Interview zur Promotion "Systematisch und planvoll arbeiten"

Das Schreiben einer Doktorarbeit kostet Energie, Zeit und Nerven. Gute Planung ist alles, meint Dr. Helga Knigge-Illner, psychologische Beraterin an der FU Berlin. Im Interview spricht sie über systematische Zeitpläne, Fachkongresse und einsame Stunden über dem Laptop.


Promotion: Harte Arbeit für den Pluspunkt im Lebenslauf
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Promotion: Harte Arbeit für den Pluspunkt im Lebenslauf

UniSPIEGEL ONLINE:

Frau Knigge-Illner, was sollten Promotionswillige bedenken, bevor sie mit der Doktorarbeit beginnen?

Helga Knigge-Illner: Sie sollten ihren Motiven auf den Grund gehen, weshalb sie einen Doktortitel anstreben. Dass er ein Pluspunkt bei der Karriere ist, reicht als Motivation nicht aus. Wesentlich tragfähiger ist eine so genannte intrinsische Motivation: der Promotionswillige sollte Interesse an der Sache und speziell an dem gewählten Thema haben. Darüber hinaus ist auch Freude am wissenschaftlichen Arbeiten unverzichtbar.

UniSPIEGEL ONLINE: Ist Motivation das einzige ausschlaggebende Kriterium für die Entscheidung zur Promotion?

Knigge-Illner: Natürlich nicht. Andere Fragen sind genauso wichtig: Wie will sich der Promovierende finanzieren? Durch Jobben oder ein Stipendium? Ist er oder sie ein Typ, der gern und gut frei und selbständig arbeiten kann? Kann und will der Doktorand andere Lebensziele, zum Beispiel das Gründen einer Familie, erst einmal zurückstellen?

UniSPIEGEL ONLINE: Wenn die Entscheidung gefallen ist, stellt sich die Frage, wie die wissenschaftliche Arbeit organisiert werden soll. Was raten Sie Promovierenden?

Knigge-Illner: Es ist sinnvoll, von Anfang an systematisch und planvoll an die Arbeit heranzugehen. Deshalb empfehle ich, einen Zeitplan aufzustellen um grob festzulegen, wie viel Zeit man zum Beispiel für die Literaturrecherche, das Schreiben der Rohfassung oder das Redigieren braucht oder aufwenden will. Genauso wichtig ist es, konkrete Wochenpläne zu erstellen, die festlegen, wann und wie lange man auf Literatursuche in der Bibliothek gehen will.

UniSPIEGEL ONLINE: Was sollten Doktoranden bei der Planung beachten?

Knigge-Illner Eine klare Struktur hilft, den Arbeitstag besser zu überschauen und leichter zu bewältigen. Deshalb rate ich dazu, in der Planung feste Arbeitszeiten und Pausen zu berücksichtigen, klare Arbeitsziele zu definieren sowie Zeiten zur Entspannung wie Ferien oder Freizeit einzuplanen. Für erreichte Ziele sollte man sich unbedingt selbst belohnen.

UniSPIEGEL ONLINE: Gerade am Anfang hat man vielleicht noch gar keine Ahnung, wie lange einzelne Arbeitsschritte dauern. Wie kann man unter dieser Bedingung sinnvoll planen?

Knigge-Illner: Wenn der Promovierende feststellt, dass seine Planung nicht zu verwirklichen ist, dann muss er diese Erkenntnisse natürlich in seine Planung einarbeiten. Es ist in jedem Fall sinnvoll, sich für einzelne Aufgaben bestimmte Zeiträume zu setzen. Denn wenn man Zeit nicht begrenzt, dann verbraucht sie sich schneller und läuft einem davon.

UniSPIEGEL ONLINE: Gilt diese Methode der Zeitbegrenzung auch für die Themensuche?

Knigge-Illner: Ja. Ich rate zu einem Zeitraum von drei bis sechs Monaten, in dem man sich einen breiten Überblick über die in Frage kommende Themen und Theorien verschafft und ein erstes Konzept der Arbeit erarbeitet.

UniSPIEGEL ONLINE: Gleich am Anfang stellt sich auch die wichtige Frage, wie der Promotionswillige zu seinem Doktorvater oder seiner Doktormutter kommt. Was raten Sie?

Knigge-Illner:

Es ist wichtig, den Betreuer richtig einschätzen zu können. Deshalb macht es auch Sinn, die Arbeit bei jemanden zu schreiben, den man bereits aus dem Studium kennt, etwa den Betreuer der Examensarbeit. Falls dies auf Grund des Themas nicht möglich ist, sollte man sich bei Dozenten informieren, wer für welche Themenstellung in Frage kommt. Nach dieser Recherche sucht man ihn dann auf und stellt ihm sein Konzept vor.

UniSPIEGEL ONLINE: Die Arbeit an der Dissertation ist gerade in den Geisteswissenschaften oft ein sehr einsames Geschäft. Wie kann der Promovierende diese Einsamkeit überwinden?

Knigge-Illner: Ich empfehle, auf jeden Fall an einem Doktoranden-Kolloqium teilzunehmen und das Gespräch mit anderen zu suchen. Die Gelegenheit, Referate über die eigene Arbeit zu halten sollte auch schon in einem frühen Stadium der Arbeit genutzt werden. Außerdem sollte er sich darum bemühen, Vorträge auf Fachtagungen und Kongressen über sein Thema zu halten. Ich rate Doktoranden auch, bereits erarbeitete Teilaspekte und Zwischenergebnisse zu veröffentlichen, etwa in wissenschaftlichen Aufsätzen.

UniSPIEGEL ONLINE: Warum ist das so wichtig?

Knigge-Illner: Auf diese Weise können sich Doktoranden selbst Erfolgserlebnisse verschaffen und ihre wissenschaftliche Kompetenz steigern. Sie bekommen ein Feedback auf ihre bisherigen Ergebnisse und erhalten wichtige Anregungen für den weiteren Fortgang der Dissertation. Außerdem wird die Scientific Community durch Veröffentlichungen und Vorträge vielleicht sogar auf die wissenschaftliche Arbeit des Promovenden und vielleicht auch auf seinen Namen aufmerksam.

Das Interview führte Anja Schreiber, Jobpilot.de



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