Kiffen mit Zertifikat Kalifornische Cannabis-Uni startet Seminare

Den Studenten der "Oaksterdam University" winkt ein Marihuana-Diplom. Sie lernen, das Bäumchen zu pflegen und zu düngen - und richtiges Verhalten bei Razzien. Denn die Drogenbekämpfer lassen sich von den Argumenten der kalifornischen Hochschule nicht einnebeln.


Es hört sich an wie der alberne Einfall überdrehter Jugendlicher im Haschisch-Nebel, doch die Initiatoren meinen es ernst: In der Nähe der alten Hippie-Metropole San Francisco an der US-Westküste hat die erste Marihuana-Universität den Lehr- und Rauchbetrieb aufgenommen. Erfolgreichen Absolventen winkt neben perfekter Kunstfertigkeit in der Zucht, Ernte und Verarbeitung des berauschenden Cannabiskrauts ein Studienabschluss mit Marihuana-Diplom.

High an der Hochschule: In wenigen Tagen zum Kiffer-Diplom
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High an der Hochschule: In wenigen Tagen zum Kiffer-Diplom

In Kalifornien lassen die Freunde besonders würziger Rauchware gern mal den Joint kreisen, etwa in großer geselliger Runde am 20. April, dem inoffiziellen Kiffer-Feiertag. Bald können sie das mit Zertifikat tun: Schon 500 Studierende haben sich an dem privaten Institut in Oakland eingeschrieben, das sich in Anlehnung an das europäische Drogen-Kapitale Amsterdam "Oaksterdam University" nennt.

Den Stiftern der Hochschule geht es nicht vornehmlich um Benebelung der Sinne, Bewusstseinserweiterung oder einfach nur die süße Lust am Rausch. Sie verweisen vielmehr auf den medizinischen Nutzen von Cannabisprodukten, die in Kalifornien seit 1996 legal als Arzneimittel etwa gegen Schmerzen oder Depressionen eingesetzt werden dürfen.

Unterricht in Knospenpflege und Drogenrecht

Genau deshalb hat sich die Internet-Designerin Christie zum Studium entschlossen. "Ich fühle mich viel fröhlicher und kann endlich wieder schlafen", sagte die 56-Jährige nach einem Uniseminar. Jahrelang habe sie erfolglos harte Medikamente gegen ihre Depressionen genommen, erzählt Christie - bis ihr Sohn sie mit einem Joint auf den Geschmack gebracht habe.

Doch bevor der Knaster glimmend knistert, qualmen an der Drogen-Uni erst einmal die Köpfe. Christie büffelt hier mit einer bunten Schar von Studenten - Biker mit Pferdeschwanz, Hausfrauen, junge Leute - in Fächern wie Gartenbau, Knospenpflege, Erntetechniken und Drogenrecht.

Christie verspricht sich vor allem Aufschluss über die schwierige Rechtslage. Das Landesrecht von Kalifornien lässt medizinisches Marihuana zu, es darf auch verkauft werden. Laut Bundesrecht der USA ist es aber verboten, die Antidrogenpolizei DEA droht Verkäufern mit Strafen. Bei Rollenspielen wird in Wochenendseminaren deshalb auch das richtige Verhalten im Fall einer Polizeirazzia eingeübt.

Polizei hat Cannabis-Uni im Auge

Uni-Kanzlerin Danielle Schumacher hofft, dass ihre Hochschule bei den Behörden einen Sinneswandel bewirkt. "Die Regierung gibt enorme Summen für Drogenverfolgung und die Inhaftierung von Menschen aus", kritisiert sie. Ihr Gegenvorschlag: mehr Marihuana verkaufen und die Steuern an den Staatssäckel abführen. "Unsere Studenten sollen ihre Diplome nutzen, um Lobby-Arbeit auf verschiedenen Ebenen der Regierung zu betreiben", sagt sie.

Homepage der Kiffer-Uni: Die Studenten sollen Lobby-Arbeit betreiben

Homepage der Kiffer-Uni: Die Studenten sollen Lobby-Arbeit betreiben

Derzeit lassen nur zwölf der 50 US-Bundesstaaten Marihuana als Medizin zu. Schumacher will diese Zahl steigern. Mit dem Diplomstudiengang, der freilich nur wenige Tage dauert, sollen fachkundige Verkäufer für die Vergabestellen ausgebildet werden.

Von den Argumenten aus Oaksterdam haben sich die staatlichen Drogenbekämpfer der DEA bislang noch nicht einnebeln lassen. DEA-Agent Michael Chapman aus San Francisco wirft der Hochschule vor, die Gefahren von Drogen zu verharmlosen und der Kriminalität den Weg zu bereiten. "Das verstärkt ganz einfach die bequeme Vorstellung in der Öffentlichkeit, dass Marihuana wirksam und sicher sei, was es aber nicht ist", sagt Chapman. Seine Behörde wolle die Vergabestellen in Kalifornien weiter scharf im Auge behalten.

cht/AFP



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