Medizinstudium Zukünftige Landärzte dürfen eher studieren

Wer kein brillantes Abi hat, muss oft jahrelang auf einen Studienplatz in Medizin warten. Das soll sich nun ändern. Mit einem großen Reformplan krempeln Bund und Länder die Ausbildung für angehende Ärzte um.

Medizinstudenten in Hannover (Archivbild)
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Medizinstudenten in Hannover (Archivbild)


Patientenkontakte schon im ersten oder zweiten Semester, dazu Studienplätze, die später zur Arbeit als Landarzt verpflichten: Das sind die Kernelemente des "Masterplans Medizinstudium 2020", den Bund und Länder am Freitag verabredet haben. Ziel der Reform ist eine größere Praxisnähe des Studiums und die Stärkung der Allgemeinmedizin gegenüber Spezialistentum.

Um mehr Landärzte zu gewinnen, soll den Ländern die Einführung einer Quote erlaubt werden. Sie können in Zukunft bis zu zehn Prozent der Medizinstudienplätze vorab an bestimmte Bewerber vergeben - diese müssten sich im Gegenzug verpflichten, "nach Abschluss des Studiums und der fachärztlichen Weiterbildung in der Allgemeinmedizin für bis zu zehn Jahre in der hausärztlichen Versorgung in unterversorgten beziehungsweise durch Unterversorgung bedrohten ländlichen Regionen tätig zu sein", wie es in dem Beschluss heißt.

Grundsätzlich soll der Weg ins Medizinstudium erweitert werden, erläuterten die zuständigen Bundesminister Johanna Wanka (Bildung) und Hermann Gröhe (Gesundheit). So sollen die Hochschulen in ihren Auswahlverfahren neben der Abiturnote mindestens zwei weitere Kriterien anwenden: Einerseits werden laut "Masterplan" künftig soziale und kommunikative Fähigkeiten sowie die Leistungsbereitschaft der Studienbewerber stärker berücksichtigt, zum anderen eine Ausbildung oder Tätigkeit in medizinischen Berufen.

Bund und Länder hatten zuvor lange über den Masterplan diskutiert. Insbesondere die Frage, wer die Kosten für die Reform trägt, hatte immer wieder zu Verzögerungen geführt. Eine endgültige Einigung wurde auch am Freitag noch nicht erzielt - deshalb soll jetzt eine Expertenkommission unter Leitung der früheren Generalbundesanwältin Monika Harms Kosten und Details klären.

him/dpa



insgesamt 32 Beiträge
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Seite 1
Berg 31.03.2017
1.
"Der Landarzt" ist eine Fernsehserie. Dort wird vorgeführt, dass auf dem Lande zwar auch schwierige und schwere Krankheits- und Unfälle auftreten. Aber der Landarzt behandelt kaum selber. Er macht viel Hausbesuche und Fahrten an Unfallorte. Seine Aufgabe ist die Erstdiagnose, ggf. eine Blutabnahme und dann die sofortige Überweisung an den richtigen Facharzt oder gleich ins Krankenhaus. Der Allgemeine Arzt auf dem Lande muss also kein Chirurg, kein Internist, kein HNO sein - aber gute Verbindungen haben ins nächste Krankenhaus - und zur Hubschrauberstation......
aki-108 31.03.2017
2. hm
... Quote? also nicht *mehr* Ärzte, sondern nur anders verteilt? das soll eine Reform sein?
spon-1300967153469 31.03.2017
3. nicht mehr Plätze
die Plätze sind halt teuer für die Länder; finde ich prinzipiell aber gut, dass sich Med.studenten dann als Allgemeinmediziner in unterversorgten Bereichen für 10a verpflichten; diese werden dann auch zum großen Teil dort hängen bleiben, da ja in dieser Zeit auch wichtige Lebensentscheidungen wie Ehe und Kinder fallen;
Kôlner 31.03.2017
4. Ein Wunder!
Na endlich. ein etwas kleiner Schritt, aber in die richtige Richtung. Damit können endlich auch mal ein paar von denen Medizin studieren, die tatsächlich das richtige Rüstzeug für diesen Beruf mitbringen. Empathie und zuhören können z.B.
yehoudin 31.03.2017
5. Es sind halt zu wenig Ärzte.
Als ob sich die Kollegen in Ballungsgebieten langweilen würden oder arbeitslos wären. Blödsinnige Idee, es sei denn diese Studienplätze würden zusätzlich zu den bisherigen exklusiv für diese Interessenten angeboten werden.
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