Kultusminister Wartezeitquote für Medizinstudium soll wegfallen

Wer Medizin studieren will, soll künftig bei den Hochschulen nicht mehr damit punkten können, dass er jahrelang auf den Studienplatz gewartet hat. Darauf einigten sich die Kultusminister der Länder.

Medizinstudenten in Hannover
DPA

Medizinstudenten in Hannover


Die Vergabe von Plätzen für ein Medizinstudium nach Wartezeit soll nach dem Willen der Kultusminister der Länder wegfallen. Die Abiturnoten sollen aber weiterhin ausschlaggebend dafür sein, wer ein Studium im Fach Humanmedizin beginnen darf. Mindestens 20 Prozent der Studienplätze sollen weiter an die Abiturbesten vergeben werden. Darauf haben sich die Kultusminister während der Kultusministerkonferenz (KMK) in Erfurt geeinigt - für die Länder ist dies allerdings nicht bindend.

Der Beschluss ist eine Reaktion auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom Dezember vergangenen Jahres. Karlsruhe hatte damals entschieden, dass das Verfahren zur Vergabe von Medizinstudienplätzen teils verfassungswidrig ist und bis Ende 2019 neu geregelt werden muss.

Nach dem alten Verfahren wird ein Fünftel der Plätze an Bewerber mit einer Abiturnote von 1,0 bis 1,2 vergeben. Ein weiteres Fünftel wird nach Wartezeit vergeben - 14 bis 15 Semester. Die übrigen 60 Prozent der Plätze können die Hochschulen in einem eigenen Auswahlverfahren verteilen. Auch dabei spielt die Abiturnote eine wichtige Rolle.

Das Bundesverfassungsgericht forderte auch, dass die Abiturnoten in den Ländern annähernd vergleichbar sein müssten. Dafür soll laut KMK zunächst ein Ausgleichsmechanismus greifen - solange, bis die Vergleichbarkeit auf politischem Weg hergestellt wurde.

Neben den Abiturnoten sollen nach dem Willen der Länder künftig noch zwei weitere "eignungsbasierte" Kriterien bei der Vergabe von Medizinplätzen eine Rolle spielen. Welche das sind und welches Gewicht sie im Vergabeverfahren haben werden, soll noch in diesem Jahr geklärt werden, hieß es.

Nach Angaben von Hamburgs Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank sollen mit einer sogenannten Talentquote Faktoren wie die besondere Eignung fürs Medizinstudium berücksichtigt werden. Dazu könnten zum Beispiel Sozialkompetenz oder Berufserfahrung gehören.

Um den Langzeitanwärtern Rechnung zu tragen, soll zudem geprüft werden, ob die während der Wartezeit erworbenen Qualifikationen in anderen Quoten berücksichtigt werden können.

Video: Knochenarbeit im OP

SPIEGEL TV

lov/AFP/dpa

insgesamt 27 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Circular 15.06.2018
1. Man sollte die Studienplätze versteigern
Damit könnten die wirtschaftlich potentesten Familien zum Zuge kommen. Die können sich ja nach Abschluss der Ausbildung auf die Behandlung von Privatpatienten konzentrieren.
taglöhner 15.06.2018
2. Nur zu
Die Wartezeit ist wohl neben einer Ausbildung in einem Pflegeberuf der Faktor, der am ehesten Leidenschaft für diese Branche abseits von Status und Verdienstpotential abbildet. Für Papas Praxisnachfolge gibt es ja immer noch Innsbruck, wenn der Test zu schwer ist.
großwolke 15.06.2018
3. Ist das zielführend?
Wenn man die Wartezeit als Kriterium ganz entfernt wird der Studienplatz weniger planbar. Das wird sicher dazu beitragen, die Bewerberzahlen etwas zu verringern, aber macht es den Prozess auch weniger angreifbar?
brot&salz 15.06.2018
4. was heißt Berufserfahrung?
Dass ich eine Ausbildung zum Krankenpflger mache, obwohl das eigentliche Ziel das Medizinistudium ist? Ich hoffe nicht alle ausgebildeten krankenpfleger*innen wollen bzw. werden anschließend Medizin studieren.
alsterherr 15.06.2018
5.
Wieso nicht einfach ein Semester Praxisarabeit in der Pflege als zwei Wartesemester anrechnen? ... win-win
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.