Leistungsschwimmer Meeuw Olympionike, Student, Eigenbrötler

Er giert nach Erfolg, im Studium und im Sport. Helge Meeuw gilt als bester Rückenschwimmer Deutschlands, trainiert für Olympia und studiert Medizin. Für Freunde und Partys bleibt keine Zeit. Deswegen fühlt er sich manchmal allein - aber das ist ihm ganz recht.

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AFP

Der Tisch, an dem sich Helge Meeuw täglich zehn Stunden über Bücher beugte, steht ganz rechts hinten im Lesesaal der medizinischen Bibliothek. Eine kleine Neonlampe spendet Licht, das Fenster ist gut 25 Meter entfernt. "Hier hatten wir unsere Ruhe", sagt Meeuw, "der Sobotta und ich."

Der Sobotta-Anatomie-Atlas ist 840 Seiten dick, das Biochemie-Buch von Löffler sogar mehr als 1200 Seiten. Schwere Kost. "Die Reaktionsabfolge des Zitratzyklus muss einfach gnadenlos rein in dein Hirn", sagt Meeuw. "Eine halbe Stunde essen, dann eine Kaffeepause und zurück an den Tisch. Die anderen verquatschen sich, aber das ist nichts für mich."

Die Vorbereitung auf das jüngst bestandene Physikum war die schwerste Zeit in Meeuws Studium. Am Ende kämpfte er sich durch Prüfungen in Biochemie, Anatomie, Physiologie, Psychologie, dazu Biologie, Chemie und Physik. Er ist stolz auf seine Note: eine Zwei. Meeuw will ein guter Student sein, er will in allem, was er anpackt, gut sein. So ist das bei Leistungssportlern. Es geht ums Gewinnen oder Verlieren, Bestehen oder Durchfallen. Meeuw will als Student nichts geschenkt haben, nur weil er eine Olympiahoffnung ist.

Seit 2006 studiert Helge Meeuw Medizin in Magdeburg. Gleichzeitig gilt der 26-Jährige als der beste Rückenschwimmer Deutschlands. Meeuw ist Europarekordler, hat eine Silbermedaille bei den Weltmeisterschaften gewonnen und will bei seinen dritten Olympischen Spielen, 2012 in London, über sich hinauswachsen.

Seine beiden Biografien, die des Studenten und die des Sportlers, passen gut zueinander. Medizinstudenten und Schwimmer sind oft auf sich gestellt, beim Lernen und Trainieren. Sie müssen sich selbst motivieren, diszipliniert leben und ehrlich zu sich sein. Es ist das Gegenteil des Mantras von der Teamarbeit, das heute die Arbeitswelt beseelt. Firmen richten Großraumbüros ein, jeder muss jederzeit kommunizieren, und kreative Elitetrupps sollen die Probleme der Zukunft lösen.

Auch Individualisten können erfolgreich sein

Individualisten gibt es immer seltener. Dabei ist es genauso möglich, einsam erfolgreich zu sein. "Ich fühle mich manchmal allein", sagt Meeuw. "Aber das tut mir gut, so bin ich imstande, mehr zu leisten." Kontrolle über das eigene Leben zu haben, das ist ihm wichtig.

Seine Mutter, zwei Onkel und sein Großvater sind Mediziner. Meeuws Vater ist Lehrer. Es war immer klar, dass er studieren wird. Was genau muss wie und wo im Körper geschehen, damit ein Mensch einen Schritt macht? Was ist ein Gedanke? Was ist Schlaf? Diese Fragen interessieren ihn. "Wir wissen viel über die Mechanismen des Körpers", erklärt Meeuw, "aber warum er so funktioniert, das ist das Spannende." Er sei ein kritischer Geist, sagt er.

Seine Bücher trägt Helge Meeuw in einem Rucksack der Nationalmannschaft, an die Seite hat er einen Schlüsselanhänger gehängt, "Ich bin Sportler" steht darauf.

Beim Mittagessen in der Mensa fragt ein Kommilitone, ob Helge am Abend mit auf ein Konzert gehen wolle, irgendeine Hardrockband. Meeuw schüttelt den Kopf. "Mensch Helge", sagt der Kommilitone, "ich möchte dich dieses Jahr mindestens einmal besoffen sehen."



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insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
Phil2302 29.08.2011
1. Hm
Natürlich eine ganz tolle Leistung. Jeder so wie er meint, aber für mich wäre das Aufgeben des sozialen Lebens für einen Sport sicherlich nichts. Ach ja: Nun ersetze man einmal das Schwimmen durch professionelles Computerspielen, und das Entsetzen wäre groß.
qwer 29.08.2011
2. .
Leistungssport & Medizinstudium in einem ist sicher eine großartige Leistung. Allerdings fehlt mir im Artikel zumindest der Hinweis, dass er bei der WM vor einem Monat hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist und teils bissige Kommentare von Fernsehreportern über seinen nicht austrainierten Körper zu hören waren. Schmälert nicht unbedingt seine Lebensleistung, da wohl insbesondere die Schwimmer aus USA/AUS schlicht Vollprofis mit maximal einem (amerikanischem) Alibistudium nebenher sind. Allerdings wird der Artikel dadurch zu einem langweiligen Jubelartikel über Herrn Meeuw. hatte mir mehr erwartet.
Newspeak, 29.08.2011
3. ...
Natürlich darf man das einen Sportler nicht fragen, aber warum muß es eigentlich immer doch ein Wettkampf mit anderen sein? Wenn der Sport alleine so befriedigend ist. Wenn er etwas ist, das einem alleine schon an seine Grenzen und darüber hinaus bringen kann. Dem man alleine seine persönlichen Erfolge abringen kann. Warum belügt man sich dann selbst und tut immer so, als ob es die große Einzelleistung ist, die im Vordergrund steht, wo man doch am Ende eben auch nur andere unterliegen sehen will. Insofern nehme ich Sportlern ihren ganzen Idealismus, den sie in solchen Interviews und Medienberichten ausstrahlen, nicht ab.
laplacetransform 29.08.2011
4. ?
Zitat von qwerLeistungssport & Medizinstudium in einem ist sicher eine großartige Leistung. Allerdings fehlt mir im Artikel zumindest der Hinweis, dass er bei der WM vor einem Monat hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist und teils bissige Kommentare von Fernsehreportern über seinen nicht austrainierten Körper zu hören waren. Schmälert nicht unbedingt seine Lebensleistung, da wohl insbesondere die Schwimmer aus USA/AUS schlicht Vollprofis mit maximal einem (amerikanischem) Alibistudium nebenher sind. Allerdings wird der Artikel dadurch zu einem langweiligen Jubelartikel über Herrn Meeuw. hatte mir mehr erwartet.
Und er ist kein Alibistudent, nein: "Selbst manche Klausuren schreibt der Schwimmer allein, wenn er zum regulären Termin auf Wettkampfreise ist. Er schickt dann seine Ausführungen per E-Mail, sein Professor hat ihm das erlaubt." Als was soll man einen denn sonst bezeichnen, der so studiert? Besser Alibistudent an einer Elite-Uni in den USA, als so ein Student irgendwo an einer Baumschule.
gkramm 29.08.2011
5. Jutta und Folkert Meeuw
Zitat von sysopEr*giert nach Erfolg,*im Studium und im Sport.*Helge Meeuw gilt als bester Rückenschwimmer Deutschlands, trainiert für Olympia und studiert Medizin. Für Freunde und Partys bleibt keine Zeit.*Deswegen fühlt er sich manchmal allein - aber das ist ihm ganz recht. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,773870,00.html
Offenbar ist dem Autor des Artikels nicht bekannt, dass Helge Meeuws Eltern, Jutta und Folkert, international bekannte Schwimmsportler waren, die bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften Medaillen gewannen.
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