Hilfe von der WG-Therapeutin "Mein Mitbewohner will, dass meine Freundin putzt"

Jonas' neue Freundin schläft fast jede Nacht bei ihm in der WG. Nun will sein Mitbewohner, dass sie regelmäßig das Bad sauber macht. Muss sie?

Studentin beim Saubermachen (Symbolbild)
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Studentin beim Saubermachen (Symbolbild)

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Jonas* schreibt:

Seit einigen Wochen bin ich in einer Beziehung und meine Freundin ist ziemlich häufig bei mir, nahezu jede Nacht. Unser gemeinschaftliches Bad putzen wir immer im Wechsel: Eine Woche putzt mein Mitbewohner, die nächste Woche ich. Meine Freundin putzt mittlerweile im Wechsel mit mir. Sie übernimmt also die Hälfte meines Putzplans, doch das stört meinen Mitbewohner.

Er möchte, dass die Zeit durch drei geteilt wird, weil er nicht einsieht, dass er jede zweite Woche putzt, während ich nur jede vierte Woche dran bin. Ich habe ihm erklärt, dass sie nicht hier wohnt und Gast ist. Ich bin ja nach wie vor Mieter des Zimmers und Hauptnutzer des Bades. Jetzt möchte er gar nicht mehr putzen, bis wir seinem Plan folgen. Meine Frage nun: Wie soll ich damit umgehen?

*Name geändert

Zur Person
  • Amac Garbe
    Sabine Stiehler lindert den WG-Kummer der SPIEGEL-ONLINE-Leser. Stiehler ist promovierte Erziehungswissenschaftlerin und leitet die Psychosoziale Beratungsstelle im Studentenwerk Dresden.

Sabine Stiehler antwortet:

Lieber Jonas,

Sie schreiben, dass Ihre Freundin fast jede Nacht zu Ihnen in die WG kommt. Das heißt, sie duscht bei Ihnen und benutzt die Toilette. Sie verbraucht Wasser und Strom. Vielleicht liegen auch ihre Haare im Bad herum.

Weil das Bad nun auch viel häufiger besetzt ist, kommt Ihr Mitbewohner vielleicht nicht gleich auf Toilette, wenn er möchte. Das ist eine Einschränkung für ihn. Aus diesem Grund sollten Sie ihm entgegenkommen: Sie, Ihre Freundin und Ihr Mitbewohner sollten also zu gleichen Teilen putzen.

  • Silja Götz
    Wohngemeinschaften sind toll, das einzig Lästige sind die Mitbewohner. Sie leeren dein Nutella-Glas, haben lauten Sex und noch lautere Musikanlagen. Oder weint dein Zimmernachbar dauernd und wirkt depressiv? Schreist du alle nur noch an? Bei WG-Kummer hilft Erziehungswissenschaftlerin Sabine Stiehler. Schick deine Fragen, Sorgen, Probleme an wg-kummer@unispiegel.de. Mit einer Einsendung erklärst du dich mit einer anonymen Veröffentlichung auf SPIEGEL ONLINE und sämtlichen anderen Medien der SPIEGEL-Gruppe einverstanden.

Es ist ziemlich normal, dass er so auf die Situation reagiert. Vermutlich hat er es eine Weile so hingenommen, irgendwann hat es ihn dann aber so genervt, dass er etwas sagen musste. So ein Gespräch war wahrscheinlich schon längst überfällig.

Fragen Sie ihn, was Sie dazu beitragen könnten, das Klima in der WG wieder zu verbessern. Was würde er sich wünschen? Wie könnten Sie ausgleichen, dass Ihre Freundin ständig da ist?

Mehr Miete zu zahlen, wäre übertrieben. Aber putzen sollten Sie und Ihre Freundin auf jeden Fall.

insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
larry_lustig 26.02.2018
1. Fast jede Nacht? Das ist kein "Gast"
Wenn es eine normale Mietswohnung wäre, würde bei so häufigen Besuchen auch die Nebenkosten erhöht werden. Das entfällt aufgrund der üblichen Warmmiete-Vereinbarung bei WGs, aber an den Haushaltsdiensten beteiligen: Definitiv Ja Wir hatten das in unserer Studenten-WG auch: 4 Jungs: 3 Freundinnen, die haben selber das putzen komplett(!) übernommen, so als Ausgleich für die Mitbewohnung. Nennt sich gute Erziehung......
spon_2743581 26.02.2018
2. Andere Meinung
Das Anliegen des Mitbewohners verstehe ich. Drei Personen nutzen regelmäßig das Bad, also muss er nicht einsehen, warum er jedes zweite Mal mit putzen dran sein sollte. Im Verhältnis des Fragestellers zu seiner Freundin verstehe ich weder die bestehende noch die vorgeschlagene Regelung. Für des Fragesteller ist es natürlich angenehm, zur Zeit nur alle vier Wochen und in Zukunft alle drei zu putzen. Besser, als jede zweite Woche! Aber wie oft putzt wohl die Freundin? Sie hat ja anscheinend noch eine andere Wohnung, die auch dann sauberzumachen ist, wenn sie sich dort nicht mehr ständig aufhält. Ich gehe davon aus, dass sich der Herr Freund dort nicht beteiligt.
grumpy53 26.02.2018
3. Rechte ja, Pflichten nein
Ja, so ist das. Wer, ob als Gast oder quasi Mitbewohner Vorteile nutzt, sollte sich auch nicht aus den Pflichten raushalten. Heizung, Strom und Wasser zahlt also der WG-Kumpel mit, und putzt auch noch für den Gast mit. Frag mich, ob die junge Dame meint, sie ist im Hotel? Der Fragesteller soll sich doch mal in die umgekehrte Situation versetzen. Und ich als "Dauergast" würde mir überlegen, ob ich so unsolidarisch sein sollte. Alternativ könnte sie ja regelmäßig Küchenpflege oder regelmäßig eine gemeinsame von ihr geleistete Mahlzeit anbieten.
m82arcel 26.02.2018
4.
Wenn Jonas' Freundin nur Gast ist, warum übernimmt sie dann einen Teil seines Putzdienstes? Natürlich ist das nicht fair dem Mitbewohner gegenüber. Die Freundin meines Mitbewohners hat es von sich aus angeboten, einen Teil des Putzdienstes zu übernehmen, als sie eine Zeit lang häufiger hier war - und da war sie auch nicht annähernd jeden Tag/Nacht hier. Das hätte mich nämlich trotzdem gestört und sie und mein Mitbewohner konnten das nachvollziehen.
pipipupu 26.02.2018
5. Ist hier ein Psychologe nötig?
Oder hätte man das Problem mit etwas Empathie lösen können?
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