Kapital gesucht Die erste Uni will an die Börse

In Rostock können Kapitalanleger erstmals in Deutschland in eine private Universität investieren. "Think Big" heißt das Motto der Hanseuniversität: Insgesamt fünf Millionen Euro wollen die Gründer von privaten Investoren einsammeln und schon in wenigen Jahren mit der Studentenzahl einige staatliche Unis überholen.


1999 verblüffte der SPD-Bildungsexperte Peter Glotz mit einer verwegenen Idee: Zwei oder drei deutsche Top-Universitäten sollten nach dem Vorbild von Telekom oder Post privatisiert werden und einen Börsengang wagen, schlug Glotz vor, der zunächst Rektor der Universität Erfurt war und dann an die Universität St. Gallen in der Schweiz wechselte. So könnten "einige unserer Hochschulen wieder an die Spitze unter die 15 besten Unis der Welt vorstoßen", sagte er. Und hatte auch zwei leistungsstarke Hochschulen konkret im Auge, die TU München und die RWTH Aachen. "Nur große Dampfer kommen dafür in Frage", so Glotz. Mit Bildung, gab er sich zuversichtlich, könne man durchaus Geld verdienen.

Homepage der Hanseuni: Große Träume

Homepage der Hanseuni: Große Träume

Aus dem Plan wurde nichts. Doch vier Jahre später träumt jetzt eine neue Privathochschule von der Börse: Im kommenden Jahr will die Hanseuniversität in Rostock den Lehrbetrieb aufnehmen und ein mehrsprachiges Managerstudium anbieten. Dafür sucht sie Aktionäre - insgesamt fünf Millionen Euro Kapital sollen zusammenkommen.

Ab Anfang Dezember will die Hanseuniversität mit einer "Roadshow" durch acht Städte für ihr Vorhaben werben. Erste Station ist Hamburg, wie das Hamburger Finanzunternehmen K1F Knowledge One Fonds mitteilte. Die stimmrechtlosen Vorzugsaktien bieten den Angaben zufolge nicht nur attraktive Perspektiven für Dividenden und Wertsteigerungen, sondern öffnen den Kindern der Aktionäre "bei Eignung" auch die Tür in die Hörsäle der neuen Hochschule. Das Grundkapital soll 20 Millionen Euro betragen. Bereits für das erste Jahr sieht der Business-Plan Überschüsse vor; ab 2006 werden deutlich zweistellige Umsatz- und Eigenkapitalrenditen angepeilt.

Die Pläne sind angesichts der Sorgen und Nöte anderer Privathochschulen, die in mehreren Bundesländern um ihre Existenz ringen, mindestens ehrgeizig. Aber genau da sieht die Hanseuniversität eine Lücke: Andere Privatunis könnten bisher nur mit Spendengeldern überleben, während "US-Universitäten ihren Aktionären saftige Dividenden ausschütten", heißt es auf der Website.

"Es hat vor uns noch keine Uni versucht"

Und auch die Antwort auf die Frage, warum die Hochschule glaube, "als allererste deutsche Privat-Uni Gewinne erzielen zu können", fällt entwaffnend einfach aus: "Es hat vor uns noch gar keine Uni versucht. Bislang wurden lediglich Non-Profit-Einrichtungen nach dem Vorbild staatlicher Unis gegründet. Zudem beschränkten sich Privat-Unis in ihrer Studentenzahl selbst, wodurch ein Break-Even aus eigenem operativem Geschäft heraus sowieso nicht erreicht werden konnte."

"Think Big", lautet das Motto der Uni-Gründer. Beginnen soll der Rostocker Lehrbetrieb im Oktober 2004 mit zunächst 130 Studenten, das Fächerangebot dann ausgebaut werden und die Zahl der Studenten binnen zehn Jahren auf 5000 steigen - damit wäre die Hochschule größer als alle andere privaten Hochschulen und auch als einige staatliche Universitäten.

Auf dem Feld der Bildungsfinanzierung in Deutschland habe das Projekt Pilotcharakter, betonte die Hamburger Finanzberatung. Der Erfolg der großen Bildungs-Aktiengesellschaften in den USA gebe durchaus Anlass zu "Börsenträumen".

Ob daraus tatsächlich etwa wird, steht noch in den Sternen. Politik und Wirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern sehen das Projekt offenbar als Hoffnungsträger. Aufsichtsratsvorsitzender ist der Rostocker Wirtschaftssenator Dieter Schnörken (CDU), sein Stellvertreter Peter Kauffhold (SPD), ehemaliger Bildungsminister des Bundeslandes. Die beiden Gründer Peter L. Pedersen und Knut Einfeldt kommen von der Unternehmensberatung Tutor-Consult in Neumünster. Sie gewannen einen StartUp-Wettbewerb der Landesregierung.



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