Ländervergleich Die Ost-Unis haben die Nase vorn

Bei einem ersten Ländervergleich meldet das Centrum für Hochschulentwicklung blühende Uni-Landschaften in den neuen Ländern. Auch Bayern und Baden-Württemberg können punkten, dagegen müssen das Saarland und Hamburg zum Schämen in die Ecke.

Von


Vorlesung in Leipzig: Viel Lob von den Studenten
DPA

Vorlesung in Leipzig: Viel Lob von den Studenten

Kurze Studienzeiten, gute Betreuung, zufriedene Studenten: Die neuen Bundesländer können nach dem ersten Hochschul-Ländervergleich frohlocken. Auf den ersten Platz kam Thüringen vor Mecklenburg-Vorpommern und Bayern. Auch Sachsen und Baden-Württemberg landeten in der Spitzengruppe. Niedersachsen und Hessen sind schon deutlich abgeschlagen, die Schlusslichter bilden aber das Saarland und Hamburg.

Der Ländervergleich basiert auf einem Hochschulranking des Gütersloher Centrums für Hochschulentwicklung (CHE), das gemeinsam von der Bertelsmann-Stiftung und von der Hochschulrektorenkonferenz getragen wird. Mit einem Leistungstest wie Pisa, den die Rektoren kürzlich auch für die Hochschulen gefordert hatten, hat das nichts zu tun. Doch inzwischen liefern die CHE-Ranglisten für die 25 größten Fächer durchaus solide Informationen über die Leistungen der Hochschulen - nicht unumstritten, aber ein Anhaltspunkt für Abiturienten bei der Studien- und Hochschulwahl.

Das Länder-Ranking
CHE

Das Länder-Ranking

Drei von vier deutschen Studenten sind für diese Fächer eingeschrieben; nach ihren Erfahrungen und Ansichten wurden bundesweit 3400 Professoren und 30.000 Studierende befragt. Das Ranking garnieren zudem harte Fakten wie Studienzeiten, Absolventenquote, Zahl der Publikationen oder Höhe der Drittmittel.

Vorsprung der Ost-Unis gefährdet

Bei der Sonderauswertung für den Ländervergleich zählten vier Kriterien: Wie zufrieden sind die Studenten? Wie lange dauert das Studium? Welches Ansehen genießt ein Fachbereich bei Professoren anderer Hochschulen? Und wie steht es um die Forschungsleistungen, etwa um die Publikationen und Promotionen? "Wir haben die Daten der einzelnen Fakultäten in einen neuen Topf geworfen und einen völlig neuen, länderumfassenden Blick darauf gerichtet", erklärte die CHE-Wissenschaftlerin Sonja Bischoff.

Der Fisch stinkt vom Kopfe her, meinen die Studenten und fordern: "Butter bei die Fische" Garage oder Wissenschaftstempel - die Zukunft der Thüringer Hochschulen ist ungewiss Mit großem Aufwand wirbt der Freistaat für seine "Denkfabriken"
Mandy ist auch schon weg Da geht noch was: Die Studenten hoffen, dass sie den Bildungspolitikern ein Lichtlein aufstecken können Thüringer Buchstabensuppe: Auf die Zukunft bestens vorbereitet


Imagekampagne der Thüringer Regierung: Muntere Werbung für die Denkfabriken, doch die Studenten warnen vor dem Kahlschlag - klicken Sie auf ein Bild, um zur Großansicht zu gelangen.

Vor allem das zügige Studium und das Lob der Studenten katapultierten die neuen Länder weit nach vorn - außer Brandenburg und Sachsen-Anhalt, die das Mittelfeld schmücken. Sachsens Unis brillierten etwa in den Ingenieurwissenschaften.

Wie lange die Ost-Unis ihren Vorsprung halten können, scheint indes ungewiss: Überall pirschen bereits die Finanzminister mit der Axt durchs Unterholz, um Stellen an den Hochschulen zu kappen. In Sachsen und in Thüringen etwa protestieren Studenten seit Monaten gegen den drohenden "Kahlschlag".

Recht ausgeglichen und stark in allen vier Bereichen präsentierten sich derweil die Südstaatler in Bayern und Baden-Württemberg, vor allem in den Wirtschafts-, Rechts- und Sozialwissenschaften. Die Universitäten in München und Mannheim trugen maßgeblich dazu bei.

Bremen sammelt Spitzennoten in der Forschung

Ganz anders das Bild in Bremen: Der Stadtstaat, beim innerdeutschen Pisa-Schulvergleich deutlich abgeschlagen, schaffte insgesamt mit seinen Hochschulen den siebten Platz. Bei den Forschungsleistungen steht die Universität Bremen sogar an der Spitze.

Thüringer Studenten warnen: Bitte keine Professoren halbieren

Thüringer Studenten warnen: Bitte keine Professoren halbieren

Ihr Image dagegen ist lädiert, wie die schlechten Bewertungen durch Professoren anderer Unis zeigen. Offenbar ist das eine Spätfolge der siebziger Jahre, als Bremen der Ruf einer "roten Uni" ereilte - viele hanseatische Wissenschaftler hassen nichts mehr als dieses ewige Stigma, das bisweilen Absolventen noch heute den Berufseinstieg erschwert.

Keinerlei Meriten verdienten sich das Saarland und Hamburg, die Verlierer des Ländervergleichs. Bildungspolitiker und Hochschulvertreter reagierten nicht besonders zerknirscht, sondern nutzten die Gelegenheit für die übliche Mischung aus Relativierung, Vorwürfen und Forderungen.

Schlusslicht Hamburg: Die üblichen Scharmützel

"Eine riesige Universität wie die Uni Hamburg hat natürlich bei der Beurteilung der persönlichen Betreuung größere Probleme als eine Kleinstadtuniversität", sagte Sabine Neumann, Sprecherin der Wissenschaftsbehörde, gegenüber der "Welt" - keine präzise Antwort auf die schlechten Noten für die Forschung und den Ruf der Uni.

Unterdessen hält Uni-Präsident Jürgen Lüthje die Hochschulen für erheblich unterfinanziert und verlangte, Hamburg müsse "der Bildung endlich mehr Priorität einräumen". Und die CDU behauptet, schuld sei allein die jahrzehntelange Bildungspolitik der Sozialdemokraten. Die Hamburger Hochschulen seien aber durch ein neues Hochschulgesetz bereits bestens gewappnet für eine rosige Zukunft - business as usual in der Bildungspolitik.



© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.