Minister-Ranking Die Professoren keilen aus

Einmal im Jahr sitzen Deutschlands Professoren über die Bildungspolitik zu Gericht - und wählen die beliebtetesten und unbeliebtesten Minister. 2008 gewinnt erstmals eine Frau. Hamburgs Senator kassiert eine satte Fünf minus.

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Sparmanöver und Stellenstreichungen, Evaluationen und Hochschul-Rankings - für empfindliche Professorenseelen ist das ziemlich viel Wettbewerb. Da darf man schon mal den Spieß umdrehen und alle berufstypische Zurückhaltung fahren lassen. Man gönnt sich ja sonst nichts: Seit vier Jahren lädt der Deutsche Hochschulverband, die Berufsvertretung der Uni-Professoren, regelmäßig im Winter zu einem Ministerranking.

Zeugnistag ist Watschentag. Denn frohe Botschaften regnet es für Deutschlands Bildungspolitiker eher nicht, dafür maue bis miserable Noten. Immerhin erreichten in der 2008-Wertung zwei Kandidaten Zweiernoten: Ganz vorn liegt Brandenburgs Wissenschaftsministerin Johanna Wanka (CDU), die Teilnehmer gaben ihr im Schnitt eine 2,2. Damit hat erstmals eine Frau das Ministerranking gewonnen. Auf dem zweiten Rang folgt Kollege Jan-Hendrik Olbertz aus Sachsen-Anhalt vor dem Minister-Frischling Joachim Rippel aus dem Saarland. Er ist der Aufsteiger des Jahres, während sein Amtsvorgänger Jürgen Schreier nur Drittletzter wurde.

Bemerkenswert ist das Absacken von Jürgen Zöllner, Veteran der Bildungspolitik. Gefühlte 100 Jahre war er Minister in Rheinland-Pfalz, bevor der SPD-Mann im November 2006 nach Berlin wechselte. Allgemein wurde sein Wechsel zunächst als Gewinn begrüßt, zumal die Haupstadt-Hochschulen ausgezehrt und viele Schulen morsch sind. Letzte Woche konnte Zöllner zum Beispiel neue Mittel von 58 Millionen für eine verbesserte Lehre in den kommenden Jahren verkünden.

Chance für zornige Kommentare

Doch auf kräftigen Gegenwind stießen vor seine Pläne für eine "Super-Universität" der Spitzenforscher. Dagegen rebellierten die drei große Universitäten und wollen sich auch das alleinige Promotionsrecht nicht nehmen lassen - sicher einer der Gründe für sein mäßiges Abschneiden im Minister-Ranking.

Ansonsten auffällig: Bremens ehemaliger Bildungssenator Willi Lemke schaffte einen soliden fünften Rang, seine Nachfolgerin Renate Jürgens-Pieper - seit Juni 2007 im Amt - ist nur auf einem Abstiegsplatz. Noch schlechter schnitt nur Hamburgs Wissenschaftssenator Jörg Dräger ab: Fünf minus, Letzter, setzen.

Ehernen Gesetzen der wissenschaftlichen Seriosität folgt das Ministerranking nicht, das räumt auch der Hochschulverband ein. Es ist ein Stimmungsbild und zudem eine willkommene Gelegenheit, geballtem Unmut Luft zu machen. Diese Möglichkeit nutzten viele Teilnehmer. "Die Förderalismusreform ist eine echte Katastrophe, wie kann eine Bundesministerin so etwas mitmachen", lautete zum Beispiel einer der Kommentare zu Bildungsministerin Annette Schavan.

Ein anderer Teilnehmer wünschte sich für seine Bewertung des niedersächsischen Ministers Stratmann eine Zusatznote unterhalb von "Ungenügend". Und ein weiterer Hochschullehrer empfahl Schlusslicht Jörg Dräger aus hamburg: "Gehen Sie nicht über Kompetenz, gehen Sie direkt aus dem Amt und verlassen Sie das Spielfeld."



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