Verwirrung um Abschluss Jeder vierte Student weiß nicht, dass er Ingenieur wird

Darf ich mich nach meinem Studium Ingenieur nennen oder nicht? Viele Bachelor- und Masterstudenten sind verunsichert, zeigt eine Studie.

Jeder vierte Ingenieurstudent weiß nicht, wie er sich später nennen darf
DPA

Jeder vierte Ingenieurstudent weiß nicht, wie er sich später nennen darf


Fast jeder vierte Student in Deutschland weiß nicht, ob er später die Berufsbezeichnung Ingenieur tragen darf, hat eine Studie des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) und des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) ergeben. Darüber berichtet das Handelsblatt am Freitag.

Dem VDI zufolge hat diese Verunsicherung damit zu tun, dass es den Abschluss Dipl. Ing. für Fächer wie Maschinenbau oder Elektrotechnik seit der Bologna-Reform so gut wie nicht mehr gibt. Studenten können in Deutschland zwischen 3295 ingenieurwissenschaftlichen Studiengänge wählen - und von denen schließen viele mit einem Bachelor of Arts oder Master of Science ab. Das müsse sich wieder ändern, fordert VDI-Präsident Udo Ungeheuer.

Man habe "schweren Herzens den Diplom-Ingenieur für ein größeres Ziel geopfert", also für die internationale Anschlussfähigkeit, sagte Ungeheuer dem Handelsblatt. Nun "brauchen wir aber wieder einen einheitlichen akademischen Grad, der ihn als international anerkannte Marke würdig ersetzt". Der VDI fordert deshalb, Bachelor und Master aller ingenieurwissenschaftlichen Studiengänge mit dem Zusatz "of engineering" oder "of science in engineering" zu ergänzen. In Österreich ist dieser Zusatz schon Standard.

Für die Studie wurden 1300 Studenten der Ingenieurwissenschaften, knapp 400 Hochschullehrende, mehr als 1400 Fach- und Führungskräfte in Unternehmen sowie gut 250 Absolventen, die kürzlich in den Beruf eingestiegen sind, befragt. Dabei kam auch heraus, dass Bachelor und Master zwar inzwischen gut akzeptiert sind, Arbeitgeber aber einen fehlenden Praxisbezug des Studiums bemängeln.

Der Studie zufolge vermissen Unternehmen bei 43 Prozent der Bachelor- und 37 Prozent der Master-Studierenden Praxiskenntnisse stark oder sehr stark. Für knapp die Hälfte der Unternehmen seien aber genau diese Kenntnisse für eine Einstellung entscheidend.

81 Prozent der Unternehmen legen bei ihren Bewerbern auch Wert auf soziale Kompetenzen, Auftreten und Präsentation. Laut Studie wiesen Bachelor- und Master-Absolventen diese Kompetenzen jedoch nur zu 23 beziehungsweise 32 Prozent auf.

fok

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