Bafög für Ältere "Bei Bildung denken wir nicht an Menschen mit 30, 40 oder 50 Jahren"

Ein Midlife-Bafög für Studenten über 30 und damit mehr Staatsausgaben - das fordert ausgerechnet ein FDP-Politiker. Wie kommt er darauf? Ein Anruf bei Johannes Vogel.

Johannes Vogel
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Johannes Vogel

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Johannes Vogel, Bundestagsabgeordneter, FDP-Vorstandsmitglied und Generalsekretär seiner Partei in NRW, will ein neues Bafög: für Menschen, die sich berufsbegleitend weiterbilden wollen. Ein Anruf im Abgeordnetenbüro in Berlin.

SPIEGEL ONLINE: Herr Vogel, Sie sind 36. Stecken Sie schon in der Midlife-Crisis und noch dazu in Finanznot?

Johannes Vogel: Nein, weder noch. Aber ich lerne tatsächlich gern dazu. Derzeit versuche ich etwa, mein Chinesisch aufzupolieren. Dafür benötige ich zum Glück kein Bafög. Aber grundsätzlich ist es schon so, dass wir beim Thema lebenslanges Lernen viel zu viele Sonntagsreden hören. Wir denken beim Stichwort Bildungssystem normalerweise nicht an Menschen mit 30, 40 oder 50 Jahren. Dabei macht es der digitale Wandel nötig, dass wir immer weiter lernen - und politisch ein zweites Bildungssystem für das ganze Leben bauen.

SPIEGEL ONLINE: Aber dass ausgerechnet Sie als FDP-Politiker den Staat zum Geldausgeben auffordern, überrascht uns schon.

Vogel: Vielleicht sitzen Sie da einem Klischee über die Freien Demokraten auf. Natürlich ist Bildung Sache des Einzelnen, der Familien und der Betriebe - aber darüber hinaus auch eine Kernaufgabe des Staates. Und Beschäftigte mit geringem Einkommen müssen, wie alle anderen auch, die Möglichkeit haben, sich für den Arbeitsmarkt der Zukunft fit zu machen. Hier kann das Midlife-Bafög helfen. Dabei muss es nicht zwingend um einen neuen Abschluss gehen. Credit-Points kann es auch für einzelne Weiterbildungen geben, um die dann zum Beispiel einem Arbeitgeber vorzulegen.

SPIEGEL ONLINE: Und da setzen Sie auf eine Variante des Bafög-Systems?

Vogel: Bafög ist ein historisch wertvolles Instrument, das die Unis und Hochschulen für ganze Generationen überhaupt erst geöffnet hat. Warum sollte das nicht auch bei der Weiterbildung funktionieren? Wir brauchen ein Gesamtkonzept: Sinnvoll wäre dazu ein Rechtsanspruch auf steuerfreies Bildungssparen für alle Bürger. Auch die Bundesagentur für Arbeit muss mit eingebunden werden, um wo nötig die Qualifizierung Beschäftigter zu unterstützen - natürlich nur, wenn auch die Arbeitgeber eine Teilfinanzierung übernehmen.



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