Matheprüfung an der Uni Saarbrücken 94 Prozent fallen durch

Es war womöglich die härteste Klausur im ganzen Land: An der Uni in Saarbrücken haben nur zwölf Studenten "Mathematik für Informatiker I" bestanden. Jetzt wird über "zu faul" oder "zu schwer" gestritten.

Formeln an der Tafel im Hörsaal
DPA

Formeln an der Tafel im Hörsaal


Wer Informatik an der Universität in Saarbrücken studieren möchte, kommt an "Mathematik für Informatiker I" nicht vorbei. Die Prüfung gilt als Grundlagenklausur.

Gleichzeitig ist "MFI" unter Studienanfängern gefürchtet: Seit Jahren liegen die Durchfallquoten zwischen 50 und 70 Prozent. In diesem Wintersemester fielen die Ergebnisse besonders drastisch aus: Nur 12 von 188 Studenten bestanden - eine Durchfallquote von 94 Prozent.

Die Prüflinge reagierten verärgert und machten ihrer Wut im hochschulinternen Onlineforum Luft. Die Schuld sahen sie bei der Professorin, die die Aufgaben gestellt hatte. Die Klausur sei viel zu schwer gewesen, die Zeit zu knapp.

30 leere Blätter

Lehrstuhlmitarbeiter, die mit der Korrektur befasst waren, wiesen die Kritik zurück. Die Studenten seien schlicht zu faul zum Lernen, so der Tenor, oder den Anforderungen eines Informatikstudiums nicht gewachsen.

Hanna Markwig, die angegriffene Professorin, sieht noch einen dritten Grund: die geänderte Prüfungsordnung. Darin stehe seit Kurzem, dass man die Matheklausur im ersten Semester risikolos mitschreiben könne. "Wir haben den Freiversuch wohl zu stark propagiert", sagt Markwig. Nur so kann sie sich die über 30 abgegebenen leeren Blätter erklären. "Das war keine Gaußsche Normalverteilung, sondern ein Bauch bei null Punkten."

Weil die Professorin aber selbst nicht sicher ist, ob sie nicht doch die eine oder andere Frage unklar formuliert oder die Prüfungszeit mit 120 Minuten zu knapp bemessen hat, wird die Klausur nun wiederholt. Diesmal haben die Studenten 180 Minuten Zeit. Und die Aufgaben sind von einem Didaktiker abgesegnet.

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insgesamt 213 Beiträge
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friedrichgadow 21.04.2016
1. what's new?
Kommt mir (jenseits des Freiversuchs) irgendiwe sehr bekannt vor - BWL vor 30 jahren, Mathe Durchfallquote 90+%, Bauingenieur aktuell, Mathe Durchfallquote 90+ und es gibt bestimmt noch mehr Beispiele. Was macht diesen Fall jetzt so einzigartig, dass darueber berichtet warden muesste?
mam71 21.04.2016
2.
Hier schonmal die Antwortschablone für die kommenden Beiträge: ICH habe damals (noch Diplom!) die schwerste Klausur von allen an der schwersten Uni von allen geschrieben. ICH habe damals natürlich eine Eins bekommen. Die Jugend von heute ist faul und kann nicht rechnen, weil sie Smartphones benutzt und auf Social Media Portalen rumhängt, während ICH so richtig gebüffelt habe. ICH bin zwar arbeitslos, aber das liegt nicht an MIR oder an kompletter Fehleinschätzung meiner Fähigkeiten, sondern an Angela Merkel.
brux 21.04.2016
3. Ach ja
Das Abitur ist leider heute kaum mehr als ein Meilenstein der Pubertät. Studierfähigkeit bescheinigt es mit Sicherheit nicht.
tomtomtomtom 21.04.2016
4. Inhalt?
Ich kann aus eigener Erfahrung sagen: oft geht der Inhalt an den zu vermittelnden Inhalten vorbei. Mathe for Informatiker III, Inhalt: 90% der Aufgaben bestanden aus Beweisen, alle Element C. Das hat mit Mathematik für Informatiker NICHTS zu tun.
stefan1904 21.04.2016
5.
Zitat von friedrichgadowKommt mir (jenseits des Freiversuchs) irgendiwe sehr bekannt vor - BWL vor 30 jahren, Mathe Durchfallquote 90+%, Bauingenieur aktuell, Mathe Durchfallquote 90+ und es gibt bestimmt noch mehr Beispiele. Was macht diesen Fall jetzt so einzigartig, dass darueber berichtet warden muesste?
Ich habe sowohl Informatik, als auch BWL studiert. Die Matheklausuren lassen sich in keinster Weise miteinander vergleichen. Die in BWL kann man auch bestehen, wenn man eine Niete in Mathe ist, vorausgesetzt man macht seine Schwäche durch Fleiß weg. Aber für die Matheklausuren in Informatik braucht es zwingend Talent neben dem Fleiß. Könnte man die Klausuren unbegrenzt wiederholen, würde dies den psychischen Druck von den Studenten nehmen. Allerdings würden dann wohl weniger Studenten in der Regelstudienzeit fertig werden, was auch nicht gewünscht ist. Jemanden zu exmatrikulieren, nur weil er eine Klausur dreimal nicht bestanden hat, halte ich für falsch. Da sollte man lieber auf die Gesamtzahl an Credits schauen. Dann sieht man ja, ob der Student generell nicht geeignet ist für den Studiengang oder nur mit ein oder zwei Modulen Probleme hat.
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