Juristen-Wettbewerb Zwischen Brauerei und Juridicum

Zum neunten Mal treffen sich nun schon Studenten zu einem internationalen Jura-Wettbewerb in Wien: dem "International Commercial Arbitration Moot". Bei der simulierten Gerichtsverhandlung geht es aber nicht nur um Preise und Paragrafen, sondern auch um Spaß.

Von Tobias Reckling


Justitia: Im Namen der Gerechtigkeit - wenn auch nur zur Übung
[M] AP; SPIEGEL ONLINE

Justitia: Im Namen der Gerechtigkeit - wenn auch nur zur Übung

Auswahlverfahren, monatelange Vorbereitungen, etliche Trainingsrunden - die Universitäten und ihre Jurastudenten nehmen den "Willem C. Vis International Commercial Arbitration Moot" in Wien ziemlich ernst. Zu Recht, denn immerhin ist der Wiener "Moot" die weltweit größte simulierte Gerichtsverhandlung zum internationalen Kaufrecht. Am Donnerstag werden unter Hunderten von Juristen die Sieger gekürt.

108 Teams aus 36 Ländern treten auf dem diesjährigen "Willem C. Vis Arbitration Moot" gegeneinander an - ein neuer Rekord. So viele Rechtshochschulen und Universitäten haben bislang noch nie an dem zum neunten Mal stattfindenden Moot in Wien teilgenommen. Deutschland ist mit elf Mannschaften das am zweitstärksten repräsentierte Land - gefolgt von Australien mit sieben und Frankreich mit sechs Teams. Absoluter Spitzereiter und konkurrenzlos überrepräsentiert sind jedoch die USA mit ihren 26 Mannschaften.

Die Konkurrenz ist also groß in den Verhandlungsräumen der juristischen Fakultät der Uni Wien, dem Juridicum. Viele "Moot"-Frischlinge wie die fünf Jungjuristinnen von der Rostocker Uni macht das schon ein wenig nervös. Vor allem die erfahrenen Mannschaften der amerikanischen und australischen Universitäten flößen Respekt ein. Denn im englischsprachigen Raum gehören simulierte Gerichtsverfahren schon seit langem zum praxisnahen Jurastudium. Ob nun im Umwelt- oder Handelsrecht - fast jede Abteilung hat ihren "Moot".

Doch der Wettstreit zwischen den Mannschaften soll in Wien auch nach Ansicht der Veranstalter nicht das Wichtigste sein. Die Studenten aus allen Ecken der Welt - von Indien bis Argentinien - sollen beim "Moot" auch langlebige Kontakte untereinander knüpfen. In der allabendlichen "Moot"-Realität soll sich diese Kontaktaufnahme vor allem in Besäufnissen in der "Ottakringer Brauerei" äußern. Und in dieser Beziehung müssen die Deutschen bekanntlich keinen Vergleich scheuen.

Zagreb und Freiburg waren besser als Harvard

Uno-Gebäude in New York: Das Uno-Kaufrechtsübereinkommen ist die Grundlage der "Moot"-Fälle
AP

Uno-Gebäude in New York: Das Uno-Kaufrechtsübereinkommen ist die Grundlage der "Moot"-Fälle

Aber auch beim juristischen Wettkampf sind die US-Amerikaner nicht unschlagbar. Denn gerade bei der Preisvergabe für die besten Schriftsätze mussten sie sich schon des öfteren mit unteren Rängen zufrieden geben. Im vergangenen Jahr etwa haben die Unis Freiburg und Zagreb beide Preise für die besten Memoranden gewonnen und damit ihre Konkurrenten von Elite-Universitäten wie Harvard alt aussehen lassen.

Diesen schriftlichen Teil haben die seit dem 22. März in Wien verhandelnden Studenten aber schon seit Wochen hinter sich. Bereits im September mussten sie die Klageschrift zu einem vorgegebenen Fall in 25facher Ausfertigung an Veranstalter, Schiedsrichter und Gegenseite verschicken. Mitte Februar war dann eine entsprechende Verteidigungsschrift fällig - selbstverständlich wie alles andere auch in bestem Juristenenglisch.

Die Teilnehmer sollen dadurch lernen, beide Verhandlungspositionen vertreten zu können - sowohl schriftlich als auch, wie momentan in Wien, mündlich. Denn für die Handhabung komplizierter Fälle des Uno-Kaufrechts und der Internationalen Handelsgerichtsbarkeit reicht das büffeln im juristischen Elfenbeinturm nicht aus. Praxiserfahrung ist ebenso wichtig. Und deshalb bemühen sich die Initiatoren des Wiener "Moots", die juristische Fakultät der Pace University in New York, den zukünftigen Rechtsanwälten möglichst realistische Fälle vorzulegen.

Im zweiten Teil:



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