Mangelware Master-Platz Dann geh' ich eben fort von hier

Wieder eine Absage! Was tun, wenn man als Bachelor-Absolvent leer ausgeht im Rennen um den Wunsch-Master? Was bislang vor allem die beliebten Fächer betrifft, könnte bald ein Massenphänomen werden. Experten empfehlen internationale Ausweichstrategien.

Bachelor geschafft, Master nicht gefunden? Viele wollen weiter, wissen aber nicht wohin
TMN

Bachelor geschafft, Master nicht gefunden? Viele wollen weiter, wissen aber nicht wohin


Ein Bachelor gilt für viele immer noch als halbwertiger Abschluss. Die meisten wollen daher einen Master machen. Doch für etliche Interessenten heißt es derzeit: Wir müssen leider draußen bleiben. Längst nicht jeder kann sich in seinem Wunsch-Master einschreiben. "Schon jetzt sind die Plätze knapp", sagt Gunvald Herdin, Hochschulforscher am Centrum für Hochschulentwicklung (CHE). Für beliebte Fächer wie Psychologie oder Betriebswirtschaftslehre gibt es an vielen Universitäten bereits jetzt mehr Bewerber als Plätze. Treffen Modellrechnungen des CHE zu, wird sich die Lage bis 2016 noch einmal dramatisch verschlimmern. In dem Jahr könnten bis zu 36.000 Masterbewerber leer ausgehen.

"Die Zahl der Studienanfänger im Master wird sich aller Voraussicht nach verdoppeln", sagt Herdin. Gleichzeitig gebe es bislang jedoch keinen Ausbau der Master-Studienplätze an den Hochschulen im gleichen Umfang. "Wer jetzt schon einen Bachelor hat, sollte deshalb nicht mehr allzu lange warten, um sich für einen Master einzuschreiben", rät Herdin. Derzeit seien die Chancen besser, einen Platz zu bekommen, als in drei oder vier Jahren.

Wenn das keine Alternative ist, bleiben Bewerbern aber ein paar Tricks. "Wer keine Top-Noten hat, kann sich etwa an weniger beliebten Hochschulstandorten umschauen", sagt Sebastian Horndasch, Ratgeberautor zum Thema Master-Suche. Mit Ausnahme von Dresden, Leipzig und Berlin sei der Osten bei Studenten immer noch unbeliebter als der Westen. In Städten wie Erfurt, Halle, Ilmenau, Cottbus oder Chemnitz haben deshalb auch schwächere Bewerber gute Chancen auf einen Platz.

Wer auch dort leer ausgeht, könne über ein Studium an einer privaten Hochschule nachdenken, empfiehlt Horndasch. Oft seien dort noch Plätze im gewünschten Studienfach zu haben. Doch nicht selten ist der Besuch einer privaten Hochschule richtig teuer - außerdem könne die Qualität der Lehre in einigen Fällen mit einer staatlichen Hochschule nicht mithalten.

Studieren im stillen Kämmerlein

Eine andere Alternative sei das Fernstudium. Auch hier stünden die Chancen oft besser, im Master-Studiengang der ersten Wahl unterzukommen. Doch für die meisten dürfte ein Fernstudium nicht in Frage kommen: Das Studieren im stillen Kämmerlein sei für viele nichts, erläutert Horndasch. Außerdem wünschten sich viele ein klassisches Studentenleben mit Vorlesungen in der Hochschule und Kontakt zu anderen Studenten.

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"Viele Möglichkeiten gibt es für Bachelor-Absolventen in Deutschland also nicht, wenn es mit dem Wunsch-Master nicht klappt", fasst Julia Funke zusammen. Die Berufsberaterin aus Frankfurt am Main rät deshalb, den Umweg über das Ausland zu gehen. Die beliebtesten Länder sind bei Master-Studenten laut dem Statistischen Bundesamt Österreich, England und die Niederlande.

Wer sich dafür entscheidet, sollte sich aber mindestens ein Jahr vor dem Beginn des Master-Studiums darum kümmern, sagt Anke Sobieraj vom Deutschen Akademischen Austauschdienst. Denn anders als in Deutschland endet die Bewerbungsfrist für die Studiengänge häufig bereits im Januar oder Februar - statt wie bei uns meist am 15. Juli. Dazu komme, dass die Fristen für Stipendien - etwa beim Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) - häufig noch früher ablaufen.

Doch egal ob Privat-, Fern- oder Auslandsuni: In jedem Fall sollten Bachelor-Absolventen sich nicht auf einen einzigen Master versteifen, sondern einen Plan B entwickeln. Die gute Lage am Arbeitsmarkt komme vielen jungen Leuten zugute, sagt Funke. Wer keinen Platz bekomme, könne auch erst einmal einen Job anfangen - und einen Master anschließen, wenn sich die Lage an den Hochschulen entspannt hat.


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Von Kristin Kruthaup/dpa/lov



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Seite 1
Stäffelesrutscher 31.05.2013
1.
Zitat von sysopTMNWieder eine Absage! Was tun, wenn man als Bachelor-Absolvent leer ausgeht im Rennen um den Wunsch-Master? Was bislang vor allem die beliebten Fächer betrifft, könnte bald ein Massenphänomen werden. Experten empfehlen internationale Ausweichstrategien. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/master-studium-zu-wenige-plaetze-an-deutschen-universitaeten-a-902877.html
Aua. Ein Bachelor _ist_ ein halbwertiger Abschluss. Wie kommt SPON drauf, dass dies nur in der Einbildung einiger gilt und dass sich diese Einbildung demnächst ändern müsste?
pfalzkapelle 31.05.2013
2. Quatsch
Es wird Zeit, das der Unsinn mit dem Butcher und dem Master wieder abgeschafft wird. Was haben wir denn von einem zwei Klassen Studium - bei dem weniger herauskommt als in dem alten System! Ein Studienfreund von mir hat immer dieses System gefordert. Begründung: viele brauchen die genauen Kenntnisse des Studiums gar nicht. Also, die Leute müssen für den Butcher genau soviel lernen wie für das Diplom, nur unter miesen Bedingungen. Eine Erleichterung für Studenten gibt es nicht. Der Streß ist größer. Einzig: wir haben jetzt Studienabbrecher mit Schein - im Gegensatz zu früher. Und manche werden abgebrochen, weil sie keinen Anschluss Studienplatz bekommen. Und das soll sinnvoll sein? Welch ein Wert hat ein Studium überhaupt noch? Was wäre, wenn sich die jungen Leuten weigern würden, bei dem Unsinn mitzumachen? Also, wenn jeder eine Lehre machen wollte? Dann würde vielleicht deutlich, dass die meisten Massnahmen nur dazu dienen, die Jugend zu knechten und zu drangsalieren. Das neue System ist einfach nichts wert und gehört abgeschafft. Weg damit! Übrigens: hier wird die qualifizierte Zwischenprüfung ohnehin "Butcher" ausgesprochen. Mehr wird dies auch nicht sein.
demophon 31.05.2013
3. Einstellung ändern
Zitat von sysopTMNWieder eine Absage! Was tun, wenn man als Bachelor-Absolvent leer ausgeht im Rennen um den Wunsch-Master? Was bislang vor allem die beliebten Fächer betrifft, könnte bald ein Massenphänomen werden. Experten empfehlen internationale Ausweichstrategien. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/master-studium-zu-wenige-plaetze-an-deutschen-universitaeten-a-902877.html
Aber nur hier in Deutschland. In den angelsächsischen Ländern, von wo das Bachelor/Master Modell bekanntlich importiert wurde, und weltweit, ist der Bachelor ein vollwertiger akademischer Standard-Abschluss, der auch von den Unternehmen und staatlichen Stellen als normaler "degree" verlangt wird. Ein Master wird gewöhnlich gar nicht benötig, beim MBA wird eine gewisse Berufserfahrung erwartet, bevor man mit dem Studium beginnt. In Deutschland muss sich also nur die Einstellung zum Bachelor-Abschluss ändern, dann braucht man auch nicht mehr Master Studienplätze.
tdmdft 31.05.2013
4. An der Bildung wurde schon immer gespart
nur nicht in den Sonntagsreden der Wahlkämpfer. Viele Steuererhöhungspläne wurde nicht schon mit Bildungsausgaben begründet. Aber da kommt bei den Unis wenig an. Die Politik wollte den Bachelor, die Industrie den/die 21 Jährigen mit Hochschulabschluss. Beides haben wir dank G8 und Bologna Reform. Und jetzt? Die Bildung darf in Deutschland nichts kosten. Die Länder erhöhen die Bildungsausgaben für die Unis nicht, es gibt noch nicht einmal einen Inflationsausgleich, und es werden im Wesentlichen die Hochschulpaktmittel des Bundes abgegriffen. 2018 ist da Endstation und alle Landespolitiker werden am Uni Etat den Rotstift ansetzten, trotz sprudelnden Steuereinahmen und Sonntagsreden. Gleichzeitig wurden die Studiengebühren abgeschaft. Die Uni's hätte ein wenig mehr luft, wenn sie 500-1000€ Gebühren für die Masterstudiengänge einnehmen dürfen. Dann könnten auch mehr Plätze langfristig über 2018 hinaus geschaffen werden, weil keine Uni ohne langfristige Perspektive neue Professoren einstellt, die für 25-35 Jahren bezahlt werden müssen. aber nach 2020 die Studierendenzahlen wegen der Demographie einbrechen. Die Politik des Rotstifts der letzten 30 Jahre in den Uni-Haushalten hat die Universtäten gelehrt, zwischen Sonntagsreden der Politik und dem faktischen Handeln der demokratisch legitimierten Volksvertreter zu unterscheiden. Die Bevölkerung bekommt eben genau die Universitäten für die sie auch bereit ist, zu bezahlen, entweder über Steuern oder Gebühren, oder beides. Ohne Geld läuft eben nichts!
spiegel-kommentar 31.05.2013
5. Krankes Weltbild - einfache Lösung
Das CHE präsentiert mal wieder sein verdrehtes Weltbild. Wenn die Hochschulzugangsberechtigung praktisch den Hochschulzugang zum Bachelorstudium nicht mehr limitiert, dann haben Vorgaben für die Verteilung von Masterstudienplätzen durchaus auch begrenzenden Charakter. Es ist völlig richtig, dass nicht jeder Bäckerlehrling anschließend bis zur Promotion Weiterbildung betreibt. Eigentlich sollten schon nur die besseren Schüler ein Studium aufnehmen. So begrenzt eben das Aufnahmeverfahren für den Master. Wenn das nicht mehr funktioniert, werden die Betriebe aussortieren müssen. Auch im Sinne der besseren Studenten kann es nur sein, dass eben nicht jeder den Master macht. Ich finde, es ist an der Zeit, für den Master ordentliche Studiengebühren einzuführen, damit nicht die Allgemeinheit dafür bezahlt, dass jeder Hans und Franz bis zum Doktor Kunstgeschichte studiert, um dann Taxi zu fahren. Bildung ist ein Grundrecht, aber nur bis zum berufsqualifizierenden Abschluss. Das ist der Bachelor. Den Master sollten dann die besten Studenten machen und nicht die, die nach dem Bachelor keinen Job finden.
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