Plagiatsfall Verfahren um Doktortitel von Mathiopoulos vor Berufung

Überraschung im Plagiatsfall Margarita Mathiopoulos: Nach SPIEGEL-Informationen hat ein Gericht die Berufung der Politikberaterin zugelassen. Sie wehrt sich gegen die Aberkennung ihres Doktorgrades.

Margarita Mathiopoulos (2011): Teilerfolg vor dem Oberverwaltungsgericht
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Margarita Mathiopoulos (2011): Teilerfolg vor dem Oberverwaltungsgericht

Von Hermann Horstkotte


Das Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster hat im Rechtsstreit zwischen der Universität Bonn und der Politikberaterin Margarita Mathiopoulos überraschend die Berufung zugelassen. Damit wird der Entzug von Mathiopoulos' Doktorgrad durch die Universität vor dem nordrhein-westfälischen Oberverwaltungsgericht erneut verhandelt.Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.

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Heft 12/2015
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Zur Begründung führt das OVG "besondere Schwierigkeiten der Rechtssache" an, etwa wegen der Frage, wie eine frühere Uni-Entscheidung zu Plagiatsvorwürfen von Anfang der Neunzigerjahre zu bewerten sei.

Mathiopoulos war 1986 an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität promoviert worden. Die Dissertation erregte schon kurz nach ihrem Erscheinen Aufsehen: Der SPIEGEL verwies auf wörtliche Übernahmen, die nicht ausreichend im Text kenntlich gemacht worden waren.

1991 ergab eine stichprobenartige Untersuchung der Universität zwar gravierende handwerkliche Mängel in der Dissertation; weil man aber keinen Täuschungsvorsatz erkennen konnte, entzog die Uni den Doktorgrad damals nicht. Im Nachklang der Guttenberg-Affäre griff das Plagiatsjäger-Netzwerk VroniPlag den Fall wieder auf und erneuerte die Vorwürfe. Im April 2012 revidierte die Universität ihre Entscheidung von 1991 als "objektiv rechtswidrig" und beschloss, Mathiopoulos den Doktorgrad zu entziehen.

Das Oberverwaltungsgericht muss nun klären, ob die VroniPlag-Dokumentation einen neuen Sachverhalt gegenüber dem Bericht der amtlichen Untersuchungskommission von 1991 darstellt. Wenn ja, könnte das die zweite Überprüfung der Doktorarbeit durch die Universität rechtfertigen.

Der Bonner Jurist und Ombudsmann für die Wissenschaft der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Wolfgang Löwer, bezweifelt eine zwischenzeitlich veränderte Sachlage. Löwer hatte 1991 die Untersuchungskommission zur Mathiopoulos-Arbeit juristisch beraten und vertritt den Standpunkt, die damals gezogenen Stichproben seien repräsentativ und damit genauso aussagekräftig und verbindlich wie vermehrte Einzelnachweise heute. Ähnlich sehen das Mathiopoulos' Anwälte. Kommt das OVG zum gleichen Schluss, wäre die erneute Überprüfung und die Aberkennung rechtswidrig und Mathiopoulos dürfte den Doktorgrad behalten.

Löwers Fachkollege Klaus Ferdinand Gärditz, bis vor Kurzem Rechtsvertreter der Uni Bonn in Sachen Mathiopoulos, sagte dazu, auf einen neuen Sachverhalt komme es für die Doktor-Aberkennung gar nicht an. Es genüge eine neue, aktualisierte Bewertung des alten Sachstandes. Gärditz kritisiert die Entscheidung zu Mathiopoulos' Gunsten von 1991 scharf: Keine Täuschungsabsicht erkennen zu wollen, sei "willkürlich" und damit rechtswidrig gewesen. Die Vermutung: Womöglich habe damals nicht-wissenschaftliche Rücksichtnahme zu einem milden Urteil geführt.

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insgesamt 31 Beiträge
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julian_b 13.03.2015
1. Peinlich peinlich
wenn man sich darauf berufen muss, um seinen ermogelten Dr. zu behalten!
Ponce 13.03.2015
2.
OK. Wenn sie aber den Doktortitel behalten darf. Was ist der dann noch wert?
Hesekiel 13.03.2015
3.
Ausserhalb eines wissenschaftlichen Taetigkeitsfeldes ist ein Doktorgrad in meinen Augen haeufig blosse Effekthascherei, der keinen wie auch immer gearteten Kompetenzvorsprung erkennen laesst. Die staendigen Enthuellungen ueber den Schmu, der bei Verleihung des Doktorgrades betrieben wurde (wird?) tragen auch nicht gerade zur Ansehensrettung bei.
ein-berliner 13.03.2015
4. Klasse
so ein Gerichtsdoktortitel. Das ist unterstes Schmierentheater.
cassandros 13.03.2015
5. Dr. obs. (Doctor obsoletus), oder: weg ist weg
Koch-Mehrin, Schavan, Chatzimakakis, Stoibers Tochter... die sind doch alle vor Gericht gezogen. Hat einer von denen Erfolg damit gehabt?
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