Bilder, Skulpturen, Fotos Welcher Nachwuchskünstler fasziniert Sie? Stimmen Sie ab!

Sie malen Bilder, besprühen Rasenflächen und modellieren Skulpturen: Dutzende Kunststudenten haben dem SPIEGEL ihre Werke gezeigt. Hier sind sie.

Kunst von Jonas Leichsenring
Jonas Leichsenring

Kunst von Jonas Leichsenring

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Simon Freund hat 100 Menschen gefragt, ob sie mit ihm ihr Outfit tauschen. Tobias Frank hat sich vorgestellt, einen neuen Planeten zu besiedeln und Tamara Reich ist in ihren Träumen über den Ozean gefahren und hat ein Bild davon gemalt.

Freund, Frank und Reich sowie Dutzende andere Kunststudenten haben dem SPIEGEL Einblick in ihr Schaffen gewährt und Fotografien ihrer Werke eingereicht. Eine Auswahl besonders beeindruckender und origineller Arbeiten sehen Sie hier.

Stimmen Sie unter den Kunstwerken ab (zehn ist die höchste Punktzahl), wie diese Ihnen gefallen haben. Der Künstler, der das beste Abstimmungsergebnis hat, wird von uns interviewt. Die Abstimmung läuft bis 19. September, 9 Uhr.

"Calendar Girl"
Tammy Langhinrichs

"Calendar Girl"

Überdimensionales Kalenderblatt: Tammy Langhinrichs, 22, lernte im niederländischen Textilmuseum Tilburg das Tuften - eine Technik, mit der man Teppiche herstellen kann. Damit schuf sie in zwei Monaten ihren Wandteppich "Calendar Girl". Langhinrichs studiert im 6. Semester an der Hochschule für bildende Künste Hamburg mit dem Schwerpunkt Bildhauerei.

Einblicke, Ausblicke, Durchbrüche: Jessica Grundler, 22, malt in satten Farben Tiere und Pflanzen, die den Raum erobern. "Shape Shifting" und "Different Perspective" nennt die Studentin ihre Werke. Sie studiert im 8. Semester an der Akademie der Bildenden Künste in München.

Alles neu: Unter dem Thema "Reisen" hat Tobias Frank, 24, Menschen illustriert, die einen neuen Planeten besiedeln. Der Student zeigt den Alltag dieser kleinen Gruppe. "Colonization" heißen seine Arbeiten. Frank studiert im 8. Semester Grafikdesign an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg.

"Heimatleuchten"
Timo Hoheisel

"Heimatleuchten"

Licht im Dunkeln: In einer klaren Nacht bei Neumond und tief hängenden Wolken hat Timo Hoheisel, Jahrgang 1980, seine Heimatstadt fotografiert. Mit seiner Arbeit "Heimatleuchten" zeigt er die Lichtemission der Stadt am Himmel. Er studiert im 10. Semester freie Kunst an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig.

Aufschrei: Lillien Grupe, 21 porträtiert Menschen gern in dunklen Tönen, auch sich selbst. Ihre Gemälde, denen sie keine Titel gibt, sind in diesem und im vergangenen Jahr entstanden. Sie studiert im zweiten Semester freie Kunst an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig.

"Auszug aus Recherchen zum NSU-Komplex"
David Luis Grimm

"Auszug aus Recherchen zum NSU-Komplex"

Thema NSU: An der Ecke Siemensstraße und Gyulaer Straße in Nürnberg wurde vor 17 Jahren Abdurrahim Özüdogru ermordet. Er war das zweite Opfer des NSU. An der Hauswand ist eine schlichte Gedenktafel unter einem auffälligen Parkhinweis angebracht. Um die Ecke hängt ein Straßenschild mit altdeutscher Typografie. David Luis Grimm, 28, hat dieses Foto aufgenommen. Es ist sein Versuch, auf die Fehler des Staats aufmerksam zu machen. Er studiert freie Kunst an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg.

"Dundee"
Tamara Reich

"Dundee"

Bevor Tamara Reich, 21, ins Auslandssemester nach Dundee aufbrach, träumte sie davon, in einem Boot, das an einen Heißluftballon angebunden ist, über den Ozean zu reisen. In Schottland angekommen, malte sie 123 Stunden an ihrem Gemälde, bis es fertig war. Reich studiert im achten Semester freie Kunst an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig.

Aus den Fugen: Hsin-Yi Chou musste zwangsläufig zu Hause malen, weil ihre Uni wegen Umbauarbeiten geschlossen war. Dort entdeckte sie ihren Balkon als Inspirationsquelle und malte diesen mit allerlei Grünzeug, Steinen und Blumentöpfen. Chou, geboren 1967 in Taiwan, studiert seit einem Jahr bildende Kunst an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart.

Im Schatten der Zweige: Xenia Fumbarev, Jahrgang 1986, fotografiert Schatten auf Fassaden und überträgt sie per Siebdruck auf Betonplatten. Auf diese Weise wird ein Material, das aus der Architektur und Bildhauerei bekannt ist, zum Träger fotografischer Abbildungen. Fumbarev lebt und arbeitet in München. Im Winter 2019 wird sie das freie Kunststudium an der Akademie der Bildenden Künste abschließen.

23 Stockwerke, 550 Wohnungen: Das Arabella-Haus in München diente der Textildesignerin Lisa Scheiber als Inspiration für Stoffmuster. Mithilfe eines speziellen Verfahrens konnte sie die Pixel eines Fotos der Fassade in ein Webmuster übersetzen. Erweitert haben das Kunstprojekt die Fotografiestudenten René Graf, Annagenia Jakob und Fiona Körner, die Bewohner und Zimmer des Arabella-Hauses fotografierten. Die Künstler studieren an der Kunsthochschule Kassel.

Kommendes Jahr feiert das Bauhaus sein 100-jähriges Bestehen. Lisa-Maria Schmidt, 23, hat sich mit dem Jubiläum der Kunstschule auseinandergesetzt. Dabei sind diese drei Skulpturen entstanden. Schmidt wollte die Ideen des Bauhauses ins Heute übersetzen und experimentierte mit den Grundformen Kreis, Linie und Rechteck und den Materialien Glas, Metall und Stein. Sie studiert im 4. Semester Produktdesign und Kunstwissenschaft an der Kunsthochschule Kassel.

"Pas Seul I"
Paul Diestel

"Pas Seul I"

"Pas Seul II"
Paul Diestel

"Pas Seul II"

Ahornsamen werden durch den Wind verbreitet und drehen sich im Flug um die eigene Achse. Paul Diestel, 22, regte dies zu seinem Objekt "Pas Seul" an - "Einzeltanz". Vorbild für seine Werke ist die Natur. "In der Schale eines Sonnenblumenkerns, im Puppenstadium des Ligusterschwärmers, im Mutterkorn finde ich einen Ausschnitt aus einem Entwicklungsprozess", sagt Diestel. Diestel studiert im achten Semester bildende Kunst an der Kunsthochschule Kassel.

Grünkunst: Auf einer Rasenfläche vor der Kunsthochschule hat Jonas Leichsenring, Jahrgang 1997, diese Wörter mit Kreidespray aufgesprüht. Seine Arbeit heißt "Schattenmann". Leichsenring sagt: "Schattenmänner sind ständig in unserer Umgebung. Im Sport ist es der Platzwart, der sich um den Rasen kümmert und ihn bewässert. Mit Kreidespray teilt er das Spielfeld in verschiedene Zonen ein. Ohne diesen Aufwand könnte ein Fußballspiel nicht offiziell stattfinden." Der Student will den Schattenmännern mit seinem Werk mehr Aufmerksamkeit geben. Er studiert im 6. Semester Visuelle Kommunikation an der Kunsthochschule Kassel.

Surrealer Alltag: Tamy Alessandra Plank, 28, hat diese Bilder während ihres Erasmusjahres in Kopenhagen gemalt. Inspiriert wurde sie von ihrem Alltag, Träumen, und dem Surrealismus. Die Aquarelle hat sie auf Leinwand gemalt und dann auf Papier aufgenäht. Plank studiert im achten Semester freie Kunst an der Akademie der Bildenden Künste München.

Kleiderkreisel: Mal trägt Simon Freund, 28, eine Strumpfhose, ein Kleid, eine viel zu kurze Leggings. Mal trägt er eine Brille, einen Hut mit Blume, ein Halstuch, Baggypants. Insgesamt sind es 100 verschiedene Outfits, die er sich von irgendwelchen Leuten ausgeliehen hat - nur für ein Foto. Die anderen tragen im Gegenzug die Kleidung von Simon Freund: eine schwarze Mütze, einen schwarzen Pullover, ein weißes T-Shirt, eine schwarze Hose, weiße Strümpfe und schwarze Schlappen. "Selbstportrait" hat Freund sein Projekt genannt. Freund studiert im zweiten Semester freie Kunst an der Akademie der Bildenden Künste München.

Mitarbeit: Maren Jensen



insgesamt 28 Beiträge
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dasfred 15.09.2018
1. SPON zum Mitmachen
Mir gefällt die Auswahl der Objekte. Eine breite Palette an verschiedenen Stilrichtungen, Technik und gedanklichen Ansätzen. Nebenbei ist es interessant, anhand der Farbflächen, zu sehen wie weit ich mit der Mehrheit der abgegebenen Einschätzung übereinstimme. Gerne mal öfters was über bildende Kunst.
eisenkante 15.09.2018
2. Über Kunst abstimmen?
Kunst ist etwas, das mich anspricht. Mit mir spricht, ein Gefühl auslöst. Das muss nicht immer positiv sein. Ein Kunstwerk kann mir auch sagen: "Geh weg". Sollte der Künstler mir etwas konkretes sagen wollen, so könnte er es auch gleich aufschreiben. Es gibt weder gute noch schlechte Kunst. Es gibt Unterschiede in der Qualität oder der Fähigkeit der Ausführung. Sollte die Intention eines Kunstwerks nicht rüber kommen oder missverstanden werden, so ist dies ein Problem des Künstlers, nicht des Werkes. Wenn ein Werk keine Gefühle auslösen kann, dann ist es keine schlecht Kunst, sondern überhaupt keine.
Knossos 15.09.2018
3.
Mich hat sich zum Ergebnis 4, 6, 3, 4, 8, 3, 7, 5, 1, 0, 0, 1, 0, 0, 0. Wenn dies der Personalausweis-Nr. einer Person entspricht, ist diese dann ein Künstler? Jemand wurde einmal als Design-Studentin angenommen, weil sie Kopien meiner Zeichnungen (von Entwürfen zu Lampen / Inneneinrichtung) einreichte, die sie mit Fettstift überkrickelt hatte. Ich hoffe, daß sie heute keine Kannen entwirft, mit denen sich die Leut´ den Schoß verbrennen. Andererseits gab es jemand, der göttlich zu Zeichnen vermochte. (Obwohl er mit seiner Methode der Anfertigung gegen alle Regeln der Kunst verstieß. -Immer von einem Detail ausbreitend. Dennoch proportional und dimensional exakt.) Ich hoffe, es gereicht ihm bei der verhunzten Kreativlandschaft und Förderung des Linkischen heute wenigstens zur Butter auf dem Brot, falls er nicht in der trendigen Verkennung von Talent irgendwo als Sachbearbeiter geendet ist. Wenn 8 der 15 vorgestellten Schöpfer gut genug waren, um an Kunstakademien akzeptiert zu werden, bleibt es unergründlich, warum Schimpansen und Elefanten von der Zunft ausgeschlossen bleiben. Die haben auch Ideen.
weg-ki 15.09.2018
4. Wer gewinnt ?
SPON als Plattform einer LESER-Abstimmung zu KunstArbeiten, sagt mehr über das Medium SPON und den dahinter denkenden Personen aus, als über die hier gezeigte bedauernswerten „k u n s t i g e n“ (sieht aus wie Kunst) Arbeiten. Wer die Abstimmung „gewinnt“ hat dann „gewonnen“ ? Der Leser-Durchschnitts-Geschmack, also Kunst als GeschmascksEinheit, wird hier verhandelt. Vox Popoli als neue Maßeinheit im LotterieAbstimmungsverfahren. Der Volksgeschmack kann bisweilen etwas heikel sein- man erinnert sich ungern an entartete Zeiten. Statt einer Abstimmung wäre die Auseinandersetzung von Nöten, dass die gezeigten Arbeiten so aussehen wie es eben in den jährlicher Schauen von Kunstakademien so ausschaut: „Kunstiges“ wird geboten, deren geistige Höhen in Auseinandersetzung mit sich selber, der umgebenden Umwelt, usw. eher karg und fürtig daher kommt. Man begnügt sich mit „besonderen“ Techniken, die eingesetzt werden in der Herstellung und bleibt im Ungefähren oder Oberflächlichen. Polkes oder Meeses, radikales, kompromissloses oder gar eine neue Kunsttheorie a la Sozialeplastik oder eine echte KunstVISION die das Sehen und denken neu Kalibrieren vermag: fehlt in diesen `was verkauft sich eventuell gut“-Markt orientierten Zeiten.
manskyEsel 15.09.2018
5. ...schwer zu sagen...
Irgendjemand sagte mal, Kunst käme von Können. Käme sie von Wollen, hieße sie Wunst. Immer, wenn ich lese, der Künstler habe dieses oder jenes ausdrücken wollen, fällt mir diese Definition ein. Bin halt ein Banause und möchte nicht vorgekaut bekommen, wie ein Kunstwerk zu verstehen sei. Vielleicht will ich gar nichts verstehen, sondern nur einfach anschaun und mir mein Teil denken.
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