Performance mit Matratze Künstlerischer Protest - oder Rache am Ex?

Sie trug eine Matratze über den Campus, um einen deutschen Mitstudenten anzuklagen: Er soll sie vergewaltigt haben. Mit ihrer Protestaktion wurde US-Studentin Emma Sulkowicz weltberühmt. Doch nun kommen neue Fragen auf.

Sulkowicz mit Matratze: Weltweite Aufmerksamkeit
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Sulkowicz mit Matratze: Weltweite Aufmerksamkeit


Hat er sie vergewaltigt oder nicht? Wochenlang trug die Kunststudentin Emma Sulkowicz eine blaue Matratze über den Campus der Columbia University - ein deutscher Mitstudent soll sie auf einer solchen Matratze zum Sex gezwungen haben. Die Protestaktion brachte ihr weltweit Aufmerksamkeit.

Nun sind Details aus der Klage des deutschen Studenten gegen die Columbia-Universität bekannt geworden, die Zweifel an den Vorwürfen Emma Sulkowiczs aufkommen lassen. Der Student wirft der Columbia University, dem Kuratorium der Hochschule, dem Uni-Präsidenten und dem Kunstdozenten von Sulkowicz vor, sie hätten ihn nicht vor den öffentlichen Anschuldigungen und der Protestaktion geschützt.

Die "Bild"-Zeitung und die Wochenzeitung "Die Zeit" zitieren SMS und Facebook-Nachrichten, die in der Anklageschrift dokumentiert sind und die den Vergewaltigungsvorwurf offenbar infrage stellen. "Ich liebe dich so sehr, ich vermisse dich mehr als alles andere", soll Sulkowicz ihrem Mitstudenten nach der Tat geschrieben haben. Es gab offenbar noch weitere Nachrichten dieser Art im Anschluss an die angebliche Vergewaltigung.

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Emma Sulkowicz: New Yorker schließen sich dem Matratzen-Protest an
Vor einem Treffen soll sie ihren Mitstudenten gefragt haben, ob er Lust auf Analsex habe. Später sagte sie aus, dass ihr Kommilitone sie anal vergewaltigt habe, obwohl sie vor Schmerzen geschrien habe.

Dies alles soll sich im August 2012 ereignet haben. Erst 2013 zeigte Sulkowicz den Studenten an, auch zwei weitere Studentinnen warfen dem jungen Mann sexuellen Missbrauch vor. Die Uni befand den Studenten jedoch in allen drei Fällen für unschuldig. Im Herbst 2014 begann Sulkowicz schließlich ihre Matratzen-Aktion. Bei der Abschlussfeier der Universität vor wenigen Wochen trug sie die Matratze auf die Bühne.

Emma Sulkowicz hatte ihre Anzeige gegen den Kommilitonen in Kopie an die Studentenzeitschrift "Columbia Spectator" weitergeleitet. Das Magazin hatte damals den Namen des Studenten öffentlich gemacht und ihn als "mutmaßlichen Vergewaltiger" bezeichnet. Daraufhin wurde der Name im Internet weiter verbreitet und an der Uni an die Wände mehrerer öffentlicher Toiletten geschrieben.

bkr

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insgesamt 27 Beiträge
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Seite 1
campdavid 22.05.2015
1. Danke ...
..dass ihr auch von dieser Seite aus mal kritisch über den Fall berichtet. Artikel dieser Art hat man lange vergeblich gesucht bei euch, chapeau.
bruno bär 22.05.2015
2.
Man fragt sich echt was in den Köpfen solcher Menschen vorgeht. Okay, verlassen werden tut weht und man ist auf den anderen nicht gut zu sprechen aber muss man deshalb das Leben des anderen zerstören? Solche Fälle gibt es ja an US-Campusen öfters. Ich frage mich ob und wie oft sowas in Deutschland passiert.
stesch 22.05.2015
3. Ein Fall für die Justiz
Wir sollten abwarten, was beim Prozeß herauskommt. Wenn die Vorwürfe des Studenten stimmen, wäre eine Millionenklage fällig. Die hätte sich Emma Sulkowicz auch redlich verdient.
mens 22.05.2015
4. Über diesen Fall hinaus.
Entweder es ist eine Racheaktion mit Trittbrettfahrerinnen oder die ansch. einvernehmlichen Begegnungen haben jeweils eine "falsche" Entwicklung genommen. Da kann es um Details gehen, die man noch nicht kennt. Auf jeden Fall muß das genauestens geklärt werden. Auch als Signal an (andere) Opfer derartiger Verbrechen.
CrocodileDandy 22.05.2015
5. schade...
dass man die andere Position erst jetzt zu hören bekommt. Da es keine Festnahme und keinen Verweis gab, fand ich es recht verwunderlich, dass so einseitig über diesen Vorgang berichtet wurde. Dabei gibt es genügend prominente Beispiele: Andreas Türck, Kachelmann... Ich war selbst mal mit einer Frau zusammen, die von fast allen ihren Exfreunden gestalkt wurde, laut ihrer eigenen Aussage. Bis ich im Falle einer Eifersuchtsattacke ihrerseits dann selbst bezichtigt wurde. Das war echt surreal und glücklicherweise war nachweisbar, dass ich ihr nicht "aufgelauert" haben konnte (da 500 km weit weg). Das war wirklich ein gruseliges Szenario, und es war anfangs nicht erkennbar, dass diese Dame ein massives mentales Problem hatte.
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