Jürgen Klopps Erinnerungen ans Studium "Genossen, wie kaum etwas anderes"

Star-Trainer Jürgen Klopp ist als Motivationsgenie bekannt. Kein Wunder - wenn er von seinem Sport-Studium erzählt, möchte man sofort studieren. Dabei mangelte es dem BVB-Trainer, wie er selbst sagt, damals nicht nur an Durchblick.

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Schnell sollte es gehen, 1995, als Jürgen Klopp, damals noch ein unbekannter Sportstudent, seine Diplomarbeit verfassen musste. Seinem Betreuer schlug er das Thema "Rückenschule" vor. Doch der wollte nichts davon wissen, viel zu viel sei darüber schon geschrieben worden. Der Prof legte dem heutigen Star-Fußballtrainer ein anderes Thema ans Herz: "Walking" - damals noch eine neue Trendsportart aus den USA.

Klopp legte los, gemeinsam mit einer Kommilitonin habe er sich in das Thema "reingebissen", erinnert er sich heute in einem Video und einem daraus abgeleiteten Interview für die Zeitung "Uni-Report" der Goethe-Universität Frankfurt. Seine Kommilitonin und er hätten sogar eine richtige statistische Untersuchung durchgeführt. "Das war cool", sagt der heute 46-Jährige. "Und am Ende war es, so meine ich, die erste Diplomarbeit in Deutschland zum Thema Walking."

Auch sonst hat Klopp, heute BVB-Trainer und Top-Motivator, offenbar nur gute Erinnerungen an seine Studienzeit. "Ich habe dieses Studium genossen, wie kaum etwas anderes", sagt der berühmte Dortmunder Fußballcoach in dem Gespräch im BVB-Trainingszentrum. Er denke mit unglaublich vielen positiven Gefühlen an die Zeit zurück, auch weil er rund um sein Studium der Sportwissenschaften viele seiner besten Freunde kennengelernt habe. In der Cafeteria hätten sie sich damals so häufig aufgehalten wie in kaum einem anderen Raum.

Eine sehr entspannte Zeit sei das gewesen: "Ich kann mich an Sommertage erinnern, an denen wir eigentlich was lernen wollten, und auf der Weichbodenmatte von der Hochsprunganlage einfach eingeschlafen sind."

"Ich kann zwar nicht so gut kicken, wie ihr alle seht"

Wie die meisten Studenten wusste auch Klopp während seines Studiums noch nicht genau, wo es hingehen sollte, aber, "wenn man sich meinen heutigen Beruf anguckt, dann kann man sagen: ohne Durchblick doch Weitblick bewiesen. Ich konnte später etwas damit anfangen", sagt er rückblickend.

Ganz glatt lief jedoch auch das Studium des heutigen Meister-Trainers nicht: "Ich hatte Riesenprobleme mit dem Schwimmen", gesteht Klopp. Da sei er "durchgerasselt" und habe die Prüfung noch einmal machen müssen. Geräteturnen habe er direkt weggelassen, und auch mit dem Stabhochsprung sei es nicht so gut gelaufen.

Umso besser lief es für ihn bereits während des Studiums mit dem Trainerjob: Klopp, damals junger Familienvater und Fußballprofi, war schon mit 21 Jahren Trainer der D-Jugend bei Eintracht Frankfurt: "Ich wollte das immer machen. Das war es, was ich aus meiner Sicht auch am besten konnte", sagt Klopp. Es sei nur ein bisschen schwierig gewesen, damit hausieren zu gehen. "Man kann nicht sagen, 'übrigens, ich kann zwar nicht so gut kicken, wir ihr alle seht, aber ich wäre ein relativ ordentlicher Trainer'."

"Sport studiert und trotzdem erfolgreich"

Ohne einen bewussten Plan habe er aber schon im Studium auf seine spätere Karriere hingearbeitet. Und auch wenn Berufserfahrung ebenso wichtig sei, sagt Klopp heute: "Mein Studium ist meine Basis für alles was ich später gemacht habe."

Bei so viel Begeisterung ist es kein Wunder, dass Klopp jungen Leuten zu einem Studium rät. Denn aus seiner Sicht gibt es kaum einen besseren Weg, selbstständiges Arbeiten zu lernen. In der Schule oder in einer Ausbildung bekäme man immer genau gesagt, was man machen müsse. "An der Uni ist das völlig anders. Du wirst von heute auf morgen alleine gelassen. Und so kannst du ein selbstständiger Mensch werden. Das ist sehr wichtig." Einsatz zahle sich schnell aus, nicht erbrachter Einsatz fliege einem um die Ohren. Das alles seien Dinge, die man nicht überall lernen könne. Dennoch sollte man sich nicht zu sehr aufreiben: "Es ist eine tolle Zeit, die man für alles nutzen sollte, was man selber auch als wichtig erachtet."

Sorgen müsse sich aus seiner Sicht ohnehin niemand machen: "Wenn ich etwas werden konnte, dann kann es jeder. Das ist ein Fakt", sagte Klopp einmal bei einem Besuch an der Sporthochschule in Köln. Und: "Ich habe Sport studiert und bin trotzdem erfolgreich." Auch alle Kommilitonen von damals, mit denen er heute noch Kontakt hat, seien mit dem Studium glücklich geworden.

lgr/dpa



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