Letzter Deal Todkranker Professor erhält Millionen-Buchvertrag

Mit seiner Abschiedsvorlesung hat Randy Pausch, Informatikprofessor in den USA, Internet-Nutzer weltweit gerührt. Die Krebs-Tumoren lassen dem 47-Jährigen nur noch wenige Monate. Und doch geht die Geschichte weiter - in einem Buch und einem Disney-Film.

Von , Washington


Randy Pausch hat mit Hyperion, einer Tochterfirma des Disney-Konzerns, einen Buchvertrag über seine Erfahrungen abgeschlossen. Wie US-Medien berichten, soll der Informatikprofessor von der Carrnegie Mellon University in Pittsburgh dafür ein Honorar von 6,75 Millionen Dollar erhalten. Pausch wird das Buch gemeinsam mit einem Reporter des "Wall Street Journal" verfassen. Auch ein Disney-Film soll in Arbeit sein.

Informatiker Pausch: Will ein Buch über seine Erfahrungen schreiben
AP

Informatiker Pausch: Will ein Buch über seine Erfahrungen schreiben

Pausch hatte im September für Aufsehen gesorgt, als er seine "last lecture" hielt. Viele US-Universitäten kennen diese eher heiter gemeinte Tradition: Man lässt Geistesgrößen darüber philosophieren, was sie ihren Studenten als Ratschläge hinterlassen würden, wenn das ihre letzte Vorlesung wäre. Pausch musste dieses Motto aber wörtlich nehmen - die Vorlesung war wirklich seine letzte.

Denn Pausch hat nur noch ein paar Monate zu leben. Im Herbst letzten Jahres wurde bei ihm Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert, inzwischen haben sich auch zehn bösartige Tumoren in seiner Leber eingenistet. Die Röntgenbilder der Tumoren projizierte Pausch gleich am Anfang seiner Vorlesung an die Hörsaalwand. Ob er Weihnachten noch leben werde, fragte ihn jemand. "Die Chancen stehen 50 zu 50." Und am nächsten Vatertag (in den USA der 15. Juni 2008)? "Dafür sollte man mir kein Geschenk mehr kaufen", antwortete Pausch trocken.

Der Professor hatte seine letzte Vorlesung "Really achieving your dreams" - Deine Träume wirklich wahr werden lassen - genannt. Er spricht darin über seine eigenen Träume und ihre Verwirklichung. Und er hat das so anrührend getan, dass die großen US-Fernsehsender über ihn berichteten. In Internetforen verglichen Amerikaner, die das Video der Vorlesung online sahen, Pauschs Reflexionen mit den rührendsten Versen weltberühmter Poeten wie Dylan Thomas.

"Dies ist für meine Kinder"

In seiner Vorlesung zeigte er etwa die Absageschreiben, die er auf Bewerbungen erhalten hatte - und zog daraus den Rat: "Rückschläge erinnern dich daran, was du wirklich willst." Er erinnerte sich an Streit und Frust mit Mitmenschen, der sich dann doch irgendwie auflöste. Seine Schlussfolgerung: "Sei geduldig mit anderen, irgendwann werden sie dich überraschen und beeindrucken." Als Lebensmotto empfahl Pausch: "Wenn du ein gutes Leben führst, werden deine Träume wahr werden."

Aber mehr noch als diese Erfolgsgeschichten rührte wohl die immer noch optimistische Haltung des Todkranken die Zuschauer. "Vielleicht hat es Leute angesprochen, dass ich recht altmodische Lebens-Tipps in einer nicht altmodischen Weise gegeben habe", versucht Pausch das Interesse zu erklären.

Der Informatiker war Gast in Fernsehsendungen von "Oprah" bis "Good Morning America". Sechs Millionen Menschen in aller Welt sollen die Vorlesung mittlerweile gesehen haben. Doch gedacht war sie eigentlich für ein sehr kleines Publikum: Pauschs Frau und seine drei Kinder, von denen das älteste gerade fünf Jahre alt ist.

Am Ende der Vorlesung sagte Pausch: "Dies ist für meine Kinder." Ihnen will er auch das Buch widmen.



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.