Vorwurf des sexuellen Missbrauchs US-Uni entschädigt Studentinnen mit 215 Millionen Dollar

Ein Gynäkologe, der fast 30 Jahre lang an einer Privatuni in Kalifornien arbeitete, soll Hunderte Frauen sexuell belästigt haben. Nun zahlt die Hochschule eine Entschädigung an Studentinnen.

University of Southern California
UIG via Getty Images

University of Southern California


Die University of Southern California ist eine angesehene private Hochschule in Los Angeles, die ihren rund 47.000 Studierenden auch einen Gesundheitsdienst anbietet. Dort arbeitete von 1988 bis 2016 ein Gynäkologe, der Hunderte Frauen sexuell belästigt haben soll.

Rund 500 ehemalige und derzeitige Studentinnen hätten bei verschiedenen Gerichten Klage gegen George Tyndall eingereicht, berichtet die Nachrichtenagentur AP. Sie werfen dem Gynäkologen vor, unangemessene Fotos und anzügliche Sprüche gemacht, sie zum Ausziehen gedrängt und unter dem Vorwand der medizinischen Behandlung begrapscht zu haben.

Auch die Rolle der University of Southern California (USC) wird die Gerichte in den kommenden Monaten beschäftigen. Im August war Hochschulpräsident C. L. Max Nikias zurückgetreten. Er stand in der Kritik, weil die Universität jahrelang Beschwerden über Tyndall ignoriert haben soll.

Nun hat die Hochschule angekündigt, Studentinnen mit insgesamt 215 Millionen US-Dollar zu entschädigen. In einer Sammelklage habe man eine entsprechende Einigung erzielt, teilte die Universität am Freitag auf ihrer Homepage mit. Damit kommt es in diesem Fall nicht mehr zu einem Verfahren.

"Ich bedauere, dass sich Studierende wegen der Taten eines Angestellten der Universität in irgendeiner Weise unwohl, bedroht oder misshandelt gefühlt haben", schreibt Übergangspräsidentin Wanda Austin.

Die Entschädigung solle der Hochschulgemeinschaft auf dem Weg zur Versöhnung helfen, heißt es in der Stellungnahme. Jede frühere Patientin des Arztes soll pauschal 2500 US-Dollar bekommen. Wer dazu bereit sei, Details über seine negativen Erfahrungen mit Tyndall preiszugeben, könne mit bis zu 250.000 Dollar entschädigt werden. Die Einigung muss noch von einem Gericht genehmigt werden.

Tyndall weist die Anschuldigen zurück. Er ist bisher nicht verurteilt worden. AP zitierte drei Anwälte der Opfer, die ihren Mandantinnen abraten, die Entschädigung der Hochschule anzunehmen. "Für das, was einige Opfer erlebt haben, ist das eine ärgerliche Summe, die nicht angemessen entschädigen könnte", sagte Juristin Gloria Allred.

Der Rechtsanwalt John Manly monierte, dass die Hochschule mit der Einigung noch höhere Zahlungen habe abwenden wollen - und dass ihre Rolle in dem Skandal unter den Tisch fallen könnte. "Wir wissen immer noch nicht, seit wann die USC davon wusste, wie oft sie gewarnt wurde, welche Mitglieder der Verwaltung involviert waren und ob es strafbares Verhalten gab", sagte Manly.

Eine Anwältin der Hochschule sagte, der Frage nach strafbarem Verhalten werde - unabhängig von der aktuellen Einigung, in der es um die Bedürfnisse der Opfer gehe - weiter nachgegangen.

lov/AP/Reuters

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