Was Profs von Studenten fordern - und was nicht Sozialkompetenz? Für BWLer nicht so wichtig

BWL, Jura, Sozialwissenschaften, Architektur, Informatik: Welche Eigenschaften brauchen Studenten, um in ihrem Fach erfolgreich zu sein? 9500 Dozenten haben Antworten gegeben.

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Was braucht es, um im Studium zu bestehen? Und welche Eigenschaften sind unabdingbar, um dann auch im zugehörigen Beruf Erfolg zu haben - idealerweise bis zum Ende des Arbeitslebens?

Solche Fragen gehören zur Wahl des Studienfachs. Antworten liefern können vor allem Professoren: Was erwarten sie von ihren Studenten, mit welchen Eigenschaften werden diese später weiterkommen? Das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) hat bei 9500 Professoren nachgefragt.

Logisches Denken, selbstständiges Lernen und Leistungsbereitschaft fanden dabei alle wichtig. Aber dann wird es interessant. Zum Beispiel steht Teamfähigkeit, ein Begriff, der in praktisch keiner Stellenanzeige fehlen darf, bei den Professoren nicht so hoch im Kurs: Nur in zehn von insgesamt 32 Fächern wurde die Eigenschaft überhaupt empfohlen, in nur fünf davon wurde ihr ein hoher Stellenwert beigemessen.

In der Auswertung der Studie unterscheidet das CHE: Besonders wichtig sind Anforderungen, die von 50 Prozent oder mehr der Professoren empfohlen wurden; hilfreich sind außerdem jene zwischen 10 und 50 Prozent. Die wichtigsten Fächer im Überblick.

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Betriebs- und Volkswirtschaftslehre

Die meisten Wirtschaftsprofessoren stellen logisches Denken und Abstraktionsfähigkeit in den Vordergrund. Hilfreich sind außerdem Englischkenntnisse und ein wirtschaftliches Grundverständnis. Affinität zur Mathematik wird vorausgesetzt, bei den Volkswirten ist das sogar eine Schlüsselanforderung. Nicht empfohlen wurden Faktoren wie etwa ein Bewusstsein für gesellschaftspolitische Themen oder Kritikfähigkeit; Sozialkompetenz spielt nur für BWLer an Fachhochschulen eine Rolle. Teamfähig sollen die Wirtschaftler aber trotzdem sein.

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Jura

Bei den Juristen kommen zwei Eigenschaften auf über 50 Prozent: Analytisches Denken und Kommunikationsfähigkeit. Wer sich mit Recht befasst, muss außerdem argumentieren können, leistungsbereit sein und selbstständig arbeiten können - so selbstständig, dass Teamfähigkeit keine Rolle spielt. Die Studenten sollten sich für gesellschaftspolitische Themen erwärmen und eine gute Allgemeinbildung haben. Ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden wird nicht gefordert.

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Medizin und Zahnmedizin

Teamfähigkeit stellt für Mediziner eine Schlüsselqualifikation dar, außerdem Belastbarkeit und Sozialkompetenz, Lernbereitschaft und naturwissenschaftliche Vorkenntnisse. Wer außerdem Zähne plombieren will, braucht technisches Verständnis, eine wohlkoordinierte Feinmotorik und räumliches Vorstellungsvermögen - dafür muss er sich nicht als Teamplayer bewähren. Ein Punkt immerhin erleichtert den Einstieg: Vorerfahrung, etwa in Praktika, ist offenbar nicht so wichtig.

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Naturwissenschaften, Mathematik, Informatik

Wer sich in diesen Fächern tummelt, muss nicht nur gut rechnen und analysieren können, sondern auch eine hohe Assoziations- und Transferfähigkeit mitbringen. Teamfähigkeit fordern hier nur die Informatiker. Die Geografie fällt in diesem Fächerkreis durch viele Zusatzanforderungen auf: Wer hier was werden will, muss seine Kenntnisse gut kommunizieren, interkulturell aufgeschlossen sein und großen Forscherdrang an den Tag legen. Außerdem sollte er bereit sein, interdisziplinär zu arbeiten.

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Geistes-, Sprach- und Sozialwissenschaften

Wer Politik, Soziologie oder eine Fremdsprache studiert, muss kommunizieren und argumentieren können, sollte kritisch und selbstständig Denken und zur Reflexion imstande sein. Die passenden Sprachkenntnisse verstehen sich von selbst. Angehende Politik- und Sozialwissenschaftler sollten außerdem Lust auf Forschung haben und keine Scheu vor der Auseinandersetzung mit Theorien. Sprachwissenschaftler tun sich leichter, wenn sie ein Interesse an Kultur sowie historische Grundkenntnisse mitbringen und wenn sie länger im Ausland waren. Teamfähigkeit oder Aufgeschlossenheit für Neues werden praktisch nicht gefordert.

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Ingenieurswissenschaften und Architektur

Diese Fächer sind sich in vielen Punkten einig: Abstraktion, Lernbereitschaft, Selbstständigkeit und Spaß an Mathematik, Naturwissenschaft und Technik sind ihre Grundvoraussetzungen. Bei Architekten, Bauingenieuren und Maschinenbauern kommt räumliches Denken hinzu, Architekturprofs wünschen sich außerdem kreative und teamfähige Studenten. Vieles, was andere Fächer ausmacht, ist dagegen lässlich: Kommunikationsfähigkeiten etwa, Sozialkompetenz, Selbstreflexion oder gesellschaftspolitisches Interesse.


Methodik der Studie: In drei Befragungen zwischen 2013 und 2015 hat das CHE insgesamt 9500 Professoren per Onlineformular befragt, das sind etwa 20 Prozent aller Professoren in Deutschland. Die Abfrage fand im Rahmen des CHE Hochschulrankings und in 32 Fächern statt - kleine Fächer, die nur an wenigen Hochschulen angeboten werden, sind nicht erfasst. Die Frage lautete: "Welche Voraussetzungen und Fähigkeiten sollten Studieninteressierte Ihrer Meinung nach für ein Studium im jeweiligen Fach mitbringen?" In der ersten Runde wurden die Antworten gesammelt und kategorisiert, in der zweiten und dritten Runde konnten die Professoren aus diesen Kategorien jene auswählen, die sie für besonders wichtig halten.

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mamk

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insgesamt 125 Beiträge
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Seite 1
Bibendumx 12.08.2016
1. Blinde urteilen übers Sehen
Da hat man Leute befragt, bei denen die Sozialkompetenzen selbst nicht sehr ausgeprägt sind. Und seit wann kommt es bei einem Prof auf Teamfähigkeit an und wie kann er dies bei seinen Studenten überhaupt beurteilen? Seit langem ist bekannt, dass diejenigen, die in der Schule erfolgreich waren, auch diejenigen sind, die im Studium guten Erfolg haben. Über einen späteren beruflichen Erfolg sagt dies aber wenig aus. Professoren, die in der Regel nur den Hochschulbetrieb kennen, können über einen späteren beruflichen Erfolg nicht kompetent urteilen. Selbst bewiesen haben sie es nicht. Den beruflichen Erfolg müsste man erst definieren und er wird ganz sicher nicht benotet. Also liebe Studenten: nicht bange machen lassen von den Professoren!
suelzer 13.08.2016
2.
Es gibt Dinge, die schließen sich gegenseitig aus. So vor allem BWL und Sozialkompetenz. Im übrigen möchte ich anmerken, dass BWL eigentlich kein Studiengang sein dürfte. Es handelt sich bei BWL nicht um eine Wissenschaft, sondern um eine kaufmännische Ausbildung mit Abzock-Garantie. Das kann jeder Idiot machen.
großwolke 13.08.2016
3. Die Falschen gefragt
Um herauszufinden, was in einem bestimmten Berufsfeld wichtig ist, sind Professoren eher keine geeigneten Ansprechpartner. Denn die können einem, aus eigener Erfahrung, höchstens davon erzählen, was es braucht, um in ihrem Feld als Wissenschaftler ganz nach oben zu kommen. Der Rest ist für sie Hörensagen und Mutmaßung, selbst wenn sie sich bei der Antwort Mühe geben. Hochschulen bilden Wissenschaftler aus, die auf verschiedenen Höhen vom Bachelor bis zum Habilitierten aus dem Rennen um die Professuren aussteigen. Und auch wenn einige Studiengänge in berufsqualifizierenden Abschlüssen münden, heißt das noch lange nicht, dass die Unis zielgerichtet für den Arbeitsmarkt ausbilden. Gerade in den als "Laberfächern" verschrienen Geistes- und Sozialwissenschaften muss sich der Student aktiv selbst darum sorgen, welches Fähigkeitsprofil er sich zulegen will, um am Ende eine Anstellung zu finden. Aber auch in anderen Fächern ist die Krönung der Hochschulbildung die Fähigkeit, Publikationen zu verfassen (natürlich inclusive der nicht immer einfachen wissenschaftlichen Arbeit, die dazugehört). Wie es in einer Firma zugeht, das lernt man dann im Anschluss.
klingoon 13.08.2016
4.
Zitat von BibendumxDa hat man Leute befragt, bei denen die Sozialkompetenzen selbst nicht sehr ausgeprägt sind. Und seit wann kommt es bei einem Prof auf Teamfähigkeit an und wie kann er dies bei seinen Studenten überhaupt beurteilen? Seit langem ist bekannt, dass diejenigen, die in der Schule erfolgreich waren, auch diejenigen sind, die im Studium guten Erfolg haben. Über einen späteren beruflichen Erfolg sagt dies aber wenig aus. Professoren, die in der Regel nur den Hochschulbetrieb kennen, können über einen späteren beruflichen Erfolg nicht kompetent urteilen. Selbst bewiesen haben sie es nicht. Den beruflichen Erfolg müsste man erst definieren und er wird ganz sicher nicht benotet. Also liebe Studenten: nicht bange machen lassen von den Professoren!
Weil die Reputation von (Uni-) Professoren im heutigen Wissenschaftsbetrieb fast ausschließlich anhand (i) der - im double blind-Verfahren extern beurteilten - Zahl der veröffentlichten Aufsätze, (ii) der internationalen Bedeutung der Journals in denen veröffentlicht wurde, sowie (iii) dem Volumen der eingeworbenen Drittmittel abhängt, lässt sich Ihre Frage ganz klar und kurz beantworten:
marcaurel1957 13.08.2016
5.
Zitat von suelzerEs gibt Dinge, die schließen sich gegenseitig aus. So vor allem BWL und Sozialkompetenz. Im übrigen möchte ich anmerken, dass BWL eigentlich kein Studiengang sein dürfte. Es handelt sich bei BWL nicht um eine Wissenschaft, sondern um eine kaufmännische Ausbildung mit Abzock-Garantie. Das kann jeder Idiot machen.
Ganz offensichtlich sind Ihnen nicht mal die Grundlagen des Wissenschaftsbegriffs bekannt....Sie wissen schlicht und einfach nicht was "Wissenschaft" ist.....das wäre allein nicht so schlimm, da Sie dazu aber noch rumprollen wird es peinlich. Ach ja, als ich Ökonomie studiert habe, gab es auch ein paar Idioten, da aber nur knapp 45% der Anfänger das Studium abgeschlossen haben, dürften nur wenige sich heute Diplom Kaufmann nennnen. Klar dürfte auch sein, dass man als Betriebswirt nicht weit kommt, wenn man nicht sehr schnell lernt, mit Menschen umzugehen, d.h. Sich eine ausreichende Sozialkompetenz aneignet.....
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