Mädchen-Liebesbeichte "Wie wichtig ist euch Sex?"

Juleska Vonhagen, 23, hat drei durchzechte Nächte mit Freundinnen zum Buch gemacht: In "Herzmist" ziehen fünf Twentysomethings über Ex-Freunde, One-Night-Stands und andere intime Details her. Im Interview erklärt die Studentin, wie es zu diesem Seelenstriptease kam.


SPIEGEL ONLINE: Du hast Liebes- und Sexbeichten von fünf Mädchen veröffentlicht. Wie kommt man dazu?

Autorin Vonhagen: Fünf Mädchen, drei Nächte, viel Rotwein
Leo Bloom / The Face

Autorin Vonhagen: Fünf Mädchen, drei Nächte, viel Rotwein

Juleska Vonhagen: Ich hatte gerade einen Urlaub in meiner Heimatstadt hinter mir und mit meinen Freundinnen endlose Gespräche über Männer und Liebesdinge geführt. Ich dachte: Hat unser Gequatsche überhaupt einen Sinn? Kann ich diesem Mist irgendetwas Positives abringen? "Irgendwann schreib ich über diesen Irrsinn mal ein Buch", sagte ich zu meiner Schwester, bevor ich in den ICE nach Berlin stieg. Damit war die Idee geboren.

SPIEGEL ONLINE: Deine Freundinnen hatten kein Problem damit, von ihrem Intimleben zu erzählen?

Vonhagen: Zunächst hatte ich befürchtet, sie würden nicht viel Privates preisgeben. Denn mein Buch sollte keine Fiktion werden, sondern etwas Echtes, ich wollte Geschichten erzählen, wie sie wirklich passiert sind. Meine Freundinnen fanden das sofort klasse. Schließlich hatten wir schon tausendmal unsere Beziehungen zerredet und analysiert. Ich musste nur versprechen, ihre Namen zu verändern. Damit nicht jeder sofort weiß, welche von uns etwa seit Jahren darüber nachdenkt, ihre Beziehung zu beenden. Oder welche von uns 30-mal betrogen wurde.

SPIEGEL ONLINE: Dann habt ihr losgetratscht ...

Vonhagen: Die Kurzformel lautet: Fünf Mädchen, drei Nächte, ein Diktiergerät und viele Flaschen Rotwein. Ich hatte 33 Fragen entworfen, die wir abgearbeitet haben: Können wir mit One-Night-Stands umgehen? Wie wichtig ist uns Sex? Was passiert, wenn man zusammenzieht? Und wer ist der Eine, den wir nicht vergessen können? Die Diskussionen sind von allein explodiert, da musste ich gar nicht viel moderieren.

SPIEGEL ONLINE: Was unterscheidet denn Mädchen- von Jungsgesprächen?

Vonhagen: Ich kenne viele Männer, die sich eher kurz unterhalten und an Problemlösungen arbeiten. Sie hinterfragen sich selbst nicht so viel, wollen nicht alles so haarklein analysieren, nehmen Dinge nicht so persönlich wie Frauen. Sie erzählen sich was, machen eine Lösungsvorschlag, trinken ein Bier. Frauen hingegen verarbeiten Dinge beim Weibertratsch.

SPIEGEL ONLINE: Ist aus dem Klatsch ein Generationenporträt in Liebesdingen entstanden?

Vonhagen: Zumindest wir fünf haben einiges gemeinsam: Abitur, wir studieren fast alle, wohnen in Großstädten. Wir haben nach außen hin eine große Klappe, tief drinnen sind wir hoffnungslos romantisch. Vorübergehend denken wir recht freigeistig, langfristig aber konservativ: Wie im Hollywood-Film glauben wir alle an das alte Konstrukt der großen Liebe. Und auf dem Weg dorthin erleben wir die verschiedensten Irrungen und Wirrungen mit Männern.

SPIEGEL ONLINE: Sind Dir einige Kapitel schwerer gefallen als andere?

Vonhagen: Überwinden musste ich mich bei Kapiteln, in denen ich selbst den größten Redeanteil habe. Ich selbst bin der übelste Quatschkopf, was Mädchengespräche angeht. Ich rufe auch gern fünf Mal hintereinander wegen derselben Geschichte an. Und als dann mein Lieblingsthema drankam - "Der Mr. Big-Effekt" - stöhnten natürlich alle: Juleska, musst du schon wieder von diesem einen Exzentriker erzählen, an den du nie rankommst?

SPIEGEL ONLINE: Hat Dich da nicht das Gefühl beschlichen, zu viel Privates in das Buch zu packen?

Vonhagen: Klar. Selbst jetzt in diesem Moment denke ich daran und habe manchmal Angst vor den Reaktionen. Schließlich bin ich mit "Mr. Big" auch befreundet, und es kann gut sein, dass er Interviews mit mir liest. Mit den Gefühlen, die ich von mir preisgebe, mache ich mich natürlich angreifbar. Vielleicht ist es aber auch total süß, sich so krankhaft neumodern zu entblättern und einen öffentlichen Liebesbrief zu schreiben? Letztlich ist mir nichts in diesem Buch peinlich.

SPIEGEL ONLINE: Warum sollten Frauen Dein Buch lesen?

Vonhagen: Wegen dieses "Sex and the City"-Effekts: Frauen sitzen da und reden über Männer. Man sieht zu und merkt, dass sie genau die gleichen Macken haben wie man selbst. Es ist sehr tröstlich, zu wissen, dass andere auch mal spinnen, dass man mit Spleens und Schwächen nicht allein ist.

Das Interview führte Carola Padtberg

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