Indischer Studentenführer verhört Anwälte greifen Demonstranten an

In Indien demonstrieren Studenten für die Freilassung von Kanhaiya Kumar. Ihm wird Volksverhetzung vorgeworfen - er hatte gegen die Todesstrafe protestiert. Jetzt wurde der 28-Jährige erneut verhört.

AFP

Polizisten und Männer in Zivil haben den Studentenführer der indischen Jawaharlal-Nehru-Universität (JNU), Kanhaiya Kumar, an diesem Mittwoch in ein Gericht in Neu-Delhi gezerrt. Dort soll sich der 28-Jährige zu einer Demonstration gegen die Todesstrafe äußern, an der er vor einer Woche teilgenommen hatte. Die Regierung wirft ihm vor, während der Demo "antiindische Slogans" gerufen zu haben, und spricht deshalb auch von "Volksverhetzung". Aus diesem Grund wurde Kumar vorerst festgenommen.

Vor und in dem Gericht kam es zu Ausschreitungen. Dabei griffen zahlreiche Anwälte demonstrierende Studenten und Journalisten an. Einer der Anwälte spuckte am Mittwoch auf Journalisten, ein weiterer nahm einem Pressefotografen die Kamera weg und warf sie auf den Boden, wie ein Fotograf der European Pressphoto Agency (epa) beobachtete. Laut "Times of India" und "The Indian Express" soll Kanhaiya Kumar geschlagen worden sein.

Schon seit Tagen demonstrieren Studenten und Dozenten für die Freilassung des Studentenführers. Das Lehrpersonal der JNU rief zum Aufstand auf und forderte dazu auf, sich mit Kumar zu solidarisieren, berichtete die "taz". Bereits in 18 weiteren indischen Unistädten soll es demnach schon zu Protesten gekommen sein. Mit Plakaten und Menschenketten demonstrierten die Studenten zudem für die Freilassung Kumars.

Bereits vor der ersten Anhörung des Studenten am Montag hatte es außerhalb des Gerichtsgebäudes heftige Tumulte gegeben. Nach Angaben der Studentenunion der traditionell linken Jawaharlal-Nehru-Universität sollen auch bei der Gelegenheit schon Anwälte auf Studenten und Dozenten losgegangen sein. Diese Anwälte stünden der regierenden hindu-nationalistischen Partei BJP nahe.

Die Kommunistische Partei Indiens (CPI) warf der Polizei vor, die Sache nicht im Griff zu haben. Nach den Angriffen vom Montag gab es zunächst keine Festnahmen. Dabei hatten mehrere indische Zeitungen Bilder veröffentlicht, auf denen schlagende und tretende Anwälte und Politiker zu sehen sein sollen.

Unter dem Hashtag #KanhaiyaKumar äußerten sich Twitter-User besorgt über den Zustand Kumars und forderten seine Freilassung.

Bis zum 2. März soll der Studentenführer nun vorerst unter Arrest bleiben.

kha/Reuters/dpa

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 2 Beiträge
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mortyrium 17.02.2016
1. Angriffe
von Anwälten? Wenn das Thema, Demonstration gegen die Todesstrafe, nicht so ernst wäre, könnte man sich das bildlich vorstellen, wie Anwälte aus den Gerichten und Mahagoni-Büros stürzen und Demonstranten verdreschen, die ihnen vielleicht die langwierigen Todesstrafeprozesse vermiesen. In Deutschland wären es Abmahnanwälte, die gefesselte Raubkopierer drangsalieren und brutal waterboarden, weil sie ihre Abmahngebühren nicht bezahlen.
dfuchs 18.02.2016
2. Abvp
Wenn mi der Studentenunion in der Fotostrecke (http://www.spiegel.de/fotostrecke/indien-studenten-protestieren-fuer-kanhaiya-kumar-fotostrecke-134683-4.html) die ABVP (Akhil Bharatiya Vidhyarti Parishad) gemeint ist, dann ist das eine der BJP nahestehende rechtsgerichtete Organisation, die sicher nicht für die Freilassung von Kanhaiya Kumar demonstriert...
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