Kopier-Minister Zweite Guttenberg-Arbeit unter Verdacht

Den Doktortitel ist er los, aber die Plagiatejäger lassen nicht locker: Auch in einem 2004 veröffentlichten Aufsatz zur Beziehung zwischen der Türkei und der EU soll Karl-Theodor zu Guttenberg Fremdpassagen übernommen haben, ohne die Urheber zu nennen. Sein Büro wiegelt ab.

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Guttenberg unter Druck: Hat er auch in einer zweiten Veröffentlichung geschummelt?
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Guttenberg unter Druck: Hat er auch in einer zweiten Veröffentlichung geschummelt?


Guttenberg, die Zweite: Internetaktivisten, die auf der Plattform GuttenPlag in den vergangenen Tagen schon die Doktorarbeit des Verteidigungsministers seziert und zahlreiche Ungereimtheiten aufgedeckt hatten, nehmen sich jetzt eine zweite Veröffentlichung vor. 2004 hatte der damalige Bundestagsabgeordnete Guttenberg für die CSU-nahe Hanns-Seidel-Stiftung eine schmale 29-Seiten-Analyse zu den "Beziehungen zwischen der Türkei und der EU" verfasst. Die Veröffentlichung ist in einer Reihe mit politischen Analysen der Stiftung erschienen und steht unter der Signatur 00/ML 9384 G985 auch in der Universitätsbibliothek Bayreuth.

Auch in diesem Bändchen finden sich Passagen, die mit minimalen Änderungen aus anderen Quellen übernommen wurden, etwa mehrere Absätze aus einem Strategiepapier der Europäischen Kommission. Guttenberg benutzt hier immer wieder eingestreute Anführungszeichen und kurze Zitate von Textfragmenten. So entsteht der Eindruck, er fasse in seinem Text eine längere Argumentation der Kommission zusammen, in Wahrheit jedoch hat er nur die Verben in den Konjunktiv umgewandelt, ansonsten aber nahezu wortgleich abgeschrieben.

Neben der EU-Kommission nutzt Guttenberg dabei auch Ideen aus einem Diskussionspapier dreier Unionsbundestagsabgeordneter als Quelle - wiederum, ohne wörtliche Übernahmen zu kennzeichnen.

Frappierende Ähnlichkeit

So heißt es bei Guttenberg etwa auf Seite 14 zu politischen und administrativen Veränderungen in der Türkei:

  • "Um die Umsetzung der Reformen zu intensivieren, müssten alle beteiligten Einrichtungen und Personen 'den Geist der Reformen akzeptieren'. Die Verantwortung für die Durchsetzung der reformierten Gesetze in Zusammenhang mit den Grundfreiheiten und der Bestimmungen über Wiederaufnahmeverfahren, für die Einhaltung der Urteile des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte und für die Maßnahmen zur Bekämpfung der Folter liege im Wesentlichen bei den Richtern und Staatsanwälten."

Beim Blick ins Strategiepapier der EU-Kommission "Die Erweiterung fortsetzen" vom 5.11.2003 wird klar, dass es sich hier um die Vorlage handelt:

  • "Um die Umsetzung der Reformen zu intensivieren, müssen alle beteiligten Einrichtungen und Personen den Geist der Reformen akzeptieren. Die Verantwortung für die Durchsetzung der reformierten Gesetze in Zusammenhang mit den Grundfreiheiten und der Bestimmungen über Wiederaufnahmeverfahren, für die Einhaltung der Urteile des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte und für die Maßnahmen zur Bekämpfung der Folter liegt im Wesentlichen bei den Richtern und Staatsanwälten."

Weitere Passagen in der Broschüre wurden nach dem selben Muster übernommen. Ein GuttenPlag-Rechercheur berichtet von einer Übereinstimmungsquote von 47 Prozent zwischen der Hanns-Seidel-Studie und anderen Quellen im Internet. Und eine 19-seitige Analyse mit dem Software-Tool "PlagScan", die SPIEGEL ONLINE vorliegt, zählt 416 plagiatsverdächtige Fundstellen in Guttenbergs Aufsatz auf - darunter allerdings auch etliche, bei denen sich die Übereinstimmung nur auf kurze Halbsätze und Formulierungen bezieht.

Keine wissenschaftliche Arbeit

Auch handelt es sich bei der Türkei-Analyse nicht um eine wissenschaftliche Arbeit, sondern "um einen redaktionellen Text", heißt es in Guttenbergs Abgeordnetenbüro auf Nachfrage. In einer Stellungnahme gegenüber SPIEGEL ONLINE erklärte ein Sprecher: "Bei redaktionellen Texten werden Fußnoten lediglich dann gesetzt, wenn es redaktionelle Zusätze oder ähnliches gibt. So ist es hier geschehen." Im Übrigen seien alle Quellen im angehängten Literaturverzeichnis angegeben.

Außerdem, so die Erklärung weiter, könne es sich nicht um ein Plagiat handeln, denn bei den auffälligen Textstellen gehe es "um Fundstellen aus frei verfügbaren Texten der Europäischen Kommission bzw. des Rates. Es sind vorwiegend Zwischenberichte oder Mitteilungen der Europäischen Kommission bzw. Beschlüsse des Rates. Es ist davon auszugehen, dass diese als amtliche Werke (...) nicht dem Urheberschutz unterliegen. Von einem Plagiat kann daher auch aus diesem Grund keine Rede sein."

Juristisch vielleicht nicht - ein Geschmäckle hat der Vorgang dennoch.

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insgesamt 452 Beiträge
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Seite 1
susi_sonicht, 25.02.2011
1. Kommen Sie sich eigentlich nicht selber
langsam albern vor? Einen Artikel mit einer Doktorarbeit zu vergleichen. Wollen Sie allen Ernstes behaupten dass diejenigen die Artikel schreiben auf keine frei verfügbaren Infos im Web und in den Büchern zurückgreifen. Leute - allmählich langt es!
drumsmalta 25.02.2011
2. Ach Leute...
Zitat von sysopDen Doktortitel ist er los, aber die Plagiatejäger lassen nicht locker: Auch in einem 2004 veröffentlichten Aufsatz zur Beziehung zwischen der Türkei und der EU soll Karl-Theodor zu Guttenberg Fremdpassagen übernommen*haben, ohne die Urheber zu nennen. Sein Büro wiegelt ab. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,747423,00.html
... gibt es einen Rabatt fuer Wiederholungstaeter?
PeteLustig, 25.02.2011
3. Unsinn hoch drei.
Jeder Außenminister greift in Reden zur Außenpolitischen Lage auf Erkenntnisse und Zutragungen der eigenen und befreundeten Geheimdienste zurück - ohne diese Quellen zu offenbaren. Ich sehe es schon kommen: Künftige Depeschen und Pressekonferenzen werden relativ kurz gehalten, denn die im Nachgang öffentlich präsentierten Quellen- und Fußnoten werden durch die Politiker und Beamte intensiver und ausführlicher beleuchtet werden, um ja nicht als Nutzer unberechtigter Quellen diffamiert zu werden...
rhalpha 25.02.2011
4. DATA hatte auch eine seltsame Frisur
Zitat von sysopDen Doktortitel ist er los, aber die Plagiatejäger lassen nicht locker: Auch in einem 2004 veröffentlichten Aufsatz zur Beziehung zwischen der Türkei und der EU soll Karl-Theodor zu Guttenberg Fremdpassagen übernommen*haben, ohne die Urheber zu nennen. Sein Büro wiegelt ab. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,747423,00.html
Langsam fragt man sich ob KTzG nicht die Beta-Version eines Androiden ist. Hat er jemals eigenständige Gedanken zu Papier gebracht? Oder ist das nur ein Kopiergerät in menschlicher Gestalt?
Baikal 25.02.2011
5. So langsam..
Zitat von sysopDen Doktortitel ist er los, aber die Plagiatejäger lassen nicht locker: Auch in einem 2004 veröffentlichten Aufsatz zur Beziehung zwischen der Türkei und der EU soll Karl-Theodor zu Guttenberg Fremdpassagen übernommen*haben, ohne die Urheber zu nennen. Sein Büro wiegelt ab. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,747423,00.html
.. kann dem zG ja nur noch Dank abgestatte werden: so deutlich wie er hat bisher keiner die Hohlköpfigkeit der "politischen Klasse" entlarvt. Selbst die Angabe seines BW-Dienstgrades soll ja auch gefälscht sein. zG, bitte Minister bleiben, nichts fördert den Zusammenbruch dieses Systems besser als das.
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