forschung betreiben! In den Fächern, in denen ich es zu überblicken vermag, sind seit 15-20 Jahren keine bedeutenden Bücher mehr verfasst worden. Stattdessen kann man das bis vor zwanzig Jahren Erforschte jetzt auf E-Learning Plattformen wiederfinden. Universitäten in Deutschland verkommen zu Berufsschulen! Darüber hinaus geht es an ihnen nur noch darum, wie man möglichst viele Gelder aquiriert - ganz egal, mit welchen Mitteln: da werden Seifenblasen produziert, da wird mit Ellbogen gestoßen, da wird intrigiert und gelogen - und zwar keinesfalls für die Sache (die Wissenschaft), sondern allein für den finanziellen Erfolg (den Mammon). Die jetzt studierenden Generationen werden das Problem noch verschärfen, wenn sie mit ihrem Nichtwissen und nicht vorhandenem Überblick selbst anstehen, um an den Universitäten zu arbeiten. Diesem selbst herbeigeführten Verfall Deutscher Hochschulkultur zusehen zu müssen, bereitet fast körperliche Schmerzen.
traxlite 15.05.2013
5. ...
"In den Fächern, in denen ich es zu überblicken vermag, sind seit 15-20 Jahren keine bedeutenden Bücher mehr verfasst worden." -> liegt vielleicht daran, dass du falsch suchst ;-) Ein Buch kann nahezu jeder Depp ein Buch veröffentlichen... Schau Dir lieber Journals und die Konferenzbeiträge an. Da wirst du mit Sicherheit relevante Forschungsergebnisse finden.
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