Vergewaltigungsvorwurf Deutscher Student verklagt die Columbia University

Mit ihrem Matratzenprotest machte eine US-Studentin auf sexuelle Gewalt aufmerksam - und beschuldigte einen deutschen Kommilitonen, er habe sie vergewaltigt. Der junge Mann verklagt nun die Universität.

Matratzenprotest von Emma Sulkowicz: Hat sich die Columbia University falsch verhalten?
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Matratzenprotest von Emma Sulkowicz: Hat sich die Columbia University falsch verhalten?


Immer wieder hatte die Kunststudentin Emma Sulkowicz eine blaue Matratze über den Campus der Columbia University getragen. Tagelang hatte sie damit gegen sexuelle Gewalt demonstriert.

Sulkowicz machte im September 2014 mit dem ungewöhnlichen Protest auf das aufmerksam, was ihr selbst widerfahren sein soll: Ein deutscher Mitstudent habe sie im August 2012 auf ihrem College-Bett vergewaltigt. Auf einer ähnlichen Matratze, die sie zwei Jahre später für ihre Aktion nutzte.

2013 zeigte Sulkowicz den Studenten an, auch zwei weitere Studentinnen warfen dem jungen Mann sexuellen Missbrauch vor. Die Uni befand den Studenten jedoch in allen drei Fällen für unschuldig. Im Dezember wandte er sich an die "New York Times" und stritt die Vorwürfe der sexuellen Belästigung und der Vergewaltigung ab. Aus der Berichterstattung ging auch hervor, dass er und Sulkowicz zum Zeitpunkt der mutmaßlichen Vergewaltigung eine Liebesbeziehung hatten.

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Emma Sulkowicz: New Yorker schließen sich dem Matratzen-Protest an
Jetzt hat der deutsche Student vor einem Gericht in Manhattan Anzeige gegen seine Universität erstattet. Er wirft der Columbia University, dem Kuratorium der Hochschule, dem Uni-Präsidenten und dem Kunstdozenten von Sulkowicz vor, sie hätten ihn nicht vor den öffentlichen Anschuldigen und der Protestaktion geschützt.

Die Studentin habe ihn in der Öffentlichkeit wiederholt als "Serienvergewaltiger" bezeichnet. Außerdem habe die Columbia University den Matratzenprotest unterstützt und damit ein für ihn einschüchterndes, feindseliges und erniedrigendes Umfeld geschaffen. So sei Sulkowicz erlaubt worden, die Matratze unter anderem in Unterrichtsräume und in die Bibliothek mitzubringen. Dadurch sei er auf dem Campus isoliert worden, die Aktion habe seinen Berufsaussichten in den USA geschadet. Außerdem sei auf einer von der Universität betriebenen Webseite die mutmaßliche Vergewaltigung als Tatsache dargestellt worden.

Emma Sulkowicz hatte ihre Anzeige gegen den Kommilitonen in Kopie an die Studentenzeitschrift "Columbia Spectator" weitergeleitet. Das Magazin hatte damals den Namen des Studenten öffentlich gemacht und ihn als "mutmaßlichen Vergewaltiger" bezeichnet. Daraufhin wurde der Name im Internet weiter verbreitet und an der Uni an die Wände mehrerer öffentlicher Toiletten geschrieben.

Die Last zusammen tragen

Sulkowicz nennt die Klage des deutschen Studenten "lächerlich", wie sie in einer E-Mail an einen Reporter der Nachrichtenagentur AP schrieb. Mit ihrer Aktion habe sie auf künstlerische Weise das Trauma verarbeitet, das sie an der Uni erlebt habe. Die Studentin hatte der Uni zuvor vorgeworfen, der Disziplinarausschuss wäre mit ihrem Fall falsch umgegangen. Sie habe nicht fassen können, dass die Uni ihr nicht glaubte.

Die Studentin hatte im vergangenen Herbst viel Unterstützung für den Matratzenprotest bekommen. Mehrere Studenten halfen ihr dabei, die Matratze über den Uni-Campus zu tragen. Die Unterstützergruppe organisierte sich über die Webseite "Carrying the Weight Together". Sulkowicz sei mit ihrer Aktion zur Ikone einer neuen "sexuellen Revolution an den Universitäten" geworden, schrieb das "New York Times Magazine". Sie steht für die vielen Studentinnen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Juristisch können sich Opfer von sexueller Belästigung und Gewalt an Hochschulen in den USA auf den "Title IX" und den "Clery Act" berufen.

Seit 1972 verbietet der "Title IX" Diskriminierung aufgrund des Geschlechts an Hochschulen und Schulen - dazu zählen auch sexuelle Gewalt und Belästigung. Das Bürgerrecht soll Studenten schützen und Hochschulen verpflichten, sich zu kümmern. Wenn eine Studentin oder ein Student missbraucht wird, muss die Hochschule untersuchen, was passiert ist, darauf reagieren und die Betroffenen darüber informieren.

Im vergangenen Sommer liefen Untersuchungen gegen 79 Hochschulen, weil sie womöglich gegen "Title IX" verstoßen haben, darunter renommierte Unis wie Harvard, Dartmouth, Princeton und Berkeley.

kha/AP

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