Kunstverleih für Studentenbuden in Harvard Wohnen mit Picasso

Ein Bett, ein Schrank, ein Schreibtisch - und ein Warhol: Harvard-Studenten können ihre Wohnheimzimmer mit wertvollen Kunstwerken schmücken. Für 50 Dollar im Jahr.

Studentischer Arbeitsplatz: wertvolle Dekoration neben dem Computer

Studentischer Arbeitsplatz: wertvolle Dekoration neben dem Computer


Harvard ist eine Universität mit bester Ausstattung. Die Wohnheime sind allerdings weniger luxuriös: Ein Bett, ein Schrank, ein Schreibtisch - auf den ersten Blick unterscheiden sich die Zimmer kaum von denen, die Studenten in Heidelberg oder Leipzig bewohnen.

Erst bei genauerem Hinsehen erblickt man neben Filmplakaten und Fotos vom letzten Strandurlaub Werke von Pablo Picasso, Andy Warhol, Henri Matisse oder Joan Miró - limitierte Originaldrucke, manche signiert.

Dass die Studenten ihre Bude mit solch wertvollen Werken schmücken können, verdanken sie dem "Student Print Rental Program" des Harvard Art Museum: Wer in einem universitätseigenen Wohnheim lebt, darf sich für nur 50 Dollar ein Bild ausleihen. Zum Beispiel einen der nur 150 existierenden Drucke von Picassos "Ziegenschädel auf dem Tisch" oder einen von 75 Warhol-Prints "Eric Andersen (Chelsea Girls)". Nach einem Jahr müssen die Studenten das Bild an das Museum zurückgeben.

Das Angebot kommt gut an. Im Herbst standen 275 Werke zur Auswahl, fast 200 davon hängen derzeit in Studentenzimmern. "Gerade die bekannten Namen sind begehrt, auch Drucke französischer Künstler aus dem 19. Jahrhundert wie Honoré Daumier und Eugène Delacroix sind beliebt", sagt Jennifer Aubin vom Harvard Art Museum. Über den genauen Wert eines Drucks schweigt sie lieber. Er dürfte aber bei mehreren Tausend, teilweise sogar bei Zehntausenden Euro liegen.

Entstanden ist die Idee für das Verleihprogramm im Jahr 1972, als ein anonymer Spender dem Museum Geld für den Ankauf von Kunst bereitstellte - unter der Bedingung, dass Studierende die erworbenen Werke ausleihen dürfen.

Siddhartha Jena

Siddhartha Jena

Der Mathematikstudent Siddhartha Jena hat sein Zimmer mit dem ältesten Druck geschmückt, den das Museum verleiht. Er zeigt den Berg Fuji in Japan, gemalt hat ihn ein unbekannter Künstler. Siddhartha hat das Bild einfach auf seine Kommode gestellt, denn in dem Wohnheim, in dem er lebt, dürfen keine Nägel in die Wände geschlagen werden. "Ich liebe Kunst und wollte ein Bild in meinem Zimmer haben, das ich anschauen kann, wenn ich Inspiration brauche", sagt der 21-Jährige.

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insgesamt 4 Beiträge
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SpitzensteuersatzZahler 02.02.2016
1.
Naja Lithographien selbst bekanntester Künstler kosten oft nur einige hundert oder um die 1000 Euro - selbst bei 1000 Euro sind 50 Euro eine Verzinsung von 5% und damit eigentlich ein gutes Geschäft in der derzeitigen Niedrigzinsumgebung. Man könnte das ja schon fast finanzieren oder leasen, wenn das Banken mitmachen würden.
Skeptiker99 02.02.2016
2. Schöne Idee
Aber was passiert, wenn das Bild gestohlen oder beschädigt wird. Ich hoffe bei den 50$ ist eine gute Versicherung dabei. Im Übrigen: Wenn die Uni schon so etwas anbietet, könnte sie auch mal eine Ausnahmegenemigung zum Einschlagen eines Nagels in die universitätseigene Wohnheimwand erteilen.
0forearth 02.02.2016
3.
Ich mag die Idee. Das Witzige daran ist allerdings das Verbot, Nägel in die Wand zu schlagen. Möchte nicht wissen, wie oft die Picassos dann von der Kommode herunter fallen. Das Bild auf dem Tisch sieht eher wacklig aus. Wahrscheinlich hat der großzügige Spender der Kunst gar nicht darüber nachgedacht, dass es solche Einschränkungen geben könnte. Gut, zu meiner Zeit gab es das auch, aber es hat sich niemand daran gehalten.
schamsudin 04.02.2016
4.
das bild, das Siddharta Jena ausgeliehen hat, stammt nicht von einem unbekannten künstler sondern von Hiroshige höchstpersönlich. es stammt aus der serie "53 stationen auf der Tokaidostraße". es zeigt die 14. station "Hara" in der edition Gyocho, ca. 1842. also nix mit 50 euro.
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