Neues System Zulassung zum Medizinstudium wird reformiert

Jahrelange Wartezeiten, Chancen fast nur für Einser-Abiturienten: Bei der Zulassung für ein Medizinstudium liegt heute vieles im Argen. Das soll sich ändern. Selbst Qualifizierte ohne Abitur - etwa Notfallsanitäter - sollen eine Chance haben.

Medizinstudenten in Hannover
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Medizinstudenten in Hannover


Nicht nur Abiturienten mit Spitzennoten sollen künftig in Deutschland Medizin studieren können. Das sieht der Entwurf für einen Staatsvertrag vor, auf den sich die Wissenschaftsminister der Länder am Donnerstag in der Kultusministerkonferenz (KMK) geeinigt haben.

Demnach sollen die Länder künftig auch beruflich Qualifizierten ohne Abitur den Weg zum Medizinstudium ebnen können. Das könnten zum Beispiel Notfallsanitäter sein.

Insgesamt soll es ein völlig neues System des Hochschulzugangs bei Medizin, Zahnmedizin, Tiermedizin und Pharmazie geben.

Ein größerer Anteil der Plätze als heute soll den Einserabiturienten vorbehalten bleiben: Die sogenannte Abiturbestenquote wird von 20 auf 30 Prozent erhöht. Eine neue zusätzliche Eignungsquote, durch die jeder zehnte Platz vergeben werden soll, soll aber Bewerbern unabhängig von den Abinoten Chancen eröffnen.

Derzeit werden jährlich rund 11.000 der bis zu 50.000 Bewerber für ein Medizinstudium an den öffentlichen Hochschulen zugelassen. Das Bundesverfassungsgericht hatte am 19. Dezember 2017 entschieden, dass das Zulassungsverfahren teils verfassungswidrig ist und bis Ende 2019 neu geregelt werden muss.

Für Bewerber auf Wartelisten sollen Ausnahmen gelten

Heute haben fast nur Einser-Abiturienten eine Chance, für viele gelten Wartezeiten von bis zu 15 Semester. Die Richter verlangten unter anderem transparentere Verfahren, mehr Vergleichbarkeit der Abinoten und weniger Wartezeit.

Die Neuregelungen sollen zum Sommersemester 2020 gelten. Insbesondere für Bewerber, die heute auf Wartelisten stehen, sind Übergangsfristen geplant. Der Entwurf muss zuvor noch von einer Konferenz der Ministerpräsidenten und den Parlamenten der 16 Bundesländer abgesegnet werden.

Zum Andrang auf die - gemessen an den Bewerberzahlen - wenigen Studienplätzen sagte Bayerns Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU), es würden auch neue Studienplätze geschaffen. "Ein paar Bundesländer schaffen das immer wieder." Die Einigung auf den Vertragsentwurf zeige im Übrigen, dass Bildungsföderalismus funktioniere. Sachsens Wissenschaftsministerin Eva-Marie Stange (SPD) erläuterte aber auch, im Umfeld von Landtagswahlen könnten in einem Land kaum Staatsverträge ratifiziert werden - unter anderem deshalb seien Staatsverträge nicht einfach auf den Weg zu bringen.

Anmerkung: In einer vorherigen Version des Textes stand, dass unter anderem Rettungssanitäter künftig eine Chance auf einen Medizinstudienplatz bekommen könnten. Die richtige Berufsbezeichnung lautet allerdings: Notfallsanitäter.

tin/dpa



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mentor54 07.12.2018
1.
Ursächlich für den NC ist doch die Diskrepanz von Angebot und Nachfrage bei den Studienplätzen, und daran ändert ein neues Vergabeverfahren auch nichts, selbst wenn Auswahlkriterien vielleicht etwas(sach) gerechter sind. Sofern es einen Nachholbedarf gibt, müsste die Zahl der Studienplätze erhöht werden.
mantrid 07.12.2018
2. Überfällige Reform
Nicht nur, dass Abiturnoten in Deutschland schlichtweg sich bei identischer Leistung von Land zu Land und Schule zu Schule gewaltig unterscheiden können, sie dagt schlichtweg gar nichts über die Eignung zum Medizinstudium aus. Jemand mit einer Eins in Biologie und Chemie und dem Rest knapp ausreichender Leistung dürfte besser geeignet sein, als jemand mit lauter Einsen, der Biologie und Chemie zu früh wie möglich abgewählt hatte, also die guten Noten eher Fächern wie Philisophie, Kunst und Sport zu verdanken hat.
victoria101 07.12.2018
3. Gut so.
Die Anforderungen im Studium sind hoch genug. Wer dafür nicht taugt, fällt ohnehin raus.
lurchianer 07.12.2018
4.
Solange nicht nennenswert mehr Studienplätze geschaffen werden, warten immer noch so viele Leute wie jetzt, nur andere. Bedarf gibt es, gerade für niedergelassene Ärzte genug. In Ballungszentren bekommt man keinen Arzt mehr, weil voll (egal ob Allgemein-, Kinder-, Etc- Ärzte) und auf dem Land sieht es auch nicht besser aus. Hier versagt oder verschläft, wie bei allen anderen Themen auch, die Politik massiv. In den Krankenhäusern werden Stellen mit osteurop. Ärzten besetz. Bedarf gibt's scheinbar genug, wenn man Experten aus dem Ausland benötigt. Oder sind die, weil Osteuropa, günstiger?
neonerl 07.12.2018
5. Wo ist der Zusammenhang?
Mir entzieht sich der Zusammenhang zwischen guter Abiturnote und der Zulassung zum Medizinstudium völlig. Schulisches Lernen hilft einem im Studium wenig. In der Schule reicht auswendig lernen, im Studium sollte (eigentlich muß) man verstehen um was es geht. Sollte tatsächlich das Medizinstudium tatsächlich so aufgebaut sein, daß reines Auswendiglernen reicht, werden die Ärzte bald zu einem großen Teil durch Software ersetzt. Ein Chirurg oder Zahnarzt ist eh eher ein hochqualifizierter Handwerker als ein Mediziner. Ich finde, es sollte bei der Studentenauswahl die Motivation des Studenten im Vordergrund stehen. Wer motiviert ist, schafft auch das Studium.
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