Medizin-Skandal Köln Unbekannte Leichen im Uni-Keller

Leichenberge an der Uni Köln? Das anatomische Institut der Hochschule meldet "Bestattungsrückstand". Das heißt: Im Kühlkeller stapeln sich die leblosen Spenderkörper für die Forschung. Gipfel der pietätlosen Schlamperei: Zu manchen Leichen fehlt sogar der Name.

DPA

Wie viele es sind, weiß er nicht. "Aber dass sie da sind", sagt der junge Arzt im vertraulichen Gespräch, "weiß jeder, der regelmäßig in der Anatomie zu tun hat: Studenten, Sekretärinnen, Ärzte." Die Rede ist vom anatomischen Institut der Universität zu Köln, wo für angehende Mediziner unter anderem die sogenannten Präp-Kurse stattfinden, also das Präparieren an Leichen geübt wird.

Um diese praktischen Übungen durchführen zu können, ist die Uniklinik auf Körperspenden angewiesen: Menschen, die ihren Körper nach dem Tod der Wissenschaft zur Verfügung stellen. Die Spendenbereitschaft ist meist hoch, seit Jahren melden sich mehr Menschen als Spender, als die Institute für ihre Ausbildung benötigen.

Und das war in den vergangenen Jahren in Köln so häufig der Fall, dass die Leitung des anatomischen Instituts offenbar den Überblick verloren hat. "Mindestens 80 Leichen sind dort aufgelaufen, kein Mensch weiß genau, was wir da alles in den Schränken haben", sagt der Arzt. Die Buchführung im Institut weist so große Lücken auf, dass es nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen sogar zwei Leichen geben soll, bei denen mittlerweile nicht mehr nachvollzogen werden kann, um wen es sich handelt.

Chaotische Aktenführung führte zu "Bestattungsrückstaus"

"Wir bedauern die offensichtlichen Unregelmäßigkeiten sehr", sagt Uni-Sprecher Patrick Honecker, "jetzt geht es uns darum, so schnell wie möglich die Würde der Menschen wieder herzustellen, die ihre Körper ja dankenswerter Weise für Forschung und Lehre bereitgestellt hatten." Die Vorfälle widersprächen allen Vorstellungen vom pietätvollen Umgang mit Verstorbenen und selbstverständlich auch den akademischen Gepflogenheiten.

Unterstützt von einem hinzugezogenen Rechtsmediziner soll die Situation am anatomischen Institut nun schnell aufgearbeitet werden. Bereits am Donnerstagmittag will das Dekanat der medizinischen Fakultät auf einer Pressekonferenz weitere Einzelheiten mitteilen.

Aufgefallen waren die chaotischen Zustände, nachdem der Leiter des anatomischen Instituts im vergangenen Jahr in den Ruhestand getreten war und sich sein Nachfolger einen Überblick über die Situation in den Gebäuden an der Kölner Joseph-Stelzmann-Straße verschaffen wollte. Die damals und heute Verantwortlichen sagen gegenüber SPIEGEL ONLINE nichts zu dem Sachverhalt und verweisen an die Uni-Pressestelle. Nach derzeitigem Kenntnisstand, so Sprecher Honecker, sei der Auslöser für das Durcheinander im Leichenkeller "eine sehr problematische Aktenführung" gewesen. Zur genauen Zahl der momentan eingelagerten Leichen und zu den näheren Umständen des "Bestattungsrückstaus", wie die Uni den Zustand intern umschreibt, könne er sich momentan noch nicht äußern.

Vorsorglich hatte die Universität nach Bekanntwerden der Affäre auch die Staatsanwaltschaft Köln eingeschaltet - um prüfen zu lassen, ob Straftatbestände wie etwa die Störung der Totenruhe vorliegen. Nach mehreren Gesprächen stehe nun aber fest, dass es derzeit keinen Anhaltspunkt für weitere juristische Ermittlungen gibt, so Uni-Sprecher Honecker.

Ulrich Günter Bremer, Oberstaatsanwalt in Köln, bestätigt, dass sich die Universität an die Ermittlungsbehörde gewandt hatte und sagte: "Wir haben uns mit der Uni abgestimmt und sehen keinen Anlass für Ermittlungen." Die Universität Köln kann und muss sich jetzt allein auf die moralische Aufarbeitung konzentrieren - und auf die Identifizierung der unbekannten Leichen im Uni-Keller.

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Seite 1
juergw. 15.02.2012
1. Die Spender..
Zitat von sysopdapdLeichenberge an der Uni Köln? Das anatomische Institut der Hochschule meldet "Bestattungsrückstand". Das heißt: Im Kühlkeller stapeln sich die leblosen Spenderkörper für die Forschung. Gipfel der pietätlosen Schlamperei: Zu manchen Leichen fehlt sogar der Name. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,815409,00.html
wollten doch kostenlos entsorgt werden.Ihre sterblichen Überreste waren doch frei jedlicher Pietät.Die etwas Eitleren stehen jetzt bei G.von Hagen !Der lebende Mensch ist doch einigen auch nur noch "ein Euro" wert.Wo ist das Problem.
herkurius 15.02.2012
2.
Zitat von sysopdapdLeichenberge an der Uni Köln? Das anatomische Institut der Hochschule meldet "Bestattungsrückstand". Das heißt: Im Kühlkeller stapeln sich die leblosen Spenderkörper für die Forschung. Gipfel der pietätlosen Schlamperei: Zu manchen Leichen fehlt sogar der Name. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,815409,00.html
Komisch, wenn man sonst irgendwo Leichen findet, von denen keiner weiß, wer es ist und was auf dem Totenschein steht, müsste doch die Kripo automatisch tätig werden...?
Airkraft 15.02.2012
3. Gott sei Dank nur...
leblose Spenderkörper! So schlimm wie das auch ist, viel schlimmer wäre es ja wohl wenn sich darunter noch lebende Spenderkörper befinden würden.
MVD! 15.02.2012
4.
So etwas darf wirklich nicht passieren... Wirklich unappetitlich finde ich aber die Wahl des Bildes. Inwiefern gewinnt der Beitrag dadurch, dass hier ein ein Präparat mit ziemlicher Sicherheit OHNE EINWILLIGUNG des Spenders gezeigt wird? Bevor also über pietätlosen Umgang mit Leichen geschrieben wird, sollte SPON auf solche Effekthascherei verzichten. An meiner Uni wäre es jedenfalls niemals erlaubt worden, so ein Photo aufzunehmen, geschweige denn zu veröffentlichen.
seenoevil 15.02.2012
5. Nein zur Organspende
Zitat von sysopdapdLeichenberge an der Uni Köln? Das anatomische Institut der Hochschule meldet "Bestattungsrückstand". Das heißt: Im Kühlkeller stapeln sich die leblosen Spenderkörper für die Forschung. Gipfel der pietätlosen Schlamperei: Zu manchen Leichen fehlt sogar der Name. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,815409,00.html
Die Vorgänge an der Uni Köln bestärken mich einmal in meiner Ablehnung eines Zwangs zum Organspendeausweis. Es wäre nur eine Frage der Zeit, bis sich unbekannte Verstorbene aus Obdachlosenheimen in den Kellern der Krankenhäuser und Universitäten stapeln würden. Wie im Mittelalter.
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