Auf Lehramt studieren Alle Infos zum Studium

Wer auf Lehramt studieren kann, wie das Studium abläuft und welche Möglichkeiten es eröffnet - ein Überblick.

Die Möglichkeiten im Lehramt sind ungefähr so bunt wie die Haarfarben dieser Studenten. Ob Gymnasium, Förderschule oder Grundschule - für jeden etwas.
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Die Möglichkeiten im Lehramt sind ungefähr so bunt wie die Haarfarben dieser Studenten. Ob Gymnasium, Förderschule oder Grundschule - für jeden etwas.

Von Nina Bärschneider


Erklären und helfen, bilden und erziehen - auf Lehrer warten im Beruf eine ganze Reihe an Aufgaben. Auch die Fächermöglichkeiten sind vielfältig, genauso wie die Orte, an denen man sie unterrichtet: Zur Auswahl stehen Gymnasien, Real- und Hauptschulen, Förder- und Berufsschulen. Eins haben alle gemeinsam: Als Lehrer bleibt man am Puls der Zeit und erfährt aus erster Hand, was die Jugend bewegt. Noch Fragen?

Wo kann ich in Deutschland auf Lehramt studieren? Universitäten in allen Bundesländern bieten Lehramtsstudiengänge an. In Süddeutschland schließt man sie noch mit Staatsexamen ab, in den anderen Regionen absolvieren die Lehrämtler seit der Bologna-Reform ein Bachelor- und Masterstudium oder eine Mischung aus Master und erstem Staatsexamen. Egal ob man am Ende einen Master of Education oder das erste Staatsexamen in der Tasche hat - beide Abschlüsse werden in allen Bundesländern anerkannt. Welche Fächer man im Bachelor wählen kann, variiert jedoch von Hochschule zu Hochschule. Außer an Universitäten kann man auch auf Kunst- und Sporthochschulen sowie Pädagogischen Hochschulen (nur Baden-Württemberg) Lehramt studieren.

Was sind die Voraussetzungen für das Lehramtsstudium? In der Regel braucht man dafür das Abitur. Lediglich als Lehrer an Berufsschulen reicht in manchen Fällen eine Fachhochschulreife für das Studium. Einige Fächer unterliegen einem Numerus Clausus (NC) - wenn man sich also für zwei Fächer bewirbt, sollte man darauf achten, auch bei beiden eine Chance auf Zulassung zu haben. Naturwissenschaften an Gymnasien sind meistens an keinen NC gebunden, Deutsch hingegen schon. Auch das Lehramtsstudium für Grundschulen ist häufig zulassungsbeschränkt, weil es sehr beliebt ist. In Fächern wie Sport, Musik und Kunst entscheidet neben der Note auch eine Eignungsprüfung darüber, wer studieren darf und wer nicht. Will man Lehrer an beruflichen Schulen werden, muss man vor dem Referendariat mindestens ein Jahr Erfahrung in dem Bereich vorweisen können.

Wie ist das Studium aufgebaut? Im Bachelor wählen die Studenten in der Regel zwei Fächer, die sie später unterrichten wollen. Dazu lernen sie Grundlagen der Erziehungswissenschaft und Didaktik. Beim Lehramt für Gymnasien liegt der Schwerpunkt auf den Unterrichtsfächern, die erzieherischen Anteile spielen eher bei Förderschulen eine größere Rolle. Je nachdem, für welche Schulform man sich entscheidet, kann auch die Länge des Studiums variieren. So sitzt man für das Lehramt an Gymnasien in der Regel fünf Jahre in der Uni, für das Grundschullehramt ein Jahr weniger. Vor dem Studium oder in den ersten Semestern macht jeder Student ein einmonatiges Orientierungspraktikum in der Schule. In NRW und Bayern ist dieses Praktikum Zulassungsvoraussetzung für das Studium. Dazu ist bei den meisten Unis ein außerschulisches Berufsfeldpraktikum für mindestens einen Monat während des Studiums vorgesehen. Nach dem Master of Education oder dem Staatsexamen folgen zwei Jahre Referendariat, auch Vorbereitungsdienst genannt.

Was sind die persönlichen Anforderungen? Lehramtsstudenten sollten zuallererst gern mit Kindern und Jugendlichen arbeiten wollen. Es ist wichtig, verständliche Erklärungen zu geben, kommunikativ zu sein und Diskussionen führen zu können. Auch müssen sich angehende Lehrer häufig selbst reflektieren und dementsprechend kritikfähig sein. Beim Lernen im Studium ist Selbstständigkeit gefragt.

Welche Berufschancen habe ich? Zwar werden in den kommenden Jahren die Schülerzahlen sinken - aber da gleichzeitig viele Lehrer in Rente gehen und in einigen Schulformen erhöhter Bedarf besteht, bestehen definitiv Möglichkeiten im Lehrerberuf. Gesucht sind vor allem Lehrer für Berufliche Schulen und Förderschulen. Auch an Haupt-, Real- und Gesamtschulen bis zur zehnten Klasse haben Referendare gute Einstellungschancen, vor allem für Physik, Chemie und Musik. Bayern rechnet mit einem erhöhten Bedarf von Grundschullehrern, wenn weiterhin viele Flüchtlinge ins Schulsystem aufgenommen werden. Generell suchen Grundschulen vor allem nach männlichen Bewerbern. Für Gymnasien sehen die Aussichten weniger gut aus: Bis 2030 wird es dort laut Prognosen durchgehend mehr Bewerber als freie Stellen geben. Allerdings kommt es auf den Bereich an: Gymnasiallehrer für MINT-Fächer, Kunst und Sport bleiben gefragt. Bevor man sich für einen Studienort entscheidet, sollte man sich gut informieren, denn nicht in allen Bundesländern werden die gleichen Fächer unterrichtet - zum Beispiel gibt es das Fach Pädagogik nur in NRW. Will man danach zurück in die Heimat nach Freiburg, wird es schwierig als Pädagogiklehrer. Die Gehälter für Lehrer unterscheiden sich je nach Bundesland und Besoldungsgruppe. An Gymnasien und einigen Realschulen gehören verbeamtete Lehrer meist zur Besoldungsgruppe A13 - damit verdienen sie in ihren ersten Berufsjahren am meisten in Sachsen-Anhalt (4153 Euro brutto im Schuljahr 2014/15). Am wenigsten bekommen sie mit 3545 Euro brutto in Rheinland-Pfalz. Mit mehr Berufserfahrung ist die Bezahlung in Hamburg am höchsten (4668 Euro brutto), in Berlin am niedrigsten (4234 Euro brutto). Verbeamtete Lehrer verdienen grundsätzlich mehr als angestellte, Gymnasiallehrer und Schulleiter mehr als Grundschullehrer und Lehrer der Sekundarstufe I.

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