Studieren im Ausland Zum Medizinstudium nach Ungarn

Ab ins Warme oder dort studieren, wo die Abi-Note nicht ganz so wichtig ist: 137.000 Deutsche waren 2014 im Ausland immatrikuliert. So viele wie noch nie.

Studenten im Hörsaal (Symbolbild)
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Studenten im Hörsaal (Symbolbild)


Immer mehr Deutsche entscheiden sich für ein Studium im Ausland. 2014 waren gut 137.000 deutsche Studenten an ausländischen Hochschulen eingeschrieben. Das waren 1,9 Prozent mehr als im Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.

Die Analyse basiert auf Daten der Industrieländerorganisation OECD, des Statistikamts der Unesco, der europäischen Statistikbehörde Eurostat und des Statistischen Bundesamts. Die Studie berücksichtigte alle Studenten, die entweder ihr ganzes Studium oder zumindest ein bis zwei Jahre im Ausland verbrachten.

Der Anstieg um 1,9 Prozent wirkt zwar gering, doch er ist Teil einer Entwicklung. Demnach entscheiden sich heute 58 von 1000 deutschen Studenten für ein Auslandsstudium. 2004 waren es noch 39.

Beliebtes Österreich

Am beliebtesten war 2014 erneut Österreich mit einem Anteil von knapp 20 Prozent. Dahinter folgen die Niederlande, Großbritannien und die Schweiz. In diesen vier Ländern studierten fast 60 Prozent aller im Ausland studierenden Deutschen.

Doch viele trieb es zum Studieren auch nach China. Das Land der Mitte landete im Ländervergleich auf Platz sechs und verdrängte damit Frankreich. Während 2004 etwa 2100 deutsche Studenten nach China gingen, waren es 2014 viermal so viele. Zypern ist im Vergleich eher unbeliebt: 2014 studierten nur drei Deutsche dort.

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Studieren im Ausland: Das sind die mobilsten Studenten

Die im Ausland gewählten Fächer variieren erheblich: So wird in den Niederlanden vor allem Jura, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften studiert. Nach Tschechien oder Ungarn gehen Deutsche vor allem wegen des Medizinstudiums. 66,4 Prozent aller deutschen Studenten in Ungarn waren angehende Humanmediziner. Der Grund: Viele Nachwuchsärzte scheitern in Deutschland am Numerus clausus und gehen deshalb zum Studieren nach Osteuropa.

Dass immer mehr Deutsche im Ausland studieren, bedeutet aber nicht, dass deutsche Universitäten unbeliebt sind. Im Gegenteil: Es kommen immer mehr ausländische Studenten an deutsche Universitäten. Im Wintersemester 2015/2016 waren an deutschen Hochschulen 251.500 ausländische Studenten eingeschrieben, die ihre Hochschulzugangsberechtigung im Ausland erworben hatten. Über 60.000 mehr als noch vor zehn Jahren.

koe/dpa

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Seite 1
kategorien 27.01.2017
1. Welten
Der Artikel suggeriert, dass die deutschen Universitäten besser sind bzw. dass in Deutschland "die Abiturnote" noch zähle. Insofern der Artikel nicht nationalistisch gedacht ist, geht es hierbei natürlich auch um Studenten, die aus verschiedenen Gründen im Ausland studieren, nicht nur aus Fernweh, sondern, da diverse ausländische Universitäten deutlich besser ausgestattet sind und bessere Professoren anziehen. Es sind mitunter Welten.
Flugzeugfreak1 27.01.2017
2. Ein Armutszeugnis in Deutschland ist der hohe Anteil der Medizinstudenten, die ins Ausland gehen.
Es würden garantiert weniger junge Leute ins Ausland zum Medizinstudium gehen. Der Grund ist, motivierte Leute werden vom NC System nicht erfasst. Dieses System belohnt den, der die beste Abi-Note hat. Schon jetzt werden die Auswirkungen sichtbar. Gerade Brot und Butter Berufe in der Medizin wie Chirurgie oder auch der Allgemeinmediziner, sprich, wichtigste Fächer in der Versorgung der Bevölkerung werden immer weniger besetzt. Das liegt zum Teil auch daran, dass zu wenige Ärzte an sich ausgebildet werden, aber auch am hohen Frauenanteil im Studium. Welche Frau Anfang 30 will sich die Arbeitszeiten als Hausärztin oder Chirurgin aufbürden? Bei mehr als 2/3 Frauenanteil kommen diese Fächer beim Nachwuchs zu kurz. Es fehlt der Orthopäde, der vielleicht nichts vom Citratzyklus behalten hat, aber die Hüfte wie ein Handwerker wechseln kann. Ich selber gehe jetzt ins Ausland. Ich möchte nicht, ich muss. Meine Alternative ist mehrere Jahre lang warten. Mein Vorschlag: Einheitliche Verfahren zur Studienplatzvergabe in Deutschland. Besonderer Fokus auf Naturwissenschaftliche Fächer im Auswahlverfahren legen. TMS verpflichtend oder eine andere Aufnahmeprüfung wie HAM-NAT zum Beispiel. So sieht man, wer sich schon für die Materie interessiert. Jemand mit guten Noten im LK Chemie ist besser im Studium, welches naturwissenschaftlicher Art ist, besser aufgehoben als jemand mit LK Geschichte. Abgeschlossenes Krankenpflegepraktikum vor Studienbeginn. Ist zwar nicht der Arztberuf an sich, aber so sieht die Fraktion "Ich will Menschen helfen" schon mal, ob die Arbeit mit Kranken wirklich etwas für einen ist. Viele Spezies merken erst im Praktischen Jahr, wenn sie Glück haben schon vor dem Physikum, dass Medizin nichts für sie ist. Dann macht man keinen Facharzt und geht auch nicht in die Patientenversorgung. So geht also ein sehr teurer Studienplatz verloren. Motivationsgespräche wären vielleicht bei einer Endauswahl geeignet. Es ist mir durchaus klar, das meine Vorschläge nicht ausgereift sind. Allerdings ist dieses NC System praktisch nicht mehr funktionsfähig. Es kommen nur die Leute dran, die am besten Lernen. Nicht die, die am besten für den Beruf geeignet wären.
denkschnecke 27.01.2017
3. Ein Armutszeugnis? Wirklich?
Erst einmal ist die Anzahl an niedergelassenen Ärzten in Deutschland im Verlgelich zu anderen europäischen Ländern sehr hoch. Zum anderen kann jede Uni, die Humanmedizin anbietet, bereits jetzt den größten Teil ihrer Studienanfänger selbst auswählen. Ich unterrichte eine Naturwissenschaft in der Vorklinik, und meine Hochschule nimmt dabei tatsächlich einen naturwissenschaftlichen Test als Basis. Wenn sie da gut abschneiden, können hier auch Leute mit 1,8 noch studieren. Ob diese Auswahl dabei zu einem größeren Erfolg im Studium führt, ist hier allerdings heiß umstritten. In der Praxis sehen wir jedenfalls, dass z.B. die Mathe-Fähigkeiten der Studienanfänger mehr denn je auseinanderklaffen - und das in der Tat mehr Jungs studieren. Um das Medizinstudium zu schaffen, braucht es jedenfalls mehr als nur naturwissenschaftliche Fähigkeiten. Mindestens ebenso wichtig ist die Fähigkeit zu Organisation des Lernens und - auch wenns unpopulär ist - eine gewisse "Kampfhärte".
Rooo 27.01.2017
4. Mythos
Zitat von denkschneckeErst einmal ist die Anzahl an niedergelassenen Ärzten in Deutschland im Verlgelich zu anderen europäischen Ländern sehr hoch. Zum anderen kann jede Uni, die Humanmedizin anbietet, bereits jetzt den größten Teil ihrer Studienanfänger selbst auswählen. Ich unterrichte eine Naturwissenschaft in der Vorklinik, und meine Hochschule nimmt dabei tatsächlich einen naturwissenschaftlichen Test als Basis. Wenn sie da gut abschneiden, können hier auch Leute mit 1,8 noch studieren. Ob diese Auswahl dabei zu einem größeren Erfolg im Studium führt, ist hier allerdings heiß umstritten. In der Praxis sehen wir jedenfalls, dass z.B. die Mathe-Fähigkeiten der Studienanfänger mehr denn je auseinanderklaffen - und das in der Tat mehr Jungs studieren. Um das Medizinstudium zu schaffen, braucht es jedenfalls mehr als nur naturwissenschaftliche Fähigkeiten. Mindestens ebenso wichtig ist die Fähigkeit zu Organisation des Lernens und - auch wenns unpopulär ist - eine gewisse "Kampfhärte".
Der von Ihnen befeuerte Mythos des besonders harten Studiums der Medizin, ist nichts weiter als das: ein Mythos. In (fast) keinem anderen Studium muss man so wenig selbständige Dinge tun, wie Hausarbeiten schreiben oder sich mit anspruchsvoller wissenschaftlicher Literatur herumschlagen. Geschweige denn Klausuren schreiben, in denen man Essay-artig antworten muss. Stattdessen gibt es viele Schema F "Koch"rezepte, Multiple Choice und Vorgefertigte Lernunterlagen (zu kaufen), also alles Dinge, auf die man sich verlässlich vorbereiten kann und die folglich vor allem nur eines erfordern: Fleiß. Den braucht man aber auch in jedem anderen Studium. Ich habe beides aus erster Nähe erlebt. Medizin ist ein sehr dankbares Studium. Hängt aber zugegebenermaßen auch vom Lernstil ab. Für mich könnte man aber kaum eine noch leichtere Form von Studium erschaffen.
spon_2545532 27.01.2017
5. Deutschland ist im Studium billig!
Tja, warum nur studieren so viele Ausländer in Deutschland? Weil das Studium hier billig ist! In anderen Ländern werden saftige Studiengebühren verlangt.
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