Kreditkrise erreicht Studenten KfW-Studienkredit wird deutlich teurer

Die Bankenkrise erwischt die Studenten: 43.000 haben sich bislang Geld von der KfW-Förderbank geliehen. Jetzt zieht das Geldinstitut erneut seine Zinsen an - auf sieben Prozent. Der Schuldenberg der Studenten wächst sprunghaft an. Sie blechen auch für die Fehler der bundeseigenen Kreditanstalt.

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So richtig versteht die Kredit- und Bankenkrise ja kaum einer. 43.000 Studenten in Deutschland geht es da anders. Sie lernen gerade aus erster Hand, was es bedeutet, wenn eine Bank etwas falsch macht und dafür dann ihre Kunden bluten lässt - und das nicht in einem Seminar über Finanzwirtschaft, sondern am Stand der eigenen Schuldenuhr.

Studenten als Kreditnehmer starten mit Schulden ins Berufsleben
DDP

Studenten als Kreditnehmer starten mit Schulden ins Berufsleben

Zur Einführung der Studiengebühren vor gut zwei Jahren starteten deutsche Banken mit auf Studenten zugeschnittenen Krediten. Auch die bundeseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) legte einen solchen Kredit auf. Zinssatz damals: studentenfreundliche 5,2 Prozent. Für diesen relativ günstigen Zins gab es viel Lob und Erfolge in Finanztests - nur die Studenten wollten nicht so recht mitziehen. Nur jeder 85. wandte sich im ersten Jahr an die KfW, die auch heute unverdrossen mit dem Slogan wirbt: "Sie studieren, wir finanzieren".

Bis zu 9,2 Prozent Zinsen sind möglich

Die Krux am vermeintlichen Sorglospaket der KfW: Der Zinssatz des Studienkredits ist variabel, das heißt die Bank kann ihn erhöhen und zwar auf bis zu 9,2 Prozent. Eine Steigerung ist jeweils zum April und zum Oktober möglich - und von der machten die Banker rege Gebrauch. Schon ein Jahr nach der Einführung des Kredits lag der Satz bei 6,29 Prozent. In diesem Sommer warb der Chefvolkswirt der KfW Norbert Irsch erneut für das Angebot: "Mit dem KfW-Studienkredit gibt es keine Grund mehr, ein Studium aus finanziellen Gründen nicht aufzunehmen." Da lag der Zins schon bei 6,4 Prozent.

Jetzt, zwei Monate später, stieg der Zins zum 9. Oktober wieder an. Aktueller Stand: glatte sieben Prozent. Ähnlich erging es in dieser Woche auch schon den Häuslebauern, die bei der KfW einen Kredit für ihr Eigenheim genommen und keinen festen Zins vereinbart hatten. Weil für Hypotheken die KfW-Zinsen stärker stiegen, als im Marktdurchschnitt, vermuten Experten einen Zusammenhang mit der skandalösen Überweisung von 350 Millionen Euro an die US-Investmentbank Lehman-Brothers durch die KfW Mitte September. Die Förderbank hatte dem bereits insolventen US-Investmenthaus diese große Summe überwiesen und war damit in Schieflage geraten. Will sich die bundeseigene Bank nun auch auf Kosten der verschuldeten Studenten gesundstoßen?

Zum Start vor gut zwei Jahren freute sich Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) noch über die "Offenheit für neue Wege der Studienfinanzierung" der ersten 6000 Kreditnehmer. Sie waren den Lockungen der KfW gefolgt, die in ihren damaligen Modellrechnungen mit Zinssätzen zwischen 5 und 5,5 Prozent gerechnet hatte. Die Aufgeschlossenheit fürs Schuldenmachen hat drastische finanzielle Folgen. Ein niedriger Zinssatz zu Beginn des Darlehens wirkt sich viel weniger stark aus, als ein hoher zu dessen Ende. Dann ist die Gesamtschuld nämlich besonders groß und verringert sich nur langsam, während Monat für Monat weiter Zinsen auflaufen.

Berufsstart mit 27.000 Euro Miesen

Im Durchschnitt liehen sich die Studenten von der KfW bislang 477 Euro im Monat. Für viele ist ein Kredit der einzige Weg, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten und gleichzeitig bis zu 500 Euro Studiengebühren pro Semester zu berappen. Wer beispielsweise für sein Bachelor-Studium einen Kredit über drei Jahre will, leiht sich damit gut 17.000 Euro von der KfW. Schon bislang war der zurückzuzahlende Betrag beträchtlich. Beginnt der Absolvent, optimistisch gerechnet, ein Jahr nach dem Studium und tilgt dann zehn Jahre lang, zahlte er bislang etwas mehr als 26.000 Euro zurück. Daraus werden bei gleicher Berechnung unter dem neuen Zinssatz von sieben Prozent jetzt 27.000 Euro.

Deutlich billiger kommen da die Leistungen nach dem Bundesausbildungsfördergesetz (Bafög) - wenn man dazu berechtigt ist. Bei der staatlichen Studentenstütze ist die Hälfte des Geldes geschenkt, die andere ein zinsloses Darlehen, das nach dem Studium an den Staat zurückgezahlt werden muss. Zwar wurden beim Bafög die Freibeträge der Eltern zu diesem Jahr erhöht, auch die höchstmögliche Fördersumme stieg auf 643 Euro pro Monat - doch wenn beide Eltern ein Einkommen haben, ist es noch immer schwer, überhaupt Bafög zu bekommen. Der Antrag ist außerdem mit bürokratischen Aufwand und monatelangen Wartezeiten verbunden und die teils mickrige Förderung endet nach der Regelstudienzeit.

Ob die aktuelle Steigerung des Zinssatzes für den KfW-Studienkredit das Ende der Erhöhungen war, ist nicht sicher. Der garantierte Höchstzinssatz liegt fest bei 9,2 Prozent. Da ist für die KfW also theoretisch noch Luft nach oben. Wenn die Studenten in diesen Tagen von der KfW erfahren, dass der Zinssatz gestiegen ist, haben sie mal wieder was gelernt: Nämlich was Kredite in Krisenzeiten und die Werbung von Banken im Allgemeinen wert sind.

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