Tricks beim Billard Mit Bockhand und Schnabel zum Sieg

In der Bar glänzen, auch wenn der Kicker besetzt ist - das will Unisport-Testerin Jule Hoffmann. Sie greift zum Queue, um im Billardkurs der HU Berlin ihre Kneipenfähigkeit zu verbessern.

Lukas Heibges

Von Jule Hoffmann


Beim Billardspielen gibt es diesen gruseligen Moment: Du stehst gebeugt über dem Tisch, das Queue zittert leicht in deiner Hand und alle warten gebannt darauf, ob du die Kugel reinmachst oder nicht. Und dann - bähm! - schlitzt du mit voller Kraft das Tischtuch auf. Mit dieser Vorstellung vor Augen habe ich in der Kneipe bisher einen weiten Bogen um den Billardtisch gemacht. Damit ist jetzt Schluss, denke ich auf dem Weg zum Billardkurs des Unisports.

"Das Problem beim Billard ist oft die große Erwartungshaltung der Leute an sich selbst und gleichzeitig die Angst, sich zu blamieren", sagt Patrick Baumann, 37, Billardtrainer und Besitzer der Bata Bar, in der der Unikurs stattfindet. Vom Tresen aus schauen wir auf grell beleuchtete Billardtische, an denen hier und da ein paar Typen ins Spiel vertieft sind. Keine Jukeboxmusik, keine Rauchschwaden. Die Atmosphäre in der Bata Bar ist eher sportlich.

"Man kann sich unglaublich einsam fühlen an so einem Billardtisch", stimmt Patrick mir zu. "Zwischen den Stößen hat man viel Zeit, sich Sorgen zu machen und sich bewusst zu werden, wer gerade alles zuguckt." Aber beim Billard lerne man, mit Drucksituationen umzugehen.

Coolness ist das erste Ziel

Dann beginnt der Kurs. Wir stehen alle um einen der Billardtische herum, jeder mit einem Queue in der Hand. Ich stütze mich betont lässig auf mein Queue. Beim Billard kommt es auf Coolness an, so viel steht fest. Antanina, eine Skandinavistikstudentin, hält ihr Queue wie ein Gewehr.

"Das Entscheidende beim Billard ist erst mal, wie man sich richtig hinstellt", beginnt Kursleiter Marcel Eckardt, 24 Jahre alt, und demonstriert das "Technikleitbild": Man legt das Queue in gerader Linie zur Stoßrichtung, wobei der Unterarm mit dem Queue eine Linie bildet. Dann positioniert man sich seitlich zum Queue, indem man den linken Fuß (bei Linkshändern den rechten) einen Schritt vorstellt. Ohne die Position der Füße zu verändern, beugt man sich tief über den Billardtisch. "Idealerweise berührt man mit dem Kinn fast das Queue", ergänzt Marcel.

Zuletzt setzt man die "Bockhand" auf, die das Queue führt. Für die hintere Hand, die das Queue greift, gibt es eine einfache Faustregel: Wenn das Queue vorne fast die Kugel berührt, sollte der hintere Unterarm senkrecht zum Boden zeigen. "Das Zielen passiert aber, bevor man sich runterbeugt", sagt Marcel. "Man schaut sich bestimmte Linien auf dem Tisch an und visualisiert erst mal: Was soll da jetzt genau passieren?" Die Probeschwünge dienen dann der Kontrolle: Stimmt alles? "Wenn nicht, musst du wieder aufstehen und neu anfangen."

Probleme in der "Gasse"

Ein Billardspieler mache im Prinzip immer das Gleiche: "Er bewegt sein Queue gerade nach vorne. Egal, was man mit dem Stoß bezweckt: Das wichtigste ist, gerade zu stoßen." Also üben wir, gerade zu stoßen. Marcel stellt am Kopfende des Tisches zwei Kugeln auf, die eine "Gasse" bilden, durch die wir die Kugel gerade hindurchstoßen und zurückrollen lassen sollen.

Thomas, Student der Musikwissenschaft, gelingt ein perfekt gerader Stoß. "Sauber!", gebe ich mich sportlich. Aber dann bin ich dran. Routiniert greife ich erst mal zur Kreide, um Zeit zu gewinnen. Beim Zielen spüre ich die Blicke meiner Mitspieler auf mir. Ich schwinge zum wahrscheinlich hundertsten Mal das Queue und - klack! Die Weiße trifft zielsicher eine der Kugeln, die die Gasse bilden. Mist, gerade war das nicht. Heimlich bin ich stolz, überhaupt getroffen zu haben.

Beim Billard gebe es einen entscheidenden Moment, den "Point of No Return", erklärt Patrick. Den was? Schon der Name macht mich nervös. "Das ist der entscheidende Moment, in dem die Kugel auf dem Tisch bewegt wird. Man beendet die Probeschwünge und dann legt sich im Gehirn ein Schalter um. Da arbeitet nur noch der Arm. Dann musst du abdrücken!", sagt er leidenschaftlich.

Schnabel, Bockhand, weiße Kugel

Die nächste Übung besteht darin, die Geschwindigkeit der Kugeln zu kontrollieren: "Speed 1": die Kugel kommt nach dem Stoß am anderen Ende des Tisches zum Liegen. "Speed 2": die Kugel rollt zum Tischende und zurück. Patrick empfiehlt mir, für eine bessere Stoßkraft den Schnabel kürzer zu machen. Verständnislos schaue ich ihn an. "Schnabel", erklärt er, bezeichne das Stück zwischen Bockhand und weißer Kugel: "Wer den kürzeren hat, gewinnt!"

Oberstes Ziel sei es, die Weiße zu kontrollieren. "Ein guter Spieler kann die Weiße bei fast jedem Stoß an jeden Ort des Tisches bewegen", sagt er. "Profis planen immer drei Kugeln im Voraus." Davon bin ich weit entfernt. Die Kugel macht nicht, was ich will. "Wenn die Weiße anders reagiert, als du willst, dann hast du was falsch gemacht", behauptet Marcel. "Whitey never lies." Ein Merkspruch aus den USA, wo Pool Billard ursprünglich herkommt.

Liegt eine Kugel im Weg, gebe es zwei Tricks, verrät uns Marcel zum Abschluss: Beim "Jump Shot" stößt man die Weiße nach unten auf die Tischplatte, sodass sie nur nach oben ausweichen kann und über die störende Kugel hinwegspringt. Alternativ gebe es den "Bogenstoß": "Dazu verpasst man der Kugel einen seitlichen Stoß, sodass sie durch eine bestimmte Rotation im Bogen um die andere Kugel herumläuft." Eine Bananenflanke auf dem Billardtisch.

Beim Zusammenpacken stelle ich mein Queue am Tisch ab. "Niemals das Queue am Tisch abstellen!", ruft Marcel sofort. "Warum?", frage ich verunsichert. "Weil das Queue dann umfällt", erwidert Marcel. Aha. Manches im Billard kann sich auch ein Laie wie ich denken. Ich glaube, jetzt bin ich gewappnet.

Jule Hoffmann ist Studentin an der FU Berlin und nach absolviertem Kicker- und Billardkurs jetzt noch auf der Suche nach einem Dart-Kurs, um ihr Kneipenkönnen komplett zu machen.

insgesamt 33 Beiträge
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Seite 1
question2001 30.03.2015
1. Einfach so...
Einfach so, aus Freude und Interesse, macht man heute scheinbar gar nichts mehr. Es geht immer darum sich im Wettbewerb zu platzieren und eine gute Figur zu machen.
iglobsne 30.03.2015
2. wie peinlich
dieser Artikel........ und dann lasst ihr die Frau auch noch eine "halbe" Kugel anspielen, statt die "Weiße". Ey, wie peinlich! Euer Niveau sinkt ins Bodenlose
fatherted98 30.03.2015
3. Seit wann...
...stoesst man die halbe Kugel? Also ich kann nur sehr schlecht Billiard spielen...obwohl ich sehr oft gespielt habe....leider konnte ich mich nie verbessern...aber die Regeln, die ja nun nicht so schwer sind, hatte ich schon nach dem ersten Spiel drauf...und das was die Dame dort macht...ist das ein neues Spiel?
Layer_8 30.03.2015
4. Tricks beim Billard
Arnold Sommerfeld: http://www.amazon.de/Vorlesungen-über-Theoretische-Physik-Band/dp/3871443743/ref=sr_1_3?ie=UTF8&qid=1427700262&sr=8-3&keywords=Arnold+Sommerfeld+Mechanik §27, ab Seite 139 grau ist die Theorie :D
7eggert 30.03.2015
5. Kneipenregel
Die Regel, daß die schwarze Kugel gegenüber der letzten einrollen muß, ist oft lästig bis nervtötend und hat, soweit ich weiß, nichts mit offiziellen Regeln zu tun. Viel besser ist es, wenn man bei der 8 ansagt, in welche Tasche sie fallen soll.
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