Panne in Niedersachsen Jurastudenten schreiben zweimal die gleiche Klausur

Die Fragen dürften ihnen bekannt vorgekommen sein: 200 angehende Rechtsreferendare haben in Niedersachsen die gleiche Klausur geschrieben wie die Prüflinge im Vorjahr. Gestaunt haben wohl vor allem die Wiederholer.

Jurastudenten in einer Vorlesung (Archivbild)
DPA

Jurastudenten in einer Vorlesung (Archivbild)


Das erste Staatsexamen in Jura ist bekannt dafür, besonders knifflig zu sein. Manche Studenten zahlen viel Geld für private Repetitorien, andere erarbeiten schon Jahre vorher genaue Lernpläne. In Internetforen kursieren Gedächtnisprotokolle zahlreicher Klausuren - und wer sich diese genau angeschaut hatte, war in diesem Jahr in Niedersachsen klar im Vorteil. Denn das Landesjustizprüfungsamt hat knapp 200 angehenden Rechtsreferendaren in der dritten Zivilrechtsklausur die gleichen Fragen vorgelegt wie den Prüflingen im Vorjahr.

Für zehn Studenten bedeutete das, die gleiche Prüfung noch einmal zu schreiben: Sie waren nämlich als Wiederholer dabei.

Das Ministerium begründet den Fehler mit einer Nachlässigkeit im Amt: "Bei der Klausur ist im Juli 2016 die entsprechende Kategorisierung als verwendete Klausur unterblieben. In Folge eines Personalwechsels ist dieses Versehen bei der Stellung der Klausur für Juli 2017 nicht weiter aufgefallen, so dass es zu der Doppelverwendung kam", heißt es in einer Stellungnahme, über die zuerst die "Neue Osnabrücker Zeitung" berichtet hatte.

Wiederholt werden soll die Klausur nicht. Die richtigen Lösungen seien im Vorjahr schließlich nicht veröffentlicht worden, zudem hätten auch die Wiederholer nicht damit rechnen können, dass die gleichen Fragen noch einmal gestellt werden, so das Ministerium. Die Korrektur sei noch nicht abgeschlossen, der Notendurchschnitt stehe deshalb noch nicht fest.

vet



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NuclearSavety 18.09.2017
1. Relativ normal ....
.... hatte öfters Professoren, die immer dieselben (relativ schweren) Klausuraufgaben stellten .... die Leute die sich vorbereiten merken das und kommen durch, die sich nicht vorbereiten haben kommen nicht durch ... genau das was man von einer Klausur will ... was daran jetzt eine Nachricht ist (ausser dass es eine staatliche und keine uni-interne Prüfung war) versteh ich nicht ganz ...
der-junge-scharwenka 18.09.2017
2. Staatsprüfung
Die Juristischen Staatsexamina sind eben keine Universitätsprüfungen. Darin liegt der Unterschied, und das ist tatsächlich etwas anderes; ich habe beides mitgemacht. Die Oberlandesgerichte haben für die Durchführung der Staatsexamina eigene Prüfungsämter eingerichtet, in den zahlreiche Beschäftigte dafür sorgen sollen, dass genau das nicht passiert. Eben weil die Kandidaten Protokolle anfertigen, sich untereinander austauschen und derartige Dinge zur Vorbereitung nutzen. Tatsächlich ist die wiederholte Ausgabe einer Aufgabe in einem OLG-Bezirk völlig ungewöhnlich. Letztlich dürfte das, was passiert ist, aber kein Beinbruch sein. Ich hatte spätestens nach einem Jahr die Aufgaben meiner eigenen Examensklausuren komplett vergessen und hätte sie nach einem weiteren Jahr mit ziemlicher Sicherheit nicht wiedererkannt. Und selbst wenn, dann würde mir das bei der erneuten Bearbeitung nicht geholfen haben. Wie die richtige Lösung geht, bekommt man nämlich nicht mitgeteilt.
exkeks 18.09.2017
3.
Zitat von NuclearSavety.... hatte öfters Professoren, die immer dieselben (relativ schweren) Klausuraufgaben stellten .... die Leute die sich vorbereiten merken das und kommen durch, die sich nicht vorbereiten haben kommen nicht durch ... genau das was man von einer Klausur will ... was daran jetzt eine Nachricht ist (ausser dass es eine staatliche und keine uni-interne Prüfung war) versteh ich nicht ganz ...
Soso, Aufgabe von Klausuren ist es also, diejenigen durchs System zu schleusen, die die meisten Altfragen auswendig können? Nicht etwa eine Überprüfung von Fachkompetenzen, womöglich...? Nicht dass man beim Auswendiglernen von Altfragen nicht auch was lernen könnte. Aber Ihre Herangehensweise zielt auf die Produktion von Fachidioten statt von kritischen Geistern.
Newspeak 18.09.2017
4. ...
Es gab Professoren in meinem Fach, die haben verlaesslich ueber Jahrzehnte dieselben Fragen gestellt. Ist aber egal, vorbereiten muss man sich trotzdem, lediglich das Feld der Vorbereitung ist klarer umrissen. Es gab auch einen Professor, der hat mich im Vordiplom exakt dasselbe gefragt, wie im Abschlusskolloquium ein paar Monate vorher. Ich weiss bis heute nicht, ob das Absicht war, oder Zufall, weil er bekannt dafuer war, Studenten ueber ihre praktischen Arbeiten zu fragen und da scheint es nicht allzuviele Variationsmoeglichkeiten zu geben. In jedem Fall habe ich nicht damit rechnen koennen und war beim zweiten Mal zwar ueberrascht, aber nur unwesentlich besser als beim ersten Mal, als ich noch naiverweise dachte, diese Fragen nie mehr gestellt zu bekommen.
zwischen_durch 18.09.2017
5. Grossartige Gelegenheit
Jetzt sollte man das Ergebnis dieses zufälligen Ereignisses hernehmen, um zu überprüfen, ob sich durch die Wiederholung überhaupt Verschiebungen ergeben haben. Ist der Notenschnitt besser? Haben mehr StudentInnen bestanden? Waren die 10 Wiederholer besser als die Wiederholer in den vergangenen Jahren?
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