Krasse Uni-Panne 113 Klausuren als Altpapier verbrannt

An der Uni Hohenheim sind die Klausuren von 113 BWL-Studenten verschwunden - und wohl nur noch Asche: Eine Putzfrau räumte sie weg, der Karton wurde verbrannt, die Studenten müssen erneut antreten. Ihr völlig zerknirschter Dozent verspricht Freibier für alle.


Für 113 Studenten der Betriebswirtschaft an der Universität Hohenheim kam am Dienstag die bittere Gewissheit per E-Mail: "Leider müssen wir Sie heute von einem extrem unglücklichen Vorfall in Kenntnis setzen", begann ihr Dozent Christian Klein, 36, seine Nachricht. Extrem unglücklich sind nun die Studenten - denn was folgte, war ein Schock für sie.

Ende Juli stand die Klausur "Technik des Rechnungswesens" an. Sie ist gefürchtet, denn es geht nicht nur um trockene Materie, sondern auch um den Stoff von gleich zwei Semestern. Klein und ein Kollege steckten die insgesamt 800 Klausuren später in Kartons, zwölf Stück für zwölf Prüfungsräume, und verschlossen sie in einem Raum. Mehr als 11.000 Seiten kamen zusammen.

Ein Karton stand dann "vermutlich zu nahe am Papierkorb", schreibt er jetzt in seiner Mail. Das Reinigungspersonal hielt den Karton wohl für Altpapier. Und das wurde am nächsten Tag abgeholt. Klein fragte beim Abfallwirtschaftsamt nach: Das Altpapier wurde verbrannt.

Einen Diebstahl der Klausuren schließt der Dozent aus, die Klausuren hätten sich stets in dem Raum befunden, "der entweder beaufsichtigt oder verschlossen war". Klein betont auch, das Reinigungspersonal treffe "keine Schuld", es habe nur die Pflichten erfüllt.

"Ich spendiere hundert Liter Freibier"

"Der Lernaufwand für diese Klausur ist so hoch wie bei keiner anderen in diesem Semester", sagt einer der betroffenen Studenten. Klein sei ein beliebter Dozent, "menschlich ein Supertyp". "Aber es ist mir jetzt egal, ob er nett ist, das hilft mir nicht mehr", zürnt der 21-Jährige.

Schon vor knapp zwei Wochen begann es unter den gut vernetzten Hohenheimer BWL-Studenten zu rumoren. Im StudiVZ öffneten sie ein Forum und fragten in die Runde: "Hat irgendjemand schon Ergebnisse?" Immer mehr misstrauische Notenlose meldeten sich, bis einer bei Klein nachfragte.

Der dachte zunächst noch, "dass bei Eingabe der Noten ein Stapel übersehen wurde", wie der glaubwürdig zerknirschte Uni-Mitarbeiter SPIEGEL ONLINE sagte. Nun hat er die bittere Gewissheit: Die Klausuren wurden nicht übersehen, sondern verbrannt - "offenbar kam eine ganze Reihe wirklich unglücklicher Zufälle zusammen".

Die 113 Studenten werden die Klausur erneut schreiben müssen, Klein kann ihnen das nicht ersparen, will es ihnen aber so angenehm wie möglich machen: Er wird spezielle Tutorien anbieten - und noch mehr. "Ich spendiere meinen Studenten hundert Liter Freibier", verspricht er.

Die vom Klausurenschwund kalt erwischten Studenten hat Klein für Donnerstagmittag zu einem Treffen eingeladen, "um eine persönliche Entschuldigung von uns zu ermöglichen. Hier besteht auch die Möglichkeit, Ihre Verärgerung zum Ausdruck zu bringen." Sollte jemand keine Lust oder Zeit für den Termin haben, "ist dies nicht zu Ihrem Nachteil", versichert er.

Im November wird das anders sein - dann wird nachgeschrieben.

bim/dpa

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