Jura Alle Fakten rund ums Studium

Wer Jura studieren kann, wie das Studium abläuft und welche Möglichkeiten es eröffnet - ein Überblick.

Büffeln gehört im Jurastudium zum Alltag - wer einen Abschluss mit Prädikat schafft, kann sich danach auf gute Jobaussichten freuen.
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Büffeln gehört im Jurastudium zum Alltag - wer einen Abschluss mit Prädikat schafft, kann sich danach auf gute Jobaussichten freuen.

Von Nina Bärschneider


Juristische Fälle lösen, in Deutschlands Gesetzen vergraben und das große politische Ganze verstehen? Das ermöglicht das Jurastudium - eines der beliebtesten deutschen Hochschulfächer. Trotzdem stehen angehende Jurastudenten oft vor den grundsätzlichsten Fragen: Ist das Studium für mich geeignet? Was erwartet mich und was habe ich davon? Hier kommen die Antworten.

Wo kann ich in Deutschland Jura studieren? Die meisten deutschen Universitäten bieten Jura an - entweder als klassisches Examensstudium oder als Bachelor- und Masterstudiengang. Nach dem Examensstudium inklusive Referendariat ist man Volljurist und kann sich nach Berufen wie Richter, Anwalt und Notar umschauen. Bachelor und Master of Laws hingegen eignen sich für juristische Berufe in der freien Wirtschaft. Möglich ist auch ein duales Studium, zum Beispiel mit Praxisteil in der Stadtverwaltung. Wem Jura allein nicht reicht, kann im Doppelstudium mit Medizin oder Wirtschaft parallel noch einen draufsetzen.

Was sind die Voraussetzungen für das Jurastudium? An den meisten Universitäten ist Jura zulassungsbeschränkt. Wichtig ist hier ein guter Abiturdurchschnitt. In München, Berlin und Heidelberg bewegte sich der Numerus Clausus (NC) im Wintersemester 2016/2017 zwischen 1,7 und 2,3. Im Winter liegt der NC wegen höherer Bewerberzahlen generell höher. Doch nicht nur die Note zählt - auch Praktika, Freiwilligendienste und Wartesemester werden berücksichtigt. Und in einigen Unis wie Würzburg, Passau und Greifswald gibt es für Jura gar keine Zulassungsbeschränkung.

Wie ist das Jurastudium aufgebaut? Viereinhalb Jahre dauert das Jurastudium offiziell und gliedert sich in Grund- und Hauptstudium. In den ersten vier Semestern beschäftigen sich die Studenten mit Bürgerlichem, Öffentlichem und Straf-Recht und schreiben darüber eine Zwischenprüfung. Wer die nicht besteht, wird exmatrikuliert und kann danach in Deutschland kein Jura mehr studieren. Das Hauptstudium dauert fünf Semester und beinhaltet den Schwerpunkt. Den kann sich jeder Student selbst aussuchen, zum Beispiel Medienrecht oder Kriminalwissenschaften. Dann steht das erste Staatsexamen an: 70 Prozent staatliche Prüfung, 30 Prozent Unischwerpunkt. Hält man die Regelstudienzeit ein, hat man dafür drei Versuche, sonst nur zwei. Im Anschluss folgt ein zweijähriges Referendariat, zum Beispiel beim Amtsgericht, bei der Staatsanwaltschaft oder einer Behörde. Dafür gibt's pro Monat schon ein Gehalt von 800 Euro brutto. Am Ende steht das zweite Staatsexamen mit bis zu elf Klausuren und einer mündlichen Prüfung.

Was sind die persönlichen Anforderungen? Laut einer CHE-Studie von 2016 sollten Jurastudenten abstrakt, logisch und analytisch denken können. Wichtig sind auch sichere Deutschkenntnisse, gute Allgemeinbildung und Kommunikationsfähigkeit. Und: durchhalten, durchhalten, durchhalten.

Welche Berufschancen habe ich mit einem Jurastudium? Richter, Rechts- und Staatsanwalt, Notar - all diese Berufe warten nach dem Jurastudium. Jedoch nur für die Glücklichen, die ihr Examen mindestens mit der Note "vollbefriedigend" abschließen, sprich mindestens neun von 18 Punkten. In Großkanzleien können sie sich auf Einstiegsgehälter für Juristen zwischen 85.000 und 125.000 Euro pro Jahr freuen - plus Boni. Auch DAX-Unternehmen suchen Juristen mit Prädikatsexamen und zahlen dafür bis zu 90.000 Euro. Doch nur ein kleiner Teil der Absolventen hat die freie Auswahl. Je weniger Punkte im Examen, desto mehr wächst die Konkurrenz. Kleine Kanzleien zahlen zwischen 38.000 und 50.000 Euro, ansonsten winken Selbstständigkeit oder freier Markt - zum Beispiel Jobs in Hochschulen, Medienunternehmen und Versicherungen. In mittelständischen Unternehmen bewegen sich die Einstiegsgehälter zwischen 48.000 und 60.000 Euro im Jahr. Eine Studie des Karrierenetzwerks e-fellows von 2015 stellte fest, dass immer mehr Juristen auf Zeit gesucht werden. Spezialisierung kommt gut an - zum Beispiel auf die Fachbereiche Steuer- und Immobilienrecht.

Besonderheiten: Für die Vorbereitung des ersten Staatsexamens sollten Studenten lieber etwas auf die hohe Kante legen: Das ein Jahr lang dauernde Repetitorium ist in der Regel privat und kostet pro Monat um die 200 Euro. Und entgegen einem verbreiteten Gerücht braucht man für Jura kein Latinum.

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