Wahl des Masterstudiums Bloß nicht durchdrehen

Wer einen Master machen will, steht vor Tausenden Angeboten: Doch geht man nach dem Bauchgefühl, nach den Karrieremöglichkeiten oder nach der Stadt? Sieben Schritte, die bei der Entscheidung helfen.

Studentin in Leipzig: "Wichtig ist, sich keinen Druck zu machen"
imago

Studentin in Leipzig: "Wichtig ist, sich keinen Druck zu machen"


Rund 8000 unterschiedliche Masterstudiengänge bieten deutsche Universitäten und Hochschulen an. Wer ein für sich passendes Programm sucht, ist da schnell überfordert. Diese Überlegungen können bei der Suche helfen.

1. Überblick verschaffen: Welche Masterangebote es überhaupt gibt, erfahren Studenten am schnellsten über Internetportale wie Hochschulkompass.de oder Studieren.de. Hier können sie gezielt mit Schlagworten wie Fachbereich oder Hochschulstandort suchen. Aber es lohnt sich auch, sich erst einmal an der eigenen Uni Rat zu holen. Man kann zum Beispiel die Dozenten aus seinem Fachbereich fragen, welchen Master sie empfehlen würden.

2. Vom Arbeitsmarkt her denken: Wer genau weiß, was er nach dem Studium machen will, sollte darauf achten, welche Qualifikationen für diesen Beruf verlangt werden. Es lohnt sich, Stellenangebote durchzulesen, um zum Beispiel zu erfahren, welche Computerprogramme oder Sprachen man beherrschen sollte, nach welchen Abschlüssen gesucht wird und ob man Praktika absolviert haben muss. "Das probateste Mittel ist, man orientiert sich an den Bewerbungsprofilen auf dem Stellenmarkt", rät der Berufsberater für Akademische Berufe beim Berufsinformationszentrum in Stuttgart, Heinz-Wilhelm Seegers.

3. Auf die Inhalte schauen: Wer weiß, in welche Richtung es gehen soll, der kann sich auf den Homepages der Hochschulen über die Inhalte des Masterprogramms informieren. Wichtig hierbei: Erst einmal die Zugangsvoraussetzungen checken. Welchen Notendurchschnitt braucht man, welche Sprachnachweise sind nötig oder muss eine bestimmte Punktzahl in einem Modul nachgewiesen werden? Wer Beschreibungen der Masterseminare liest, erfährt, was dort genau behandelt wird. Außerdem sollte man überprüfen, ob die Dozenten renommiert sind, also etwa viel veröffentlicht haben.

4. Mit den richtigen Leuten reden: Um Antworten auf alle Fragen zu bekommen, die noch offen sind: einfach bei der Studienberatung oder bei dem Studiengangsverantwortlichen anrufen. Ralf Kellershohn von der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) sagt, auch Lehrende seien gute Ansprechpartner, vor allem wenn es konkret ums Fachliche geht. Berufsberater Seegers ermuntert Studenten zudem dazu, sich die Uni vor Ort anzusehen. So erhält man einen Einblick, wie es auf dem Campus aussieht und ob man sich dort wohlfühlen könnte. "Man kann sich ja auch mal in eine Vorlesung setzen", sagt Seegers.

5. Prioritäten setzen: Damit Masteranwärtern die Details nicht über den Kopf wachsen, müssen sie sich klarmachen, was ihnen am wichtigsten ist. Dabei hilft eine Prioritätenliste, auf der Aspekte stehen können wie: Geld verdienen, in einer Großstadt studieren, ins Ausland gehen, in der Wissenschaft Karriere machen, in der gleichen Stadt den Master absolvieren, in der auch die Freunde sind. Wichtig ist es, sich mit der Entscheidung wohl zu fühlen. Wem hilft es, in einer Stadt zu studieren, mit der man sich überhaupt nicht identifizieren kann?

6. Keinen "Verlegenheitsmaster" machen: Wer sich noch nicht sicher ist, wo er beruflich hin will, der sollte nicht einfach irgendeinen Master machen, nur um den Abschluss zu haben, oder weil alle anderen auch einen Master machen. Berufsberater Seegers rät in diesem Fall dazu, erst einmal Berufserfahrung zu sammeln. "Der Master läuft mir nicht weg", sagt er. Ein oder zwei Jahre im Beruf könnten helfen, sich über seine Ziele klar zu werden.

7. Nicht durchdrehen: Die Entscheidung für den Master ist zwar wichtig, aber nicht lebensbestimmend. "Man hat jederzeit die Möglichkeit, sich noch einmal neu zu bewerben", sagt Anna Hahmann Studienberaterin an der Freien Universität Berlin. "Wichtig ist, dass man sich keinen übergroßen Druck macht", empfiehlt auch Kellershohn von der HRK. Da könne es auch helfen, sich die Berufsbiografien von Vorbildern anzusehen - schließlich verlaufen auch diese nicht immer linear.

Stipendium fürs Studium: Hier findet fast jeder Student sein Stipendium

kha/dpa



insgesamt 44 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Ein Dr. 22.10.2015
1. Diplom
Das waren noch Zeiten, als die Studenten am Ende ihres Diplomstudiengangs sich auf die mündliche(!) Diplomhauptprüfung vorbereitet haben. Da musste man wirklich mit Wissen überzeugen.
Tr1ple 22.10.2015
2. Der Staat sollte diese Flut von verschiedenen Studiengänge eingrenzen.
In Asiatischen Industrienationen wird geschaut was gebraucht wird von der Industrie und dann diese Studiengänge zugelassen. So sollte man das auch machen. Wenn die Studenten dann Pferdepfleger Master machen wollen können diese ja ins Ausland.
OlafKoeln 22.10.2015
3. Läuft nicht davon?
Da muss man schon berücksichtigen, dass es hierzulande bisher nicht üblich ist, eine Stelle anzutreten, zwei Jahre zu arbeiten, und dann wieder studieren zu gehen. Davon abgesehen, wie es dann finanziell aussieht, wenn man sich erst an ein Einkommen gewöhnt und möglicherweise eine Familie hat. Eine berufsbegleitenden Studium ist zwar möglich (habe ich auch gemacht) - aber dass muss man zeitlich und auch finanziell schaffen. Und ein berufsbegleitender Studiengang ist schwer zu finden in reinen ingenieurtechnischen Fächern bzw. ist dort nochmals deutlich aufwändiger auf Grund von zu absolvierenden praktischen Übungen etc.
eigene_meinung 22.10.2015
4. 8000
Es ist absurd, dass es mittlerweile einen Master für ein kleines Spezialgebiet eines Teilgebiets einer Wissenschaft (oder auch Pseudowissenschaft) gibt, insbesondere, wenn dieses Spezialgebiet nach ein paar Jahren niemanden mehr interessiert.
ärgerhochzwei 22.10.2015
5. Wieso heißt das Master
Diese Master haben bei VW auch nicht dazu geführt das der Schwindel mit der Software aufgefallen ist. Obwohl es jawohl einige mit Master dort gibt, die an der Motorenentwicklung teilgenommen haben. Entweder die haben fachlich nichts gemerkt, daraus folgt Master ist für die Katz. Oder die haben aus persönlichen Gründen, Angst um Arbeitsplatz, Angst um einkommen oder Umgangsprachlich keine Eier in der Hose nichts bemerkt. Dann ist aus gesellschaftspolitischen Gründen der Master für die Katz. Duckmäuser und Angsthasen hatten wir schonmal als Ideal angesehen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.