Gewinnerin der SPON-Kunstaktion Jäger, die mit Flinten auf sich schießen

Sie malt boxende Hasen und in Milch schwimmende Füchse: Wiebke Herrmann, 27, hat die SPIEGEL-ONLINE-Abstimmung zur besten Nachwuchskünstlerin gewonnen. Was treibt sie an, woher kommen ihre Ideen - und was hat sie noch gemalt?

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Wiebke Herrmanns Gemälde "Kimme und Korn": "Bloß kein Bürojob"
Wiebke Herrmann

Wiebke Herrmanns Gemälde "Kimme und Korn": "Bloß kein Bürojob"


Hunderte Kunststudenten haben SPIEGEL ONLINE Bilder ihrer Arbeiten geschickt und die Leser darüber abstimmen lassen. Die Dresdnerin Wiebke Herrmann weckte dabei das meiste Interesse.

Wiebke Herrmann malt Hasen, die miteinander boxen, Menschen, die sich gegenseitig bedrohen - und rote Füchse. Doch an welchen Werken arbeitet sie noch? Hier eine Auswahl ihrer Werke.

"Gebüsch", 2015, Öl auf Leinwand, 150 x 110 cm

Wiebke Herrmann studiert im zehnten Semester Malerei in Dresden. Die 27-Jährige hatte sich am Kunststudentenwettbewerb von SPIEGEL ONLINE beteiligt und von allen Künstlern am meisten Interesse geweckt

"Kimme und Korn", 2014, Öl auf Leinwand, 110 x 150 cm

"Noch während ich 'Kimme und Korn' malte, habe ich mich gefragt, was wohl hinter der Mauer passieren könnte", sagt Herrmann. Dann kam sie auf die Idee, Hasen auf die Leinwand zu setzen (nächstes Bild). Für ihre Motive müssen mitunter Familienangehörige und Freunde Modell stehlen. Herrmanns Vater posierte zum Beispiel als Vorlage für die Jäger. Er trug dabei eine alte Spielzeugwaffe und einen Cowboyhut – diese Utensilien verwandelte die Künstlerin auf der Leinwand zu Flinte und Jagdhut.

"Off the Wall", 2014, Öl auf Leinwand, 110 x 130

Dieses Gemälde hatte Herrmann eingeschickt – und von den Lesern die meisten Stimmen erhalten. "Off the Wall" ist die Weiterentwicklung des Gemäldes "Kimme und Korn", (vorheriges Bild) auf dem zu sehen ist, wie sich zwei Jäger gegenseitig mit Waffen bedrohen. Hier zeigt sie, was auf der anderen Seite der Mauer vor sich gehen könnte.

"Howl", 2015, Öl auf Leinwand, 90 x 115 cm

"Bevor ich ein neues Bild beginne, steht das Motiv in meinem Kopf bereits fest", sagt Herrmann. Manchmal braucht sie drei Tage für ein Gemälde, manchmal sitzt sie auch einen Monat lang an einem Bild.

"Flower Stranger", 2014, Öl auf Leinwand, 70 x 50 cm

Wie lang Herrmann für ein Gemälde braucht, hängt von mehreren Faktoren ab, zum Beispiel von der Größe des Bildes und davon, ob sie Objekte, wie zum Beispiel, das Fell eines Tieres oder den Faltenwurf eines Stoffes, schon einmal gemalt hat – oder ob sie diese zum ersten Mal auf die Leinwand setzt. "Neue Bildinhalte sind immer eine Herausforderung und fordern völlige Konzentration", sagt sie. Wenn sie sich konzentrieren muss, dann macht Herrmann alle Fenster und Türen zu und die Musik aus.

"Pfeil und Bogen", 2015, Öl auf Leinwand, 115 x 140 cm

Herrmann sagt, viele Maler würden gleichzeitig an mehreren Werken arbeiten – sie hingegen male immer nur an einem Bild. "Ich muss eine Idee erst vollständig zu Ende bringen, bevor ich mich der nächsten widmen kann." Jeden Tag versucht sie gegen neun oder zehn Uhr morgens im Atelier zu sein, um bis zum späten Nachmittag zu malen. Sie habe zwar einen relativ geregelten Tagesablauf, aber einen normalen Bürojob könne sie sich nicht vorstellen.

"Europa", 2015, Öl auf Leinwand, 165 x 125 cm

Ein Reiter sitzt anscheinend unbeirrt auf einem Pferd, das fällt. Wiebke Herrmann lässt offen, welchen Bezug das Gemälde zum Titel hat.

"Milchfuchs", 2012, Öl auf Leinwand, 90 x 60 cm

Herrmann sagt, bislang habe in ihrer Künstlerlaufbahn alles ganz gut geklappt. Sie hatte eigene Ausstellungen und hat schon einige Bilder verkauft – an Privatpersonen oder Sammler, denen ihre Werke gefielen, und "die den Mut hatten, in junge Kunst zu investieren".

"Tell me", 2013, Öl auf Leinwand, 110 x 80 cm

Das Gemälde erinnert an die Geschichte des Schweizer Sagenhelden Wilhelm Tell. Der Betrachter soll schlussfolgern, was es zu bedeuten hat und warum ein roter Fuchsschwanz im Bild erscheint.

"Ausschau", 2015, Öl auf Leinwand, 55 x 45 cm

Herrmann will nächstes Jahr ihr Diplom machen und anschließend als Meisterschülerin weiterstudieren. "Das bietet mir einen sanften Übergang in das Berufsleben." Als Meisterschülerin wird sie dann weiterhin eng mit ihrem Professor zusammenarbeiten und ist noch als Studentin versichert, hat allerdings keinen Anspruch mehr auf ein Hochschulatelier.

"Kapitulation", 2014, Öl auf Leinwand, 105 x 130 cm

Wie viel Geld sie bislang mit ihren Werken einnimmt, will Herrmann nicht in den Medien lesen, aber sie hat den Wunsch, in Zukunft von ihrer Kunst leben können, ohne sich Sorgen um ihre Existenz machen zu müssen. "Ich hoffe auch, dass ich eine Galerie finde, die mich vertritt und dass ich eine gewisse Relevanz auf dem Kunstmarkt haben werde", sagt Herrmann.

Zur Person
  • Vivien Schlecht
    Wiebke Herrmann wurde 1987 in Dresden geboren. Dort studiert sie an der Hochschule für Bildende Künste bei Professor Christian Macketanz.
Lesen und sehen Sie hier den ersten Teil der SPIEGEL-ONLINE-Nachwuchskünstler, Thema: Malerei und Zeichnungen.

Lesen und sehen Sie hier den zweiten Teil der SPIEGEL-ONLINE-Nachwuchskünstler, Thema: Installation und Design

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 23 Beiträge
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Seite 1
derandereblick 09.10.2015
1. Sie schießen nicht auf sich ...,
sondern auf einander.
achsoja 09.10.2015
2. Kurt Cobain ...
... hat auf sich geschossen. Die beiden Herren, die auf dem Bild zu sehen sind, schießen auf einander. Oder drohen zumindest damit. Und zwar einander, nicht sich.
io_gbg 09.10.2015
3.
Zitat von derandereblicksondern auf einander.
Ist richtig, aber in der Umgangssprache ist "einander" wohl schon auf dem Weg hinaus Schon Otto hat vor ca. dreißig Jahren umgangssprachlich formuliert, in etwa so: "Sollen Mönche heiraten dürfen? Warum nicht, wenn sie sich lieben." Mit "einander" wäre der schöne Doppelsinn perdu.
goggo64 09.10.2015
4. Das Bild erinnert ...
... Mich irgendwie an den Spruch "Lernen Sie schießen und treffen Sie Freunde", mit dem ein (fiktiver) Schützenverein um Mitglieder warb.
kdf 09.10.2015
5. sind alle Jäger
eigentlich Linkshänder ?
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