Junior-Professoren in Niedersachsen Das langsame Ende der Habilitation

Noch in diesem Jahr will der niedersächsische Wissenschaftsminister Thomas Oppermann die ersten Juniorprofessoren einstellen. Auch ohne Habilitation dürfen sie wie normale Professoren lehren und forschen. Mit den Plänen greift Oppermann einem Gesetzentwurf von Bildungsministerin Bulmahn vor.


Bisher müssen sich Professoren in einem langen Verfahren habilitieren
DPA

Bisher müssen sich Professoren in einem langen Verfahren habilitieren

VW macht's möglich. Niedersachsens Anteile am Volkswagen-Konzern bescherten dem Land in diesem Jahr eine üppige Dividende. 12 Millionen Mark des Geldsegens wollen die Niedersachsen nun für so genannte Juniorprofessuren ausgeben. Mit dem neuen Dienstrang soll das langwierige Habilitationsverfahren, das so nur noch in Deutschland, Österreich und der Schweiz praktiziert wird, umgangen werden.

Das Konzept der Juniorprofessoren stammt aus dem Haus von Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn. Im Rahmen einer Dienstrechtsreform, die vom Kabinett bereits verabschiedet wurde, sollen Nachwuchswissenschaftler nun schon viel früher die Möglichkeit erhalten, selbstständig an den Hochschulen zu lehren und zu forschen.

Das geltende Hochschulrecht sieht vor, dass jeder Professorenanwärter erst einmal das aufwendige Habilitationsverfahren durchlaufen muss, ehe er sich auf eine Stelle bewerben kann. Und das dauert zur Zeit noch viele Jahre. "International können wir uns mit einem Erstberufungsalter von 42 Jahren wahrlich nicht mehr sehen lassen", schrieb Bulmahn in einem Gastbeitrag für UniSPIEGEL ONLINE.

In Niedersachsen sollen nun nach den Plänen von Wissenschaftsminister Opperman bis zu 160 Nachwuchswissenschaftler mit den Aufgaben von Juniorprofessoren betraut werden. Jede Stelle wird vom Land einmalig mit 75.000 Mark bezuschusst, 150.000 Mark kommen noch einmal vom Bund dazu.

Denn solange die Dienstrechtsreform von Edelgrad Bulmahn nicht von Bundestag und Bundesrat verabschiedet ist, gibt es die Bezeichnung "Juniorprofessor" an den Hochschulen offiziell noch gar nicht. Die Nachwuchswissenschaftler, die in Niedersachsen angeheuert werden sollen, werden deshalb fürs erste als außertarifliche Mitarbeiter geführt.

Juniorprofessoren auch in Berlin

In der Hauptstadt ist man schon ein Stück weiter als in Niedersachsen. An der Berliner Humboldt-Universität hat man bereits die ersten Stellen für Juniorprofessoren ausgeschrieben. Seit Ende Juli werden dort, verteilt über die einzelnen Institute, 30 Nachwuchswissenschaftler für die neugeschaffene Position gesucht.

Die Pläne für die Juniorprofessuren sind umstritten. So sprach sich Manfred Erhardt vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft in einem Gastbeitrag für UniSPIEGEL ONLINE für eine Reform der Habilitation aus, statt diese ganz abzuschaffen.

Mike Sandbothe von der Initiative wissenschaftlichernachwuchs.de kritisiert, dass mit den Juniorprofessuren der Zeitdruck für eine Karriere an der Universität erhöht werde. Denn die Stellen als Juniorprofessor werden nach den Plänen des Bundesbildungsministeriums auf sechs Jahre begrenzt sein. Und wer es in dieser Zeit nicht schaffe, eine volle Professorenstelle zu ergattern, habe an der Universität "ausgelehrt und ausgeforscht", so Sandbothe.



© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.