Kostenexplosion an Uni Lüneburg Libeskind-Prachtbau soll 76 Millionen Euro kosten

Kostenexplosion in der Heide: Der Libeskind-Bau an der Uni Lüneburg wird deutlich teurer als geplant. Laut Wissenschaftsministerium soll das neue Zentralgebäude 76,1 Millionen Euro kosten - und damit 18,3 Millionen mehr als vorgesehen.

  Geplanter Libeskind-Bau für Lüneburg: Teurer als geplant
Leuphana / DPA

Geplanter Libeskind-Bau für Lüneburg: Teurer als geplant


Die Hamburger haben ihre Philharmonie, die Berliner ihren Flughafen - und die Lüneburger haben ihr Uni-Zentralgebäude. Oder besser gesagt: Sie alle haben die jeweiligen Bauvorhaben. Und damit steigende Kosten.

Die Kosten für den von US-Stararchitekt Daniel Libeskind entworfenen Prachtbau der "Leuphana" genannten Universität Lüneburg wachsen weiter, und zwar nach aktuellem Stand auf 76 Millionen Euro. Dies habe die Uni dem Land Niedersachsen Ende September mitgeteilt, sagte ein Sprecher des Wissenschaftsministeriums jetzt.

Ursprünglich sollte das Gebäude 57,7 Millionen Euro kosten. Nach Angaben des Sprechers hat die Hochschule angekündigt, den Mehrbedarf selbst zu tragen. Wie sie das machen will, sei noch unklar. Am Montag beschäftigt sich der Wissenschaftsausschuss des Niedersächsischen Landtags mit dem Thema. Über die höheren Kosten berichtete auch die "Hannoversche Allgemeine Zeitung".

Schon in der Vergangenheit war die Universität wegen des umstrittenen Libeskind-Gebäudes immer wieder unter Druck geraten. So leitete die Staatsanwaltschaft Verden ein Ermittlungsverfahren gegen Holm Keller ein, den Vizepräsidenten der Leuphana-Universität. Es geht um den Vorwurf der Untreue.

Der Hintergrund: Der Libeskind-Bau ist ein Prestigeprojekt von Uni-Präsident Sascha Spoun und seinem Stellvertreter Holm Keller. Die europäische Anti-Betrugsbehörde Olaf hatte laut "Weser-Kurier" in einem Bericht schwere Vorwürfe gegen die Hochschule erhoben: Die Universität soll demnach gegen Vergaberichtlinien verstoßen haben. Der Auftrag für den Neubau soll an Libeskind vergeben worden sein, ohne ihn vorher auszuschreiben. Libeskind ist nebenberuflich an der Leuphana als Professor beschäftigt. Neben seinen Professorenbezügen hat der Stararchitekt mit der Uni einen Beratervertrag. Aus diesem ungewöhnlichen Anstellungs- und Bezahlungskonstrukt könnten sich - so die EU-Korruptionswächter - "Hinweise auf eine mögliche Vorteilsnahme im Amt oder auf Untreue ergeben".

Die Uni wies die Vorwürfe stets zurück: Nach Auffassung der Universität seien alle "wesentlichen Ausschreibungen zur Vergabe von Architekten- beziehungsweise Fachplanerleistungen ordnungsgemäß durchgeführt, dokumentiert sowie in Abstimmung und nach Beratung mit einem erfahrenen Vergaberechtler vorgenommen" worden. "Aus Sicht der Universität ist es daher ausgeschlossen, dass es zu Verstößen gegen Vergabevorschriften gekommen ist."

Ursprünglich war eine Mischfinanzierung vorgesehen: 21 Millionen Euro vom Land Niedersachsen, 10 Millionen Euro von der EU, 7 Millionen Euro von der Stadt und vom Landkreis Lüneburg, der Rest sollte vom Bund, Kirchen, Sponsoren und aus dem Uni-Etat finanziert werden. Eigentlich sollte der umstrittene Prachtbau Ostern 2014 fertig werden.

otr/dpa

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insgesamt 29 Beiträge
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Seite 1
moistvonlipwik 18.10.2013
1.
Da sage noch einer, verkorkste Bauprojekte seien ein Zeichen weltstädtischer Urbanität. Auch in der niedersächsischen Ödnis ist man dazu in der Lage.
vogelsteller 18.10.2013
2. Sehr bezeichnend für das System
Hier ist eine eindeutige Parallele zum Bischof von Limburg. Mit dem kleinen Unterschied, der Bischof wird wie eine Sau durchs Dorf getrieben und in diesem Fall, der ebenfalls auf Prunksucht und finanziellen Wahnsinn liegt, kräht kein Medien-Hahn.
adam68161 18.10.2013
3. Es schüttelt mich,
wenn ich sehe, wie selbstherrliche Rektoren Megaaufträge an spinnige Architekten vergeben, ohne Rücksicht darauf, dass assymetrische Bauformen ein Vielfaches der Standards kosten, und ohne persönliche Regressmöglichkeit. Wo sind die Gesetze, wo ist das Gericht, das diese Sorglosigkeit angemessen bestraft?
haltetdendieb 18.10.2013
4. Und das glaubt jemand? Das Ende der Fahnenstange ist noch lange nicht erreicht
Zitat von sysopLeuphana / DPA Kostenexplosion in der Heide: Der Libeskind-Bau an der Uni Lüneburg wird deutlich teurer als geplant. Laut Wissenschaftsministerium soll das neue Zentralgebäude 76,1 Millionen Euro kosten - und damit 18,3 Millionen mehr als vorgesehen. http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/leuphana-uni-hoehere-kosten-fuer-libeskind-bau-in-lueneburg-a-928671.html
Ich denke, das werden so um die 120 Millionen Euronen sein, und das ist nicht viel für einen architektonisch herausragenden Libeskind-Bau. Der ist jeden einzelnen Euro wert.
sunspirit1 18.10.2013
5. is`s ja doch ein Schnäppchen :-)
im Vergleich zu anderen aktuellen öffentliichen Bauwerken: Für was werden den eigentlich ausschreibung gemacht? Es gleicht eher einem Pokerspiel, bei dem es darum geht wer die besseren Nerven hat, um gehaltvolle Nachträge zu platzieren ...
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