Junge Designerinnen Werben für eine bessere Welt

Zwei Karlsruher Kommunikationsdesignerinnen steckten sich ein großes Ziel: Mit ihrer Diplomarbeit wollen sie die Welt verbessern - durch Werbung für Menschen, die genau das versuchen. Also traten Nelly Brunkow und Evamaria Judkins zum Acht-Wochen-Grafik-Marathon an.


Nelly Brunkow hat als Kommunikationsdesignerin jahrelang studiert, wie man es macht, dass Dinge gut wirken - und dass sie notfalls besser aussehen, als sie wirklich sind. Doch kann man auch erreichen, dass die Dinge besser werden? "Es muss doch möglich sein, mit Kommunikationsdesign auch sinnvolle Sachen zu machen", sagte sich Brunkow. Und machte sich mit ihre Kommilitonin Evamaria Judkins an den Praxisversuch: Zusammen machten sie sich an ihre Diplomarbeit - mit dem unbescheidenen Ziel, die Welt zu verbessern.

Über hundert Menschen hatten sich mit ihren Ideen für eine bessere Welt bei den beiden Studentinnen beworben. "Es war schon auch eine Extrem-Erfahrung. Wir haben jetzt einfach acht Wochen lang wirklich gearbeitet von morgens bis abends und haben uns wirklich engagiert", sagt Brunkow.

Das Ziel der Abschlussarbeit: Für 40 ausgewählte Weltverbesserer jeden Tag eine Werbekampagne zu entwickeln. Für Nelly Brunkow und Evamaria Judkins hieß das: Alle 24 Stunden eine gute Idee für eine gute Sache. "Von der Verbesserung von Rechtschreibfehlern, dass es zu viele Rechtschreibfehler gibt, oder wie man Leute, die Suizid begehen wollen, wieder auffängt", beschreibt Brunkow die Bandbreite.

Ein Friedensforscher überlegte sich für die beiden, wie man Frieden auf der Welt schaffen und sich mit dem Terrorismus auseinander setzen kann. "Aus dem Gespräch mit ihm haben wir dann sechs Tipps herausgezogen, wie man konkret, jeder einzelne Mensch, mit Terrorismus umgehen kann", sagt Nelly Brunkow.

Barbie aufgesägt und fotografiert

Morgens führten Nelly Brunkow und Evamaria Judkins zuerst ein Interview: Was will der Weltverbesserer? Und wie kann man sein Anliegen grafisch umsetzen? Was zum Beispiel können sie für die Mutter und ihre Tochter tun, die etwas gegen den Schlankheitswahn der Mädchen in der Schule unternehmen wollen?

"Das ist die Barbie, in Originalgröße abfotografiert, dann mit viel Mühe durchgesägt, also quasi: Außen schlank und innen hohl, der Beweis!", sagt Nelly Brunkow über ihren Entwurf.

Mit den frisch gedruckten Plakaten und Flyern können die Weltverbesserer jetzt für ihre Ideen werben. Zum Beispiel Matthias Böhringer: Er will, dass weniger in den Großdiscountern auf der grünen Wiese und mehr in kleinen Geschäften nebenan gekauft wird. Nelly Brunkow und Evamaria Judkins fragten am Telefon nach, ob es gut läuft mit Matthias Böhringers kleiner Idee für eine bessere Welt.

Nach 40 Tagen im Auftrag der guten Sache sind die beiden Studentinnen vor allem müde. Aber auch zufrieden: "Ich glaube, dass wir die Welt nicht im Großen verbessert haben, aber im Kleinen. Bei manchen Menschen hatte ich so das Gefühl, die haben sich endlich mal verstanden gefühlt, und das allein hat schon die Welt verbessert", so Brunkow.

Evamaria Judkins und Nelly Brunkow wollen weitermachen: "Das sind Menschen, die irgendwie so allein vor sich hin wurschteln und so versuchen, ihre Idee umzusetzen. Da steht eben kein Mega-Konzern dahinter, die können nicht die Hochglanz-Broschüre drucken." Und genau die versuche man so gut wie möglich zu unterstützen.

Unter dem Namen Wir.ag soll im Internet ein Netzwerk von Weltverbesserern entstehen. Denn die beiden Studentinnen konnten längst nicht bei allen guten Ideen helfen. Die Welt zu verbessern - so eine Aufgabe hört mit Abgabe der Diplomarbeit eben nicht auf.

Von David Rother, "Campus & Karriere" / Deutschlandfunk



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.