Tipps für die Wohnungssuche So überzeugen Sie Makler und Vermieter

Wer eine Wohnung sucht, hat viel Konkurrenz. In begehrten Lagen können Vermieter unter Hunderten Bewerbern auswählen. Aber mit ein paar Tricks können Sie Ihre Chancen verbessern.

Per Aushang sucht ein Paar aus München nach einer Wohnung
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Per Aushang sucht ein Paar aus München nach einer Wohnung

Von Anna Wilke


1. Schreiben Sie eine E-Mail

Sind in einer Anzeige sowohl Telefonnummer als auch E-Mail-Adresse angegeben, sollten Sie besser mailen, empfiehlt Martin Steinbeiß vom Münchner Maklerbüro Aigner Immobilien. "Da ich den ganzen Tag in Terminen bin, habe ich ständig verpasste Anrufe von Interessenten. Da sind E-Mails effektiver."

2. Erzählen Sie von sich

Für Vermieter und Makler ist die finanzielle Situation des potenziellen Mieters wichtig. Sie können daher schon in der ersten E-Mail deutlich machen, dass Sie ein geregeltes Einkommen haben. Verlieren Sie außerdem ein paar Sätze über sich, Ihre Wohnsituation oder den Umzugsgrund, empfiehlt Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund. Achten Sie auch darauf, dass alle Kontaktdaten leicht zu finden sind.

3. Wirken Sie seriös

Hinterlassen Sie auch schon mit der Mailadresse einen vertrauenswürdigen Eindruck. Tauschen Sie süßebiene1989@domain.de oder dirty-harry@domain.com also lieber aus. Falls Ihr Arbeitgeber erlaubt, private Mails vom dienstlichen Mail-Konto zu schicken, kann das ebenfalls einen seriösen Anstrich verleihen. Ob sich dieser Tipp lohnt, kommt allerdings auf den Arbeitgeber an. "Wenn ich von der Adresse @Mieterbund.de schreibe, erhöhe ich meine Chancen wahrscheinlich nicht", sagt Ulrich Ropertz.

4. Achten Sie darauf, wer unterschreibt

Das Ergebnis der gemeinsam Untersuchung von SPIEGEL und Bayerischem Rundfunk zeigt: Männer mit arabisch oder türkisch klingendem Namen bekommen seltener Antworten als Frauen mit deutschem Namen. Sucht ein Paar eine Wohnung, könnte es also für die Erfolgsaussichten besser sein, wenn Hanna und nicht Ismail die Mail an den Makler schreibt - bei der Besichtigung können dann beide zusammen überzeugen.

  • Jörn Kaspuhl / SPIEGEL ONLINE
    Wir müssen draußen bleiben: Wie stark auf dem Wohnungsmarkt in Deutschland diskriminiert wird, zeigt das Experiment von SPIEGEL und Bayerischem Rundfunk. Alle Ergebnisse und Hintergründe finden Sie auf www.hanna-und-ismail.de

5. Halten Sie sich an Höflichkeitsregeln

Makler Steinbeiß ist wichtig, dass Bewerber pünktlich, ehrlich und vor allem höflich sind. "Ich habe schon erlebt, dass ein Bewerber die Wohnung vor anderen Interessenten schlecht geredet hat - und als alle vergrault waren, selbst den Zuschlag wollte. Das kann ich gar nicht leiden", sagt er. Solche Interessenten empfehle er dann auch nicht an den Vermieter weiter.

6. Stellen Sie die richtigen Fragen

Um auf einer Massenbesichtigung nicht unterzugehen, sollten Sie das Gespräch mit Makler oder Vermieter suchen und durch Fragen Interesse signalisieren: Wie sind die Nachbarn? Wann wurde das Haus gebaut? Fragen zu Feuchtigkeitsschäden oder Renovierungsarbeiten sollten bei der ersten Besichtigung nicht gestellt werden, empfiehlt Ropertz vom Mieterbund. "Am Anfang sollte man erst einmal positiv auffallen." Über Reparaturen kann später gesprochen werden.

Führt ein Vermieter selbst durch die Wohnung, rät Ropertz zu kleinen Schmeicheleien: "Die meisten selbst vermietenden Eigentümer freuen sich, wenn die geschmackvollen Badezimmerfliesen gelobt werden."

7. Erzählen Sie nicht alles

Stellen Makler oder Vermieter Nachfragen zu Ihrem Privatleben, dürfen Sie übrigens auch lügen: Fragen zu Rauchverhalten, Religion oder Vorstrafen müssen nicht wahrheitsgemäß beantwortet werden. "Wenn der Vermieter fragt, welche Musikrichtung ich mag, tue ich mir keinen Gefallen, wenn ich mich als Hardrocker oute", sagt Ropertz vom Mieterbund. Wer in die Wohnung einziehen will, muss hingegen wahrheitsgemäß beantwortet werden. In welcher Beziehung die Bewohner zueinander stehen, geht den Vermieter nichts an.

8. Bereiten Sie eine Mappe vor

Um Vermieter und Makler endgültig zu überzeugen, sollten Sie eine Bewerbungsmappe mit allen relevanten Informationen zusammenstellen: Beruf, Gehaltsnachweise, Schufa-Auskunft usw. Datenschutzrechtlich dürfen diese Informationen nicht eingefordert werden. "Wenn man die Wohnung haben will, wird man aber eine Mappe abgeben müssen. Andere Interessenten haben wahrscheinlich weniger Probleme damit", sagt Ropertz vom Deutschen Mieterbund.

Außerdem können Sie ein Foto beilegen. "Darauf sollte man möglichst so aussehen wie am Tag der Wohnungsbesichtigung", rät Makler Steinbeiß. Auf dem professionellen Bewerbungsbild sieht man zwar gut aus, aber doch anders als bei der Besichtigung. "Mein Team sieht pro Woche rund 150 neue Gesichter. Da kommt man schnell durcheinander."

9. Verfassen Sie ein Anschreiben

Bei privaten Vermietern kann auch ein kleines Anschreiben hilfreich sein, in dem Sie sich nochmals vorstellen. "Für viele Vermieter ist es wichtig, ein Gefühl für den Menschen zu bekommen", sagt Martin Steinbeiß.

Auch einen letzten Tipp hat der Makler: "Wenn etwas mit der Hand geschrieben wird - leserlich schreiben!" Die beste Überzeugungsarbeit hilft schließlich nichts, wenn der Makler am Ende die Telefonnummer nicht entziffern kann.

Was gehört in die Bewerbungsmappe?
Für alle Bewerber
Makler und Vermieter dürfen eine Bewerbungsmappe nicht einfordern. Mit einer Mappe erhöhen Sie allerdings häufig die Chance auf die Traumwohnung.
  • Kurzes Anschreiben mit Informationen über die aktuelle Lebenssituation
  • Mieterselbstauskunft mit allen wichtigen Daten
  • Bestätigung über Mietschuldenfreiheit (vom aktuellen Vermieter)
  • Schufa-Auskunft
  • Die letzten drei Gehaltsnachweise
  • Foto
Für Studenten und Azubis
Übersteigt die Miete ein Drittel des eigenen Gehalts, beispielsweise bei Studenten oder Auszubildenden, ist eine Elternbürgschaft sinnvoll.
Zusätzlich wichtig:
  • Immatrikulationsnachweis
  • Bafög- und Kindergeldbeleg
  • Gehaltsnachweis der Eltern
Für Selbstständige
Wer selbstständig arbeitet, kann statt des Gehaltsnachweises eine Betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA) von seinem Steuerberater einreichen. Eine BWA gibt die aktuelle wirtschaftliche Lage eines Unternehmens wieder.


insgesamt 74 Beiträge
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Seite 1
steppenwolf81 23.06.2017
1. Äh... wie bitte?
Ob diesen Artikels ist man geneigt, hier einen Verriss stehen zu lassen. Dieser Leitfaden für Ahnungslose, die auf sich gestellt scheinbar vollkommen hilflos sind, wenn sie sich unter anderen Menschen bewegen, hätte besser in einer Ratgeberspalte einer TV-Zeitschrift gestanden. Die Anleitung zur Kapitulation vor dem Rassismus im Wohnungsmarkt und der etwas peinlich altväterliche Rat, doch höflich zu sein, lassen staunen.
dr.eldontyrell 23.06.2017
2. Zu gut deutsch:
Seien sie solvent, mit gradlinigem Lebenslauf und machen Sie sich vor dem Makler nackig (SCHUFA, Führungszeugnis, Gehaltsnachweise, Impfpass, Schlüpperfarbe,...). Was die hier in Köln verlangen ist bisweilen schon frech. "Ach Sie haben Kinder? Nee, die sind zu laut. Hund ist OK, aber keine Kinder." So erlebt in Köln. Um dann in ein Haus einzuziehen, um das sich Besitzer/Hausverwaltung einen Dreck scheren und alles auf die Mieter abwälzen. Been there, done that, never again.
observerlbg 23.06.2017
3. Hört sich ja an wie eine Jobbewerbung....
Aber leider stimmt das. Aber Seriosität ist nicht alles. Als Lehrer oder Jurist sollte man besser Eigentum erwerben. Meine Erfahrung zeigt aber, dass diese Personen das auch wissen. Noch ein Tip fehlt: man muss nicht unbedingt im angesagten Hippsterviertel leben. Und manchmal hilft es auch, sein Horizont zu erweitern und überholte Vorurteile gegen Fakten auszutauschen.
Actionscript 23.06.2017
4. Diese Tipps
werden jetzt alle Leser beherzigen. Damit wird sich für die Bewerber also nichts ändern, da ja jetzt jeder weiss, wie man den Makler über das Ohr hauen kann. Im Endeffekt zählen nur bestimmte Kriterien. Die einzige Lösung für Mieter, eine Wohnung zu bekommen ist, dass genug Wohnungen zur Verfügung stehen.
goethestrasse 23.06.2017
5. Fragen zu Rauchverhalten, Religion oder Vorstrafen müssen nicht wahrheitsgemäß beantwortet werden.
Vermieter sind scheinbar alles nur geldgierig und fremdenfeindlich. Vielerorts wird Rauchfreiheit gefordert, aber einen Vermieter darf man belügen.
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