Zuwachs Knapp 50.000 Studenten haben kein Abitur

Wer studieren will, braucht das Abi - es sei denn, er hat Berufserfahrung. Viele Menschen kommen auf alternativen Wegen an die Unis, immer öfter auch in Teilzeit.

Studierende im Hörsaal
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Studierende im Hörsaal


An Deutschlands Hochschulen studieren immer mehr Menschen ohne Abitur. Während es 1997 nur 8500 Studenten ohne allgemeine Hochschul- oder Fachhochschulreife gab, waren es 2014 bereits 49.800.

In diesem Zeitraum hat sich die Zahl also nahezu versechsfacht, während die Gesamtzahl der Studierenden nur um 50 Prozent gestiegen ist. Das geht aus einer Studie des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) hervor, das großenteils von der Bertelsmann Stiftung finanziert wird.

Voraussetzung für die Bewerbung um einen Studienplatz ohne Hochschul- oder Fachhochschulreife ist zumindest eine abgeschlossene Berufsausbildung sowie der Nachweis entsprechender Berufserfahrung. Interessierten stehen bundesweit knapp 7000 Studienangebote offen.

Im Jahr 2014 stieg auch die Zahl der Studienanfänger ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung auf einen Höchstwert von 14.000. Damit stieg der Anteil an allen Studienanfängern um 0,2 Prozentpunkte auf 2,8 Prozent.

Vor allem Fachhochschulen sind attraktiv

Die Hälfte der Erstsemester ohne Abitur entschied sich laut CHE für einen Studienplatz im Bereich Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Danach folgten die Sprach- und Kulturwissenschaften sowie die Ingenieurwissenschaften mit 14 und 13 Prozent.

Vor allem Fachhochschulen öffneten sich laut der Untersuchung für beruflich Qualifizierte. Mit einem Anteil von rund vier Prozent Studienanfängern ohne allgemeine Hochschul- oder Fachhochschulreife seien sie deutlich stärker nachgefragt als die Universitäten mit einem Anteil von knapp zwei Prozent, erklärte CHE-Expertin Sigrun Nickel.

Neben Menschen ohne Abi drängen nach CHE-Daten "Teilzeit-Studenten" in die Hörsäle. Doch wer - etwa aus familiären Gründen oder beruflichen Verpflichtungen - eine Alternative zum Vollzeitstudium sucht, hat nur begrenzte Auswahl: Aktuell können bundesweit 10,6 Prozent aller Studiengänge in Teilzeit studiert werden. Die rund 170.000 Teilzeitstudierenden zieht es vor allem an private Hochschulen.

Die Angebote unterscheiden sich laut CHE-Analyse erheblich: Den höchsten Anteil an Teilzeitstudiengängen im Wintersemester 2015/16 gibt es im Saarland mit 64 Prozent. Dahinter liegen Hamburg mit 42,6 Prozent und Brandenburg, wo jeder dritte Studiengang in Teilzeit studiert werden kann. Neun Länder haben eine Quote unter 10 Prozent.

Die Hochschule, die bundesweit die meisten Studienanfänger ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung hat, ist die Fernuniversität Hagen. Fernstudiengänge seien für diese Zielgruppe "besonders attraktiv", erklärte Nickel.

mamk/afp/dpa



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